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Nachrichten Ostalb

Corona: Landrat Dr. Joachim Bläse ruft zu Geschlossenheit auf

Die Entwicklung des Infektionsgeschehens zeigt auch im Ostalbkreis steil nach oben. Am Freitag, 30. Oktober, verzeichnete das Kreisgesundheitsamt eine Zunahme der Neuinfektionen um weitere 59 Fälle innerhalb eines Tages, sodass die Gesamtzahl der „Aktiven Fälle“ nunmehr bei 341 und die 7-​Tage-​Inzidenz bei 103 liegt. Dies nimmt Landrat Dr. Joachim Bläse zum Anlass, sich an die Bürgerinnen und Bürger des Ostalbkreises zu wenden und an deren Solidarität, Verantwortungsbewusstsein und Geschlossenheit in den nächsten Wochen zu appellieren.

Freitag, 30. Oktober 2020
Gerold Bauer
3 Minuten Lesedauer

„Nach dem Rückgang der Infektionszahlen über den Sommer hatten wir noch gehofft, dass sich ein derart rapider Anstieg vermeiden lässt. Die Akteure in den Bereichen Sport, Kunst und Kultur wie auch die Gastronomen haben in einem erheblichen organisatorischen und finanziellen Kraftakt hervorragende Hygienekonzepte entwickelt und umgesetzt. Dafür gilt Ihnen meine ausdrückliche Anerkennung“, betont der Landrat. „Aber trotz all dieser Anstrengungen in vielen Lebensbereichen ist es uns allen miteinander nicht gelungen, die Infektionen im Zaum zu halten. Wir beobachten im Ostalbkreis inzwischen ein diffuses Auftreten der Neuinfektionen quer durch alle gesellschaftlichen Gruppierungen hindurch — eine Erscheinung, wie sie auch bundesweit zu sehen ist. Die Nachverfolgung der Infektionsketten verursacht einen riesigen Aufwand, was uns letztlich auch dazu bewogen hat, die Amtshilfe der Bundeswehr in Anspruch zu nehmen. Deshalb ist es aus meiner Sicht nachvollziehbar, wenn Bund und Länder sich jetzt auf diesen ab 2. November bundesweit geltenden, doch recht tiefen Einschnitt geeinigt haben. Denn wir kommen bereits an die Grenzen dessen, was unsere Kliniken leisten können, ohne in noch größerem Umfang planbare Operationen verschieben zu müssen. Und auch in den Alten-​, Pflege– und Behinderteneinrichtungen im Kreis — also bei unseren vulnerabelsten Bevölkerungsgruppen — ist das Virus bereits wieder angekommen.“

Deshalb wirbt Landrat Dr. Bläse trotz aller wirtschaftlicher Härten dafür, ein weiteres Mal als Gesellschaft zusammenzustehen: „Lassen Sie uns gemeinsam alles dafür tun, dass wir durch massive Kontaktbeschränkungen und die Einhaltung der geltenden Hygiene– und Abstandsvorschriften einschließlich Tragen von Mund-​Nase-​Schutz im Laufe des Novembers die Infektionswelle brechen und die Zahl der Neuinfektionen deutlich reduzieren. Ich bitte Sie dringend, keine Feiern und geselligen Zusammenkünfte in den privaten Bereich, der sich in den vergangenen Wochen als signifikanter Infektionstreiber herausgestellt hat, zu verlagern und auch dort sehr diszipliniert zu sein. Denn ansonsten laufen alle Maßnahmen ins Leere.“ An alle vom Corona-​Virus persönlich Betroffenen, sei es durch direkte Infektion mit COVID-​19 oder als Kontaktperson 1. Grades, richtet Dr. Bläse den Appell, sich unbedingt an die Isolations– und Quarantäneverfügungen des Gesundheitsamts und des Wohnsitz-​Bürgermeisteramts zu halten.

Mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen der Beschränkungen für die von den Schließungen betroffenen Unternehmer, Selbständigen, Vereine und Einrichtungen ist dem Landrat wichtig, dass die vom Bund zugesagten finanziellen Hilfe schnell und unbürokratisch ausgereicht werden. Wichtig ist dem Kreischef aber ganz besonders, dass die Zeit des „Lockdown light“ von allen politischen Ebenen genutzt wird und in den Novemberwochen Strategien entwickelt werden, wie es im Dezember weitergehen kann. „Wir müssen uns auf alle Eventualitäten vorbereiten — auch auf den Fall, dass die jetzt getroffenen Maßnahmen keine spürbare Wirkung zeigen. Dann brauchen wir dringend verschiedene Alternativen, die sorgfältig abgewogen werden müssen, um eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz zu erlangen“, fordert Dr. Bläse.

Damit das öffentliche Leben nicht ganz zum Erliegen kommt wie im Frühjahr, haben sich der Landrat und die Bürgermeister im Rahmen einer Videokonferenz darauf verständigt, dass etwa Gemeinderats– und Kreistagssitzungen samt Ausschüssen weiterhin vor Ort tagen können, wenn die Tagesordnung nicht auch virtuell zweckmäßig abgearbeitet werden kann. Grundsätzlich sollen nur die Punkte auf die Tagesordnung, die notwendigerweise aktuell beschlossen werden müssen. Alle nicht zwingend notwendigen Termine will Landrat Dr. Bläse verschieben oder andernfalls virtuell absolvieren.
Gedenkveranstaltungen am Volkstrauertag in den Kommunen werden von der Landkreisverwaltung nicht empfohlen und soll es aus Sicht der Kommunen in diesem Jahr nicht oder nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Form von Kranzniederlegungen mit anschließender Veröffentlichung im Mitteilungsblatt geben.
Kreis und Kommunen haben sich zudem darauf geeinigt, auf sonstige Ehrungsveranstaltungen wie Blutspenderehrungen oder Jubilarbesuche zu verzichten. St. Martin-​Umzüge sollen nur in festen Kita-​Gruppen und mit den Erzieherinnen, aber ohne Eltern oder andere Zuschauer stattfinden. Bei den Feuerwehren sollen lediglich Einsätze gefahren werden, es soll aber kein Übungsbetrieb stattfinden.

Die Dienststellen der Landkreisverwaltung will Dr. Bläse weiterhin geöffnet halten: „Ich empfehle aber allen, vorab wo immer möglich einen Termin mit unseren Kolleginnen und Kollegen zu vereinbaren. So können Wartezeiten und damit auch unnötige Kontakte mit anderen Besuchern vermieden werden.“
Für Besuche in den Kliniken Ostalb und den Alten-​, Pflege– und Behinderteneinrichtungen gilt die einschlägige Corona-​Verordnung des Landes. Danach sind Besuche in den Einrichtungen unter bestimmten Voraussetzungen nach wie vor möglich. „Hier müssen wir einen Weg finden, unsere Risikogruppen ausreichend vor dem Virus zu schützen, sie aber gleichzeitig nicht sozial zu isolieren. Bitte seien Sie im Interesse Ihrer eigenen Angehörigen und anderer Patienten und Bewohner bei Besuchen besonders vorsichtig und sensibel, damit das Virus nicht dort hineingetragen wird!“, betont Dr. Bläse.


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