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Timo Pietschmann ist nach langer Suche endlich angekommen – in Straßdorf

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Foto: Lämmerhirt

Timo Pietschmann ist Boxer und Trainer beim TSB Gmünd. „Ich habe, seitdem ich elf Jahre alt bin, immer geboxt. Immer“, sagt der 47-​Jährige selbst. Doch er hat nicht immer nur im Ring geboxt, er musste sich auch durchs Leben boxen. Mehrmals.

Donnerstag, 30. August 2018
Alex Vogt
1 Minute 30 Sekunden Lesedauer

Pietschmann ist mit seiner Frau Simone verheiratet, beide haben Sohn Maex-​Silvio. Sie wohnen in einem gemütlichen Häuschen in Straßdorf, Hund Carlos spielt im Garten. Der Werkzeugmacher arbeitet seit 2000 für die Firma Mürdter in Mutlangen, seit 2006 sitzt er dort im Betriebsrat, seit 2010 ist er Betriebsratsvorsitzender. Klingt fast spießig – und lässt nicht im Geringsten erahnen, welch bewegtes Leben hinter dem gebürtigen Brandenburger steckt. „Über mich könnte man eigentlich ein Buch schreiben“, sagt er heute lachend. In Senftenberg, in der Niederlausitz, ist Pietschmann aufgewachsen, in der ehemaligen DDR. Bei Aktivist Brieske-​Senftenberg hat er mit dem Boxen angefangen, später ging es zum SC Cottbus, einem größeren Klub.
Schüsse am Grenzzaun
Dort wurde er fast regelmäßig Bezirksmeister, schnell kristallisierte sich heraus, dass Boxen sein Sport war und ist. Doch so sehr er das Boxen liebte, so unwohl fühlte er sich in der DDR. 1988 dann startete er einen Fluchtversuch – und wurde erwischt. „Die haben damals an mir vorbeigeschossen. In dem Moment bleibst du automatisch stehen“, erinnert er sich noch genau an den Moment der Festnahme. Die Folge: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist Pietschmann zu zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt worden. 13 Monate musste er absitzen. „Ich war da zusammen mit richtig schweren Jungs, darunter auch Mörder. Es waren aber auch viele politische Flüchtlinge wie ich“, sagt er. Im Zuge der Wiedervereinigung wurde dann aber den meisten politischen Häftlingen Amnestie erteilt, Pietschmann war wieder frei. „Der einzige, der damals auf mich gewartet hat, war mein Kumpel Yassin, mit dem ich heute noch befreundet bin“, so Pietschmann.
Ein weiterer Kumpel von ihm, Rico Kretschmer, ist über Ungarn geflüchtet und landete von dort aus irgendwann in Dortmund. „Yassin sagte, dass wir nach Dortmund gehen werden, zu unserem Freund – also machten wir das so“, berichtet Pietschmann. Warum der Umzug vom sozialistischen Regime in diese neue Welt am damals 19-​Jährigen nicht spurlos vorübergegangen ist, lesen Sie in der Rems-​Zeitung vom 30. August.

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