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Erhard & Söhne — eine Keimzelle der Gmünder Industrie

Erhard & Söhne war im 19. Jahrhundert eine Keimzelle der Industrialisierung in Gmünd, im 20. Jahrhundert die Geburtsstätte des Unimog. Gedenktafeln sollen daran erinnern. Einweihung ist am Sonntag, 10. Mai. Auch die Fehrle-​Flachplastik, einst am Fabrikeingang angebracht, wird wieder aufgestellt.

Montag, 04. Mai 2015
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 31 Sekunden Lesedauer

SCHWÄBISCH GMÜND (rw). An die Firma Erhard & Söhne in der Weißensteiner Straße gegenüber dem Margariten-​Hospital erinnern sich viele Gmünder, auch wenn weder Hospital noch der Hersteller „feiner Metallwaren“ mehr existieren. Das Krankenhaus ist zum Gesundheitszentrum umgewidmet, das Firmengebäude von Erhard wurde 2004 abgerissen, nachdem das Unternehmen vollends auf den Gügling übersiedelt hatte. Ein reiner Automobilzulieferer geworden, ging die 1844 gegründete Firma im Magna-​Steyr-​Konzern auf. Das einstige Fabrik-​Areal an der Weißensteiner Straße wurde mit DRK–Zentrum, Verbrauchermärkten und Mehrgenerationenhaus neu bebaut. An die Firmengeschichte, zugleich wichtiges Kapitel Gmünder Industrie– und obendrein Kunstgeschichte, erinnerte bislang nichts. Bleibenden Ruhm erwarb sich Erhard zudem als Geburtsstätte des Unimog: die ersten vier – heute verschollenen – dieser als landwirtschaftliche Allzweck-​Vehikel für das zerstörte Nachkriegsdeutschland konzipierten Nutzfahrzeuge wurden bei 1946 Erhard gebaut. „Schwäbisch Gmünd ist die Geburtsstadt des Unimog“, betont Egon Spiller, der heute 75-​jährige frühere Erhard-​Prokurist. Erhard-​Geschäftsführer Eduard Köhler sei ein mutiger Mann gewesen, als er nach dem Krieg das Unternehmen neu ausgerichtet habe. In seinen besten Wirtschaftswunder-​Zeiten hatte es bis bis zu 500 Mitarbeiter.
Die Unimog-​Produktion freilich fand später nicht in Gmünd statt: Die Prototypen 5 und 6 wurden bei Boehringer in Göppingen montiert, dann folgte dort eine Serie von 600 Exemplaren. Erst ab 1951 wurde in Gaggenau produziert, seit 2002 nur noch in Wörth am Rhein – 320 000 Unimog in über 30 Baureihen bislang, wie Spiller weiß.
Egon Spiller und seine Mitstreiter kümmern sich darum, dass dieses Kapitel Gmünder Industriegeschichte nicht in Vergessenheit gerät: Sie lassen Informationstafeln auf dem Areal anbringen. Vor allem bringen sie die demontierte, auf dem Gügling eingelagerte und fast in Vergessenheit geratene Flachplastik von Jakob Wilhelm Fehrle zurück, die ab 1961 den damals modernisierten Fabrikeingang schmückte. Auf einer in den annähernd ursprünglichen Wandfarben bedruckten Tafel angebracht, befindet sie sich nun an der Schmalseite des Aura-​Biomarkts, gut sichtbar zur Weißensteiner Straße hin. Die Stadt und das örtliche DRK – in Personalunion dies kundtuend durch den Ersten Bürgermeister und DRK–Kreisverbandsvorsitzenden Dr. Joachim Bläse – unterstützen das Vorhaben. Die Einweihung der Metall-​Plastik, der Unimog– und Erhard & Söhne-​Erinnerungstafeln am Sonntag, 10. Mai, ist keine kleine Sache: Es findet aus diesem Anlass ein Festakt im Foyer des DRK–Zentrums statt, außerdem – und nur an diesem Tag – eine Ausstellung mit dem Titel „Erhard & Söhne im Wandel der Zeiten“. Im DRK–Erdgeschoss wird die einstige Erhard-​Produktpalette ausgestellt, von der Schmuckkassette zum Tank, vom Schleuderascher zur berühmten „Thermolord“-Isolierkanne. Und draußen erwartet die Besucher eine Parade von 15 historischen und modernen Unimogs. Eingebettet ist Ganze in den Beginn des „Gmünder Sommers“.

Sonntag, 10. Mai, 10 Uhr: Festakt im Foyer des DRK–Zentrums. OB Arnold begrüß, Egon Spiller spricht über die Firma Erhard, Unimog und die Fehrle-​Metallplastik.
Um 10.30 Uhr werden die Tafeln und die Fehrle-​Plastik enthüllt. Grußworte sprechen Landrat Klaus Pavel, Prof. Dr. Eduard Köhler, Norman Erhard und Jan Debler (Mercedes-​Benz AG Wörth). Schlusswort: Dr. Joachim Bläse.
Ab 11 Uhr kann ganztägig die Unimog– und Erhard-​Produkte-​Ausstellung besichtigt werden.

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