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Bauen und Flächenverbrauch: Es geht um eine gesunde Balance

Foto: gbr

Günstige Mietwohnungen sind kaum verfügbar, und viele junge Familien wollen sich den Traum vom eigenen Häusle erfüllen. Auch Industrie und Gewerbe brauchen auf der Erfolgsspur mehr Raum. Unverbaute Landschaft ist aber wichtig für das Ökosystem, so dass bei Neubauflächen stets eine sorgfältige Abwägung nötig ist. Und langfristig auch eine Planung mit Blick auf eine gesunde Balance.

Dienstag, 06. April 2021
Gerold Bauer
2 Minuten 50 Sekunden Lesedauer

Flächenverbrauch hat vor Jahrzehnten noch fast keinen interessiert. Abgesehen von weitsichtigen Menschen, die damals aber als „Ökospinner“ belächelt wurden, ging die Mehrheit damals davon aus, dass für ungebremstes Wachstum genügend Platz vorhanden ist. Mittlerweile erheben sogar von Haus aus eher konservative Kommunalpolitiker die Stimme und raten zu einem Vorgehen mit Maß und Ziel.

Welche Kriterien gelten für die Genehmigung des Flächenverbrauchs? Wer ist dafür zuständig, dass die Balance gewahrt bleibt? Antworten auf diese und weitere Fragen zum Thema gibt es in der Montagausgabe der Rems-​Zeitung — und einen Kommentar der RZ können Sie gleich hier online lesen!

Es geht besser!
THEMA: Bauliche Entwicklung mit Rücksicht auf die Landschaft
Von Gerold Bauer
Egal, was der Mensch so tut – er tut es zu Lasten der Natur! Dies mag jetzt sehr plakativ klingen, lässt sich aber mit Fakten belegen. Jahrtausendelang konnte man sich der Illusion hingeben, dass unser Handeln keine Folgen hat, weil die Erde unendlich groß erschien und man sich einreden konnte, dass ja genug Platz vorhanden ist, um die unerwünschten Reste des Wohlstands irgendwo loszu– werden. Es ist erst ein halbes Jahrhundert her, dass fast jedes Dorf eine abgelegene Senke im Boden dazu genutzt hat, um Müll zu deponieren. Aber manche Sünde der Vergangenheit taucht bei Bodenproben als „Altlast“ wieder auf. Auch das unendlich erscheinende Volumen der Weltmeere hat sich als zu klein erwiesen, um alles, was man hineingekippt hat, für immer und ohne negative Konsequenzen zu verschlingen. Inzwischen wissen wir es besser: Umweltsünden holen uns mal früher, mal später, aber immer ein.
Und damit wären wir beim Thema Flächenverbrauch. Auch dabei hat man erkannt, dass unverbaute Landschaft nicht endlos zur Verfügung steht. Und in einem so dicht besiedelten Land wie Baden-​Württemberg stößt man schneller an seine Grenzen als in den Ebenen weiter im Norden. Man sagt den Schwaben ja nach, dass sie clever sind und mit intelligenten Lösungen zum Beispiel das Fehlen von Bodenschätzen ausgleichen können. Diese Strategie hilft auch in Sachen Flächenverbrauch. Die schon vor gut 20 Jahren favorisierte Innenentwicklung muss daher konsequenter verfolgt werden. Es gibt innerhalb der besiedelten Fläche große Potenziale – zum Beispiel die Umwandlung ehemaliger Industrieflächen in Wohnbebauung.
Und es ist an der Zeit, bezüglich der Ansprüche ans eigene Wohnen etwas bescheidener zu denken. Nach dem Zweiten Weltkrieg – es herrschte eklatante Wohnungsnot – wohnten meistens drei Generationen in einem relativ kleinen Häuschen. Das gleiche Haus erscheint heute einem Paar mit nur einem Kind als viel zu eng und wird daher oft um einen Anbau erweitert — um schließlich 20 oder 30 Jahre später viel zu groß für die eine Person zu sein, die dann noch darin wohnt. Dafür gibt es schon jetzt in vielen Gemeinden zahlreiche Beispiele von Häusern, die Ende der 60er– oder Anfang der 70er-​Jahre viel zu groß und ohne Rücksicht auf den Energieverbrauch gebaut wurden. Denn dass ein großes Haus mehr Aufwand erfordert, um im Winter gemütlich warm zu werden, liegt auf der Hand.
Auch bei gewerblichen Neubauten fehlt hier im Gmünder Raum meist noch die Vernunft – flankiert von Bebauungsplänen, die schlaue Lösungen durch strenge Trennung von Nutzungsarten nicht selten unmöglich machen. Ein Baumarkt oder Discounter zum Beispiel brauchen eine sehr große Fläche für die Warenpräsentation, dies lässt sich kaum ändern. Aber warum baut man diese Immobilien nicht gleich so, dass darüber noch ein oder zwei Stockwerke mit Wohnungen Platz haben? Es wäre zwar keine 1a-​Lage zum Wohnen, aber es hätte Potenzial, um für Menschen mit kleinem Einkommen erschwinglichen Wohnraum zu bieten.
Dies sind nur wenige Beispiele, was man anders und besser machen könnte, wenn man ausgetretene Pfade verlässt. Und zwar ohne dass die Konsequenz daraus Stillstand wäre! Es gibt auch hier
Gemeinden, die das schon umsetzen.

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