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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Überraschung aus Stuttgart: Verkehrsminister schlägt Reaktivierung der Hohenstaufenbahn vor

Foto: hs

Überraschende Nachricht aus Stuttgart: Im Landesverkehrsministerium wird über einen Wiederaufbau eines Schienenstrangs zwischen Schwäbisch Gmünd und Göppingen nachgedacht. Die Hohenstaufenbahn (im Gmünder Volksmund Klepperle) war 1984 gegen damals heftige Proteste der Bürgerschaft und der angrenzenden Kommunen von der Deutschen Bahn stillgelegt worden. Die erhalten gebliebene Trasse ist heute eine beliebte Rad– und Wanderroute.

Mittwoch, 04. November 2020
Heino Schütte
1 Minute 52 Sekunden Lesedauer

Gutachter hatten im Auftrag des Landesverkehrsministeriums mehr als 40 stillgelegte Bahnverbindungen unter die Lupe genommen. Zwölf Strecken rücken offenbar in die engere Auswahl. Unter dieser Liste denkbarer, weil lukrativ erscheinenden Reaktivierungen mit einem von Verkehrsexperten errechneten „Sehr hohen Nachfragepotenzial“ taucht das Klepperle auf. Es locken sogar enorme Fördermittel von Bund und Land. Der Verkehrsminister appelliert an die Kommunen, die Chance wahrzunehmen. Ausführliches zum Thema am Donnerstag in der Rems-​Zeitung, vorab aber gleich ein Kommentar von RZ-​Redakteur Heino Schütte:

Utopisch

Vor Klepperle-​Reaktivierung bitte erst die Remsbahn ordentlich betreiben!

Landesverkehrsminister ist immer für eine Überraschung gut. Ob seine Initiative, die mittlerweile vor fast 40 Jahren stillgelegte Bahnstrecke zwischen Schwäbisch Gmünd und Göppingen wieder aufzubauen, bei den Menschen entlang der 27,23 Kilometer langen Klepperle-​Trasse Begeisterung findet, ist äußerst fraglich. Der Verkehrsminister hat auch völlig außer Acht gelassen, dass es sich bei dieser Trasse heute um eine der attraktivsten Radwegverbindungen sowohl für Alltags– als auch Freizeitradler handelt. Und gerade Winfried Hermann propagiert ja das Fahrrad als Verkehrsmittel der Zukunft. Zudem haben etliche Kommunen entlang der früheren Hohenstaufenbahn die einstigen Schienen– und Bahnhofsflächen längst überplant und bebaut – ganz im Sinne der Verdichtung von innerörtlichen Baulücken.
Allein mit Blick auf Schwäbisch Gmünd erscheint es utopisch, die Schieneninfrastruktur im Bereich der früheren, großen Klepperle-​Schleife in der Weststadt wieder herzurichten. An der Lorcher Straße wurde auf der einstigen Trasse ein komplettes Gewerbegebiet errichtet. Erstaunlich ist, wo plötzlich von Bund und Land die enormen Fördermittel für ein solch ehrgeiziges Bahnreaktivierung-​Programm herkommen. Die Grundidee dazu ist ja nicht schlecht. Sie bestätigt das Bürgerengagement beispielsweise für die Wieslauftal-​Bahn zwischen Schorndorf und Welzheim, das sich in den letzten Jahrzehnten geradezu heldenhaft für den Erhalt des Verkehrsmittels Bahn verkämpft hatte. Doch erscheint es aktuell und bezogen auf unsere Region sinnvoller, endlich für einen zuverlässigen und pünktlichen Verkehr auf der bestehenden Remsbahn zu sorgen, ehe über ein neues Klepperle nachgedacht wird. Und statt einer utopischen Baustelle zwischen Gmünd und Göppingen würden sich die Ostälbler viel mehr über realistische Projekte wie neue Bahnhaltestationen bei Essingen und auch im Gmünder Osten oder im Aalener Westen freuen. Und auch das: Bitte endlich das Trauerspiel Stuttgart 21 zu Ende bringen, ehe über ein Straßdorf 21 nachgedacht wird.
Traurig, dass die Stimmen der Kommunen und Bürgerinitiativen für Erhalt der Klepperle-​Bahnstrecke 40 Jahren kein Gehör fanden. Ihre Argumente für die Schiene waren die gleichen, wie jetzt vom Minister getragen.


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