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Lokalnachrichten

» Kultur | Donnerstag, 18. September 2014

Schwärende Architektur-​Wunden

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So wie die Wohnung ausgestattet wird, um sich in ihr wohlzufühlen und jeder Raum Erinnerungen und Emotionen birgt, so will der Bürger auch seine Stadt erleben – und reagiert auf Veränderungen zunehmend kritischer.

ARCHITEKTUR (wil). Wie solche Veränderungen in den letzten fünfzig Jahren aussahen und mit welchen Bausünden unsere Städte überzogen wurden, das zeigt eine Ausstellung des Instituts für Stadtbaukunst der TU Dortmund , die bis 10. Oktober in der Volkshochschule am Münsterplatz besichtigt werden kann.
VHS–Leiterin Ingrid Hofmann sieht in dieser Ausstellung zwei wichtige Anliegen der Gmünder verknüpft, denn sie verbindet Stadtgestaltung mit Erinnerungskultur. Und so zeigt auch der Gmünder Beitrag für diese Ausstellung eine sehr emotionsbeladene Wunde im Stadtbild, nämlich die Brache am alten Hallenbad. „Wir gehen da therapeutisch vor“, merkte Baubürgermeister Julius Mihm dazu an.
Julius Mihm war es auch, der diese Ausstellung nach Gmünd holte und damit der Frage nachgeht, wie stark die Bindung der Bürger an ihre Stadt ist. „Orte sind emotionsbesetzt“, so Mihm und damit erklärt sich auch so mancher bitterböse Protest gegenüber Veränderungen. Hat in Gmünd der Abriss der Gründerzeitvilla in der Charlottenstraße die Wogen hochgehen lassen, so ist die Reaktion andernorts auf den Abriss eines Bahnhofs viel heftiger.
Mihm fühlte denn auch den wehmütigen Seufzern vieler Gmünder nach dem „Josefle“ nach, denn schließlich war dort einmal eine Tanzschule. Erinnerungen hängen eben an Räumen, Gebäuden und Plätzen. Der Abriss des alten Stadtbads hatte jedoch seine Ursache schlicht im Fehlen einer Vorstellung für die Nachnutzung. Eine heute gängige Verbindung von Architektur und Kultur sei damals noch nicht „in“ gewesen.
Der Initiator der Wanderausstellung und Redner des Abends, Prof. Christoph Mäckler, selbst Architekt und derzeit am Frankfurter Flughafen aktiv, lobte Gmünds Baubürgermeister für sein städtebauliches Denken und dass er „sich mit dem Stadtraum und seiner Kultur auseinander setzt“. Viele Gemeinden hätten keine Konzepte, die den Bürgern zusagten und die Ausstellung zeige vor allem Entwicklungen, die nicht befriedigten. Hier sei zu sehen, was in den Städten „nach dem Krieg zerstört worden ist“. Dass solche Bausünden heute seltener seien, liege daran, dass die Bürger ihre Stadt als schützens– und pflegenswert einstuften und sich dafür einbrächten.
Wahre Bausünden sind für Mäckler Fremdkörper wie das Stadthaus am Ulmer Münsterplatz. Hier habe sich ein Architekt verwirklicht, der keinerlei Bezug zur unmittelbaren Umgebung dieses Baus habe. Solche Stararchitekten wirkten weltweit, die in verschiedensten Städten gleichartige Bauwerke mit ihren Stilmerkmalen hinterließen, „egal ob Rom oder Los Angeles“.
Proportionen und Farbenlehre seien aus der Architektur nicht wegzudenken, das sei keine Frage des Geschmacks, so Mäckler. . Er plädierte zwar für eine zeitgemäße Architektur, aber diese müsse die Stadt stützen, erhalten und festigen und dürfe sich nicht gegen das gewachsene und vertraute Stadtbild richten.
 

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