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Tätowierer zittern: Verbot von Farbpigmenten hätte drastische Folgen für gesamte Szene

Foto: Lämmerhirt

Tausende Tätowierer hängen derzeit in der Luft, weil sie nicht wissen, wie es in ihrem Berufsstand weitergehen wird. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA hat die Empfehlung zu einem Verbot der Farbpigmente „Blue 15“ und „Green 7“ ausgegeben. Da diese beiden Farbpigmente laut Kosmetikverordnung für Haarfarben bereits verboten sind, geht nun die Angst in der Tattoo-​Szene um.

Dienstag, 04. Februar 2020
Timo Lämmerhirt
1 Minute 39 Sekunden Lesedauer

Hintergrund bei dieser Verordnung ist, dass die Farben nicht nur im Haar geblieben seien, sondern auch das Haupt eingefärbt hätten. „Deswegen ist der Spruch der ECHA, ‚was nicht auf die Haut darf, sollte auch nicht unter die Haut‘, völliger Blödsinn. Denn die Farbpigmente sind nicht bezogen auf die Haut verboten, sondern auf die Haare“, sagt Urban Slamal, Rechtsanwalt aus Düsseldorf und zugleich im Vorstand des Bundesverbands Tattoo, ein Verein, der die Interessen der Tätowierer vertritt. Sollte es tatsächlich zum Verbot dieser beiden Farbpigmente kommen, würde das ersten Einschätzungen zufolge zwei Drittel aller Farben vom Tattoo-​Markt wegspülen.
Dagegen wehren sich nun Tatöwierer und Tätowierte bundesweit. Die Resonanz auf die von Jörn Elsenbruch aus Erkelenz (Rheinland, Nordrhein-​Westfalen) ins Leben gerufene Initiative „#tattoofarbenretten“ hat bereits knapp 130 000 Unterschriften gesammelt, sie stimmt Slamal optimistisch: „Die Basis für die Begründung fehlt und diese Resonanzen sind einfach nur ein positives Signal.“ Die Solidarisierung innerhalb der Tatto-​Szene ist groß. „Tattoo-​Supplier, Tattoo-​Studios, die Kunden, alle ziehen da derzeit an einem Strang, völlig außer Konkurrenz. Das hat es so auch noch nicht gegeben“, sagt Daniel Rust, ebenfalls Vorstandsmitglied im Bundesverband Tattoo.
Auch in Schwäbisch Gmünd machen sich die Tätowierer bereits ihre Gedanken. „Das würde bedeuten, dass jede Farbe, die diese Pigmente enthält, verboten würde. Hier handelt es sich ja nicht nur um Blau oder Grün, sondern um alle Farben, die mit diesen Pigmenten angemischt werden“, sagt Dario Mangieri aus dem Tattoostudio „Gold & Silver“. Die Nachfrage nach bunten Tattoos werde aber bleiben, weswegen sich auch schon mit möglichen Szenarien beschäftigt wird. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Kunden dadurch zu unseriösen Hinterhof-​Tätowierern gehen werden. Die können es sich erlauben, weil sie ohnehin nicht kontrolliert werden. So etwas könnten wir uns gar nicht erlauben – und werden es uns auch nicht erlauben“, fährt Mangieri fort. Geht die Verordnung durch, so müsste das Studio sich auf Grau– und Schwarztöne und einige erlaubte Farbkomponenten beschränken.

Den ausführlichen Bericht, in dem auch steht, was der Gmünder Tätowierer Vasili Anastasiou zu dieser möglichen Verordnung sagt, lesen Sie in der Mittwochsausgabe der Rems-​Zeitung.

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