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RZ-​Kommentar: Bosch, Amazon und der Gmünder Einzelhandel

Foto: gbr

Kann es sich die Stadt Gmünd vor dem Hintergrund der massiven Stellenabbaupläne von Bosch überhaupt leisten, die Ansiedlungspläne von Amazon vom Tisch zu fegen? Wie ist es zu bewerten, wenn Vorgesetzte bei Bosch ihre Mitarbeiter davon abhalten wollen, an einer Protestkundgebung teilzunehmen? Hilft es dem Gmünder Einzelhandel, wenn man das Verteilerzentrum des Online-​Riesen nicht in die Stadt lässt? Mit diesen Fragen befasst sich der aktuelle Kommentar in der Rems-​Zeitung.

Donnerstag, 05. Dezember 2019
Gerold Bauer
1 Minute 38 Sekunden Lesedauer

Kluge Entscheidung

THEMA: Arbeitsplatzabbau bei Bosch und Ablehnung von Amazon

Von Gerold Bauer
Das sind zunächst zwei völlig verschiedene Paar Stiefel – einerseits die Pläne von Bosch, in Gmünd massiv Stellen abzubauen, und andererseits der Ansiedlungswunsch des Online-​Riesen Amazon in Gmünd. Und doch hängen beide sehr eng miteinander zusammen, denn in beiden Fällen geht es um Arbeitsplätze. Hat man in den letzten Jahren der Hochkonjunktur kaum einen Gedanken daran verschwendet, dass man sich irgendwann Sorgen um seinen Job machen muss, hat diese Thematik den Gmünder Raum schneller eingeholt als es selbst die Pessimisten vorausgesagt hatten. Wenn man sich vor Augen führt, dass vom Verlust eines einzigen Arbeitsplatzes in der Regel eine ganze Familie betroffen ist, dann sind 1000 gestrichene Stellen ein herber Schlag für eine Region.
Dass Menschen so wie gestern dafür auf die Straße gehen und ihrem Ärger Luft machen, ist verständlich. Dass Vorgesetzte versuchen, sie durch angedrohte Abmahnungen einzuschüchtern, ist ein absoluter Griff ins Klo, für den sich jene zutiefst schämen sollten!
Wenn schon in Gmünd im großen Stil bei Bosch Stellen wegfallen, dann müsste man doch froh über jeden Arbeitsplatz sein, der neu geschaffen wird. Sollte man auf den ersten Blick zwar so meinen, aber bei genauer Betrachtung haben die Stadträtinnen und Stadträte klug gehandelt, indem sie nicht gleich die wertvolle Industriefläche an den Erstbesten verramscht haben. Denn solche Grundstücke sind nicht grenzenlos verfügbar – und man würde sich in den Hintern beißen, wenn ein anderes Unternehmen hier anklopfen würde, das auf einem solchen Areal vielleicht die doppelte oder dreifache Anzahl an Jobs schaffen will.
Eines wäre allerdings zutiefst blauäugig: Zu denken, dass man mit der Ablehnung des Amazon-​Verteilerzentrums den Gmünder Einzelhandel stärken könnte. Schon jetzt hat Amazon sehr viele Kunden hier – sonst würden die Firma ja nicht auf die Idee kommen, in Gmünd zu bauen. Und diese Kunden werden weiterhin lieber bestellen als im Laden kaufen!

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