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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Dienstag, 05. Januar 2016

Anja Meinhardt arbeitet als Theatermacherin in England zu Themen wie Menschenhandel und Armut

Galerie (7 Bilder)

Den eigenen Weg gehen, sich die Träume nicht nehmen lassen – was so ziemlich alle jungen Leute wie wild posten, teilen, alle Welt wissen lassen, wird eher selten umgesetzt. Leicht ist es nie. Für Theaterfrau Anja Meinhardt war dieser eigene Weg der einzig denkbare, und sie lebt gut damit.


. War’s ihr in die Wiege gelegt? Von klein an an Anja Meinhardt, geboren im April 1982 in Mutlangen, die ersten vier Jahre in Lindach lebend, dann bis zum 16. Lebensjahr in Göggingen, getanzt und gesungen, wo immer dies möglich war. Frühe Bilder zeigen sie auf dem Wohnzimmertisch stehend Vorführungen geben, mit Tutu angetan und mit großer Geste. Mit 16 ging sie über ein Rotary-​Austauschprogramm für ein Jahr nach Tehuacán im mexikanischen Bundesstaat Puebla. Das war ein Kompromiss: „Jeder erzählte von den USA, ich wollte etwas ganz anderes“, erinnert sie sich, und dass ihre Mutter Uruguay und Brasilien ein bisschen zu anders fand, sprich zu gefährlich. In diesem Jahr lernte sie andere Sprachen, vor allem aber eine andere Lebensart kennen, was ihr eigenes Leben verändert, reicher gemacht hat.
Am Traum vom Theater, den sie hegt, seit sie mit zehn Jahren in Wien „Cats“ gesehen hat, änderte Mexiko nichts. In Göggingen war sie im Kinderchor, durfte bei Dora Köger lernen und im Stück „Knasterbax und Siebenschütz“ den Polizisten spielen. Bei Sabine Widmann begann sie zu tanzen. Nach dem Abitur im EG auf dem Hardt gönnte sie sich einen Workshop an der Academy der damals schon angeschlagenen Stella AG, bei dem sie Bestätigung und Ermutigung erfuhr, die sie brauchte, um endgültig die Weichen für ihren Weg zu stellen. In Osnabrück und Wien ließ sie sich zur Musicaldarstellerin ausbilden und war dann zweieinhalb Jahre mit dem Mobilen Kindertheater Moki unterwegs. Sie lacht: Es hat Spaß gemacht, „aber ich hatte lange zu tun, die großen Augen und das große Spielen wieder abzustellen“.
Irgendetwas fehlte; sie konnte nicht so richtig Fuß fassen, buchstäblich, und so suchte Anja Meinhardt weiter nach ihrem Weg. Bis sie aufs „physical theatre“ stieß, eine Theaterform, die Geschichten vor allem mit dem Körper erzählt. Das war ihre Stärke, „so kann ich am besten kommunizieren“. Am Anfang stand zeitgenössischer Tanz, an dem sie mit Profis wie Danny Scott in offenen Klassen arbeiten durfte. Das entsprach so sehr ihren Talenten und ihren Neigungen, dass sie sich der Company „PointZero“ anschloss und für 18 Monate ein Praktikum in Oxford absolvierte. In dieser Zeit lernte sie nicht nur, sie war damals bereits als freischaffende Theatermacherin unterwegs – insbesondere als Tanz– und Bewegungsregisseurin. In der Zeit um ihren 30. Geburtstag begann sie dann, eigene Stücke zu schreiben und zu entwickeln. Aus ihrem vom Tanzforum Oxford bezuschussten Solostück „Bound“ wurde ein anderthalbstündiges Spiel, das ganz tief im Menschenhandel gründet. Mit Tanz, Schauspiel und Akrobatik baute sie auf tatsächliche Fälle auf – in England, im 21. Jahrhundert. Ein vergleichbarer Fall wurde fast zeitgleich mit der Premiere ganz in der Nähe aufgedeckt, was dem Ganzen einige Brisanz gab. Die Recherche, der Anspruch, mit ihren eigenen Mitteln zu erzählen, in jedem Fall aber wahrheitsgetreu, sicherte ihr weitere Fördergelder und Engagements.
Das war der zweite entscheidende Ansatz: „Was wichtig ist im Leben, davon wollte ich erzählen. Nicht nur unterhalten, sondern auch zum Denken anregen, vielleicht zum Umdenken.“ Welche Möglichkeit haben Einzelne, etwas zu verändern? Das wurde für Anja Meinhardt die entscheidende Frage. Sie fühlt sich auf dem richtigen Weg, seit sie ihre Begabungen im Theater und ihre Passion für Menschenrechte verbindet. So hat sie eine starke Stimme, davon ist sie überzeugt und sie setzt diese Stimme ein. Sie will Betroffene und Überlebende erreichen, Schüler und Studierende in der Formungsphase, Politikerinnen und Politiker, Entscheidungsträger eben, außerdem Organisationen, die mit einem solchen Thema zu tun haben. Menschenhandel ist schlimm – das versteht sich von selbst. Sie aber will „raus aus Denkmustern“, geht Fragen nach, warum Betroffene wie der Lohnsklave auf der Großbaustelle irgendwann nicht mehr fliehen können und wollen. Wie weit Menschen gehen für ein besseres Leben und was sie dafür zu zahlen bereit sind. Nach jeder Aufführung gibt es eine Diskussion, die zeigen, wie sehr die Gmünderin provoziert, inspiriert, nachdenken lässt. „Bound“ wurde ein Erfolg, sie gründete ihre eigene Company „Justice in Motion“ mit zeitweise zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die RZ berichtet in ihrer Mittwochsausgabe.
 

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