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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 09. März 2016

Themenabend am 8.März: „Das alte Lied von Gewalt gegen Frauen – neue Fakten dazu aus dem Jahr 2016

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Gmünder Frauen sind sehr sicher, freilich fühlen sie sich anders, wovon am Wochenende Unmengen von der Polizei sichergestelltes Pfefferspray zeuget: Das war am Dienstag Abend eine Aussage beim Themenabend „Das alte Lied von Gewalt gegen Frauen – neue Fakten dazu aus dem Jahr 2016

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Mit fünf Vorträgen und gefühlt tausend Aussagen fast überfrachtet, gleichwohl interessant und umfassend informierend – das war die zentrale Gmünder Veranstaltung zum Frauentag, zu der die Frauenbeauftragte der Stadt, Elke Heer, begrüßte. Nach Bettina Wegners Lied „No Women no cry — weine nicht aber schrei“, erinnerte Heer an den ersten Frauentag 1911, an dem das Frauenwahlrecht bestimmendes Thema war. 2016 gebe es noch immer Schwachstellen, die aufzuzeigen seien. Was sie in aller Kürze umriss, führten ihre Gäste dann im Detail aus.
Laura Renner von der Uni Freiburg sprach über das Projekt Womanstats, das internationale Daten auswertet – Rechte und Freiheit von Frauen im Vergleich. So erklärte sie, dass sich „Stabilität, Frieden und Verlässlichkeit eines Staates“ auch an der Situation der Frauen ablesen lasse: an der Gewalt gegen Frauen, an der Gleichheit im Blick auf Besitz, Einkommen und Sicherheit, am Zahlenverhältnis – mittlerweile gibt es bereits 24 Staaten mit deutlich mehr Männern als Frauen –, und an der Bedeutung machtvoller, männerdominierter Clans. Was für viele im Publikum sehr überraschend kam: Deutschland steht im internationalen Vergleich gar nicht so überragend da, wie vermutet. Schweden und Österreich, beispielsweise sind in vielen Bereichen besser aufgestellt – bei der psychischen Sicherheit, beim Opferschutz, bei gesellschaftlichen Tabus, Gewalttaten anzuzeigen. Zum ersten, nicht zum letzten Mal an diesem Abend wurde die Istanbul-​Konvention angesprochen, die Deutschland unterzeichnet, noch immer aber nicht umgesetzt hat: Für die Verurteilung eines Sexualstraftäters ist eine tatsächliche Drohung notwendig, körperlicher Widerstand, der gebrochen werden musste: Ein „Nein“ reicht nicht. Wird eine Frau vom Grapscher überrascht oder vom Angreifer in Schock– und Angststarre versetzt, ist der Übergriff strafrechtlich nicht zu erfassen. Laura Renner nannte weitere Zahlen – dass die landwirtschaftliche Arbeit auf der Welt zu mehr als 50 Prozent von Frauen geleistet wird, die jedoch nur zwei Prozent der Fläche besitzen.

Polizeioberkommissar Thomas Mahlich, in Gmünd für den Opferschutz zuständig, sprach von Delikten wie häuslicher Gewalt und Stalking und davon, dass 99 Prozent der Opfer, die er betreue, Frauen seien. Er ging auf „Taharrush Jama’i“ ein, gemeinschaftlich begangene sexuelle Gewalt an Frauen, die seit der Silvesternacht erstmals auch in Deutschland Thema ist. Innenminister Gall zitierend meinte er, in Baden-​Württemberg habe der Schutz der Bevölkerung höchste Priorität, und das werde künftig noch mehr zu spüren sein. Mahlich stellte den nunmehr umgesetzten Fünf-​Punkte-​Plan vor, der Maßnahmen wie Videoüberwachung, Kooperation mit der Bundespolizei und Platzverweise vorsieht und entscheidend dazu beitrage, rechtsfreie Räume einzudämmen: „Dafür, dass Köln bei uns nicht passiert, arbeiten wir gerne.“ Auch private Maßnahmen wie Co-​Walker oder Heimwegtelefon nannte er, oder das am Wochenende so massenhaft in Handtaschen gefundene Pfefferspray: „Wenn es Sie beruhigt, nehmen Sie’s mit.“ Aber er sei seit 1996 in Gmünd, kenne die Stadt zu jeder Stunde, in jeder Ecke: „Hier sieht’s richtig gut aus; die Zahlen halten sich wirklich in Grenzen.“ Mahlich dankte in diesem Zusammenhang der Stadtverwaltung und sprach von hervorragender Zusammenarbeit mit dem KOD.
Rechtsanwältin Eva Tschirren-​Necker, Helga Röger-​Schnell und Sabine Renner widmeten sich der Gewalt gegen Frauen, den Formen dieser Gewalt, den Auswirkungen – auch anhand von Beispielen. Die RZ berichtet am Mittwoch.
 

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