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Corona: Landratsamt korrigiert Infiziertenzahlen um 543

Alexander Hauk_​pixelio

Das Landratsamt Ostalbkreis hat einen Fehler bei den ausgewiesenen Corona-​Daten eingeräumt. Dies habe mehrere Ursachen, hieß es bei einem Pressegespräch am Donnerstag. Die Auswirkungen seien ein ausschließlich statistisches Problem, das nun behoben wird. Die Kontaktverfolgungen hätten aber immer lückenlos stattgefunden.

Donnerstag, 03. Dezember 2020
Nicole Beuther
2 Minuten 24 Sekunden Lesedauer

Wie komplex die Erfassung der Daten ist, die die Kreisverwaltung seit Ausbruch der Pandemie vornimmt, zeigte sich während der Erläuterungen von Thomas Wagenblast, Ordnungs– und Verkehrsdezernent beim Landratsamt. Fest steht: 543 Infektionen wurden zu viel erfasst. Diese werden nun in der Gesamtstatistik abgezogen. Seit die Meldestatistik und Erfassungssoftware um den 10. November umgestellt wurde, sei es zu den Fehlern gekommen, so Susanne Dietterle, Pressesprecherin der Behörde. Die Umstellung hatte auch mit dem Einsatz der Bundeswehrsoldaten zu tun, die seit diesem Zeitpunkt dezentral bei der Erfassung mithelfen. „Wir haben intern festgestellt, dass die Zahlen korrigiert werden müssen. Deshalb machen wir jetzt einen harten Schnitt in der Statistik und korrigieren die Zahl der Gesamtinfektionen“, sagte Dietterle.
Seit Anfang November sei es dabei allerdings wohl auch zu falschen Angaben auf der Webseite gekommen, was Neuinfektionen, aktive Fälle und Inzidenzwert angehe. Auf den Tag und Wert genau sei das nicht mehr nachzuvollziehen. Mit der Korrektur würden die künftig ausgegebenen Zahlen aber stimmen. „Es ist wichtig, dass sich die Bevölkerung auf unsere Daten verlassen kann“, sagte Wagenblast.
Laut des Dezernenten gibt es drei Komplexe, die die Differenz hervorgerufen haben. Zum einen wurden 136 Altfälle bei der Softwareumstellung überführt. Zum anderen sind noch aus der Anfangszeit der Pandemie 194 sogenannte klinisch-​epidemiologische Fälle in der Gesamtzahl der Statistik enthalten. Dies sind Fälle, die Ärzte aufgrund von Symptomen nach Kontakt zu einer infizierten Person als corona-​positiv eingestuft hatten. „Das RKI erkennt aber nur den PCR-​Test an“, erläuterte Dietterle. Deswegen würden diese Fälle nun auch abgezogen.
Der dritte Komplex ist laut Wagenblast die Übertragung der Daten an das Landesgesundheitsamt beziehungsweise an das Robert-​Koch-​Institut (RKI). „Das ist eine andere Software als die Erfassungssoftware für den Kreis.“ Bei der Umstellung seien 211 weitere Fälle zu viel gezählt worden. Damit ergibt sich schlussendlich die Summe von 543 positiv Getesteten, die es schlichtweg nie gegeben hat.
Damit derartige Übertragungsfehler künftig nicht mehr vorkommen, habe die Behörde organisatorische Veränderungen vorgenommen, sagte Wagenblast. „Diejenigen, die die Zahlen eingeben, sitzen nun nebeneinander. So ist gewährleistet, dass beide Erfassungen, für den Kreis und für das Land, gleich eingegeben werden.“
Denn sowohl beim Landesgesundheitsamt als auch beim RKI sei der Ostalbkreis eine Zeit lang mit einem Inzidenzwert von mehr als 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche geführt worden. Dies ist laut Susanne Dietterle auf einen „Workflowfehler“ zurückzuführen. „In einem elektronischen Postfach sind Daten liegengeblieben, die nach Entdeckung vom Landesgesundheitsamt als Neufälle ins System eingespeist wurden“, sagte sie.
Zeitlich hätten diese Fälle nicht mehr in den sogenannten Inzidenzwert hineingerechnet werden dürfen. Doch auch das Landratsamt führte einige Tage lang diese Werte auf der Webseite. Ob der Wert tatsächlich jemals bei mehr als 200 gelegen hat oder nicht, sei nun nicht mehr nachprüfbar, so Dietterle. Konsequenzen, also eine Verschärfung der Maßnahmen für den Kreis, hatte dies allerdings nicht zur Folge. Denn dazu hatte das Land Baden-​Württemberg zu diesem Zeitpunkt noch keine Vorgaben gemacht.
Warum aber diese vielen unterschiedlichen Programme zur Erfassung der Daten? „Es gibt keinen Standard“, sagte Wagenblast. Weder Land noch Bund hätten ein einheitliches System vorgegeben. „Unser Umstieg war eine Tagesentscheidung, kurz bevor die Bundeswehr kam.“ Der Grund war, zumindest auf Kreisebene einen gemeinsamen Datenbestand zu haben. „Eine Entscheidung vom Land für ein zentrales System wäre natürlich hilfreich gewesen“, so Dietterle.

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