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Corona Fallzahlen im Ostalbkreis

Foto: alexander hauk_​pixelio

Unterschiedliche Corona-​Fallzahlen sorgen immer wieder für Irritationen bei den Bürgern. Warum sind die Werte des Landratsamtes, des Landesgesundheitsamtes und des Robert-​Koch-​Instituts so unterschiedlich und welcher Wert ist nun der richtige? Die Rems-​Zeitung hat beim Ministerium und dem Landratsamt des Ostalbkreises nachgefragt, was es mit der Genauigkeit der Fallzahlen auf sich hat und welche Rolle Laborbestätigungen mittels PCR spielen.

Donnerstag, 19. November 2020
Nicole Beuther
2 Minuten 35 Sekunden Lesedauer

Die 7-​Tage-​Inzidenz (Anzahl der neu gemeldeten Fälle pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen) spielt eine entscheidende Rolle bei der Frage, welche weitergehenden Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-​Pandemie eingeleitet werden. Auch viele Bürger achten aus diesem Grund sehr genau auf den Inzidenzwert. Sehr häufig stellen sie dabei aber fest, dass es große Unterschiede gibt zwischen jenen Fallzahlen, die das Landratsamt meldet und jenen Zahlen, die das Landesgesundheitsamt (LGA) bzw. das Robert-​Koch-​Institut veröffentlichen. Die RZ hat beim Landratsamt des Ostalbkreises und beim Sozialministerium nachgefragt.
Ein Grund für die Unterschiede: Das Landratsamt verfügt über die tagesaktuellen Infiziertenzahlen, das Landesgesundheitsamt meldet aufgrund der Meldewege niedrigere Zahlen.
Während das Landratsamt am gestrigen Tag einen Inzidenzwert von 216 meldete — Grundlage sind 679 Neuinfizierte in den vergangenen sieben Tagen (bis 17. November, 24 Uhr) — gab das LGA gestern einen Wert von 168,1 an.
„Aufgrund dessen, dass wir jeden Tag positive Fälle an das LGA melden (mittels elektronischer Meldesoftware), dort aber auch zu einer bestimmten Uhrzeit ein „Cut“ gemacht wird zur Weitermeldung an das RKI, kommt es zu einem Zeitverzug“, erklärt Susanne Dietterle, Pressesprecherin beim Landratsamt. Außerdem prüfe das LGA die gemeldeten Fälle auch auf Plausibilität.
Hierzu erklärt Julia Christiansen, Pressereferentin beim Regierungspräsidium Stuttgart: „Die Fallzahlen im täglichen Lagebericht des Landesgesundheitsamtes beziehen sich auf den Datenstand 16 Uhr. Dies war zu Beginn der Lageberichtserstellung erst 14 Uhr, dann 15 Uhr – sodass hier der Zeitraum durch das Landesgesundheitsamt verlängert werden konnte.“ Übermittlungen, die nach 16 Uhr eingehen, werden vom LGA demnach erst am Folgetag berücksichtigt. Hiervon ausgenommen seien Fälle mit besonderer Bedeutung (z .B. Todesfälle), so Christiansen, die außerdem darauf hinweist, dass die Zuwächse am Wochenende aufgrund der Meldekette erfahrungsgemäß niedrigerer sind als unter der Woche, da nicht immer alle Gesundheitsämter am Wochenende eine vollumfängliche technische Dateneingabe gewährleisten könnten. Zudem könnten, so die Pressereferentin des RP, Verzögerungen bei der standardisierten Falldatenübermittlung an das LGA auch dadurch bedingt sein, dass die Gesundheitsämter vor Ort als erste Priorität die notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen einleiten und die Kontaktpersonen recherchieren, um Infektionsketten so schnell wie möglich unterbrechen zu können.
Also alles einzig und allein eine Schwäche des langen Informationsweges von den Laboren bis zum Landesgesundheitsamt? Dietterle nennt noch andere Gründe, weshalb die Zahlen nicht immer einheitlich sind. Das Land, so erklärt sie, melde (Stand 17. November) noch insgesamt 3707 Fälle für den Ostalbkreis, während der Landkreis selbst 3986 labortechnisch bestätigte Fälle melde. Dietterle: „Das LGA registriert nur labortechnisch bestätigte Fälle — wir haben zu Beginn der Pandemie aber auch 194 Personen rein klinisch-​epidemiologisch positiv erklärt.“ Gemeint ist mit diesem Begriff, dass bei diesen 194 Personen ein spezifisches klinisches Bild von Covid-​19 vorlag, es aber keinen labordiagnostischen Nachweis gab. Unter anderem zählt das Auftreten von zwei oder mehr Lungenentzündungen in einer medizinischen Einrichtung, einem Pflege– oder Altenheim dazu.
Auch Christiansen bestätigt, dass das Landesgesundheitsamt – wie auch das RKI – nur COVID-​19-​Fälle meldet, bei denen eine Laborbestätigung mittels PCR vorliegt. „Stellenweise übermitteln die Gesundheitsämter jedoch auch Fälle ohne Laborbestätigung, was zu Abweichungen in den Fallzahlen führen kann.“
In einigen Landkreisen führen auch ältere Bevölkerungszahlen zu unterschiedlichen Inzidenzwerten. Im Ostalbkreis ist dies nur bedingt der Fall. „Wir rechnen die Neuinfizierten der letzten sieben Tage (gemeldet wird der Vortag bis einschließlich 24 Uhr) zusammen und teilen durch 3,14“, so Dietterle, die erklärt, weshalb das so ist: „Weil wir 314 062 Einwohner aktuell haben.“
Das Landesgesundheitsamt hingegen nimmt als Bezugsgröße den Bevölkerungsstand vom 31. Dezember 2019 (314 025).

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