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» Schwäbisch Gmünd | Dienstag, 12. Januar 2016

Lachen über den Teufel — Ein etwas anderer Blick auf die Fasnet und ihre Wurzeln

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Als die RZ jüngst über Hölltal-​Sage und Rudo berichtet hat, waren sie wieder da, die Reaktionen von Leserinnen und Lesern, die sich nicht wohl fühlen mit Traditionen der Fasnet, in denen der Leibhaftige für Mummenschanz herhalten muss. Der Blick auf den verspotteten Teufel führt weit zurück in eine Zeit, in der der Leibhaftige reale Bedrohung war.

Von Birgit Trinkle
SCHWÄBISCH GMÜND. „Der Teufel ist nicht der Fürst der Materie. Der Teufel ist die Anmaßung des Geistes, der Glaube ohne ein Lächeln, die Wahrheit, die niemals vom Zweifel erfasst wird“ – dieses Umberto Eco zu verdankende Teufelsverständnis gründet in einer Art zu denken, die den Menschen früher fremd war.
Der Mensch im Mittelalter glaubte, dass der Teufel körperlich zur Stelle ist, wenn Sündiges gedacht oder gar getan wird: Er versucht die Menschen hinabzuziehen in den Pfuhl der Untreue, der Fleischeslust, der Sakramentenschändung und anderer Todsünden. Auf dem Tanzboden holt er sich die wildesten Tänzerinnen, und wenn beim Maskentanz ein „Überzähliger“ auftritt, ist es meist schon zu spät. Beim Mummenschanz geht es häufig nicht mit rechten Dingen zu – der Teufel trägt Masken. In der Hölltal-​Sage war es das einzige Vergehen eines Metlanger Bauern, sich zu spät auf den Heimweg gemacht zu haben; unterwegs bleibt sein Gespann im Schlamm stecken. Der einzige Hinweis darauf, wer ihm da mit seidenweicher Stimme Hilfe anbietet, ist die rote Feder am Hut des Fremden.
Der Teufel war buchstäblich leibhaftiger Versucher; nach der ersten Pestwelle spielte er im Denken der Menschen eine zentrale Rolle: Irgendjemand musste für Seuchen und Missernten, für Bevölkerungsschwund und Plünderungen verantwortlich sein, und dieser Jemand war so gefährlich, dass selbst Gott ihm nichts entgegenzusetzen hatte. Da die Menschen im göttlich-​teuflischen Spiel die einzige Variable zu sein glaubten, konnte allein menschliche Schuld und Sünde als Erklärung für den mächtiger werdenden Teufel herangezogen werden.
An dieser Stelle gibt es zwei Entwicklungen, die von der RZ nachvollzogen werden. Zum einen wird der Teufelsbund wichtig, ein Generalverdacht, unter dem die sich abzeichnende Wissenschaft ebenso stand wie unbotmäßiges Weibsvolk: Neben materiellen Vorteilen waren in der Überlieferung vor allem Wissen und Macht gefragt, wenn es darum ging, sich mit Hilfe des Teufels Vorteile zu verschaffen. Faust ist weder der erste, noch der originellste Teufelsbündner der Weltliteratur. Die andere Entwicklung aber führt direkt zum Hanswurst-​Teufel, dem das Christenvolk eine lange Nase drehen darf, den es herbeirufen, durch die Straßen tanzen lassen und – wie in Iggingen bei den Butzen – an eine Kette legen kann. Heutige Versuche, diesen Traditionen nachzuspüren, gründen auch in der Ahnung, dass das Lachen über den Teufel ein ganz elementares ist. Der Tanz der Maskenträger, die derbe Bildhaftigkeit und die Sinnesfreude die untrennbar verbunden sind mit dem langen Fasten, das folgt – sie sind kein unbedeutender Teil der Gmünder Kulturgeschichte. Davon ist in der Dienstagsausgabe zu lesen.
 

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