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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Landratsamt Ostalbkreis nutzt Luca-​App — Entwickler wehrt sich gegen Kritik

Foto: tv

Ab sofort kann das Gesundheitsamt des Ostalbkreises Daten der Luca-​App empfangen und für die Kontaktpersonennachverfolgung nutzen. Das teilt die Landkreisverwaltung mit. Unterdessen hat das Künstlerkollektiv Peng eine Anwendung veröffentlicht, mit der sich die App austricksen lässt.

Dienstag, 04. Mai 2021
Thorsten Vaas
2 Minuten 41 Sekunden Lesedauer

In den eigenen Dienststellen mit viel Publikumsverkehr habe man die Voraussetzungen für den Einsatz der App geschaffen und QR-​Codes ausgehängt, mit denen Kunden ihren Aufenthalt im Landratsamt dokumentieren können. Die App sei „datenschutzkonform nutzbar“, wird der Landesbeauftragte für Datenschutz, Stefan Brink, in der Mitteilung der Kreisverwaltung zitiert. Erst vor wenigen Tagen hatten mehr als 70 Sicherheitsforscher in einer Stellungnahme von der App abgeraten.
„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Daten entwendet, missbraucht oder gar verkauft werden könnten“, sagte Thomas Schneider, Professor für Cryptography and Privacy Engineering an der TU Darmstadt und einer der Unterzeichner der Stellungnahme im Interview mit hes​sen​schau​.de. Er und seine Kollegen kritisieren, dass zur Kontaktnachverfolgung umfangreiche Bewegungs– und Kontaktdaten zentral gesammelt werden. Diese sicher zu verwalten, trauten sie einem Start-​up wie der Culture4Life GmbH, die das Luca-​System betreibt, nicht zu. Dagegen wehrten sich inzwischen die Macher der App. Das System sei sicher und transparent, zudem sei die Nutzung freiwillig. „Bei Luca sind über eine umfassende dezentrale Verschlüsselung keinerlei Daten durch eine einzige Partei lesbar“, zitiert die Deutsche Presse-​Agentur Patrick Hennig, den Geschäftsführer von Culture4Life (Hier geht es zur Stellungnahme).
Der Landesbeauftragte für Datenschutz Stefan Brink hat die Luca-​App hinsichtlich der rechtlichen und technischen Datenschutzkonformität überprüft. Im Ergebnis sei die App datenschutzkonform und erfülle die Zwecke der Beschleunigung der Kontaktnachverfolgung durch die Gesundheitsämter und der datenschutzrechtlichen Verbesserung der Kontakterfassung durch Betreiber von gewerblichen, sozialen und künstlerischen Stätten und Veranstaltungen, heißt es weiter in der Mitteilung aus dem Aalener Landratsamt. Dort wurden nun Plakate mit dem QR-​Code in den Zulassungs– und Fahrerlaubnisbehörden, in der Bußgeldstelle, im Jobcenter und in verschiedenen Servicebereichen des Ordnungsamtes aufgehängt, die die Kunden zur Kontaktnachverfolgung scannen können. Ziel der Landkreisverwaltung ist ein möglichst weit verbreiteter Einsatz der App, um der bisherigen Zettelwirtschaft bei der Kontaktdatenerfassung ein Ende zu setzen und dem Gesundheitsamt die aufwändige Nachverfolgung zu erleichtern. Die Städte und Gemeinden wurden von der Landkreisverwaltung bereits informiert und sollen vor Ort als Multiplikatoren wirken. Ebenso die IHK Ostwürttemberg und die Handwerkskammer sowie der Dehoga, die ihrerseits bei ihren Mitgliedsbetrieben für den Einsatz der App werben und bei der Umsetzung unterstützen sollen.
Die Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder (DSK) hat unterdessen empfohlen, die Corona-​Warn-​App 2.0 für anonyme Check-​ins zu verwenden. „Auch wenn hierbei – anders als bei anderen Apps – keine personenbezogenen Daten erhoben und später an ein Gesundheits-​amt übermittelt werden können, kann die pseudonymisierte Clustererkennung der Corona-​Warn-​App einen erheblichen Beitrag zur Unterbrechung von Infektionsketten leisten“, heißt es in einem DSK-​Papier.
„Mit der Luca-​App können Kontaktdaten von Besuchern sicher und schnell erfasst werden“, schreibt die Kreisverwaltung. Besucher können sich mit der App bei Betrieben durch Abscannen eines QR-​Codes für die Besuchsdauer mit dem Smartphone registrieren. Im Bedarfsfall können diese Daten — mit Einwilligung des Nutzers oder des Betriebes — vom Gesundheitsamt für die letzten 14 Tage angefordert und entschlüsselt werden. Die Daten der Kunden könnten durch die Betriebe selbst nicht eingesehen werden. Die Nutzung der App sei kostenfrei und solle Kontaktlisten in Papierform ablösen. Auch für private Treffen könne ein QR-​Code erstellt werden.
In den vergangenen Tagen geriet die App auf Grund von Sicherheitsproblemen in die Schlagzeilen. Zuletzt am Dienstag: Das Künstlerkollektiv Peng hat mit einer Anwendung auf ein Authentifizierungsproblem der Luca-​App aufmerksam gemacht. Vorgegebene Personen konnten sich in beliebige Veranstaltungen einchecken. Dieses Problem wollen die Luca-​Macher bis Mitte Mai beheben.

Privatpersonen können die Luca-​App direkt im App-​Store des Smartphone-​Herstellers herunterladen und sich registrieren. Betriebe, Ladengeschäfte und Veranstalter können sich auf der Homepage des Anbieters www​.Luca​-App​.de informieren und ihr Unternehmen registrieren.

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