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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Marginalie: Von Brezeln und Brezel-​Parkplätzen

Brezel ist nicht gleich Brezel. Dies merkt nicht zuletzt jener, der auf gut schwäbisch „a Brezg“ verlangt, aber „ao Brezen“ bekommt, weil er sich auf bayerischem Territorium befindet. Nicht nur damit, sondern auch mit den Brezel-​Parkplätzen in Gmünd beschäftigt sich diese Woche die Marginalie der Rems-​Zeitung.

Sonntag, 12. September 2021
Nicole Beuther
2 Minuten 22 Sekunden Lesedauer

Dabei ist nicht nur die Aussprache eine andere, sondern auch die Form. Auf den ersten Blick sehen ja beide Modelle fast gleich aus mit der typisch verschlungenen Form – die dieser schon seit altersher bekannten süddeutschen Spezialität sogar zu ihrem Namen verholfen hat. Mit etwas Phantasie erkennt der Brezel-​Freund in der Form nämlich ein Symbol für übereinander geschlagene Arme. Nach Einschätzung von Sprachforschern hat sich das Wort „Brezel“ aus dem lateinischen Wort für „Arm“ (= „Brachium“) abgeleitet.
Auf jeden Fall unterscheiden sich die bayerische Brezel und die schwäbische Brezel durch die Dicke ihrer Unterarme. Die Bayern haben nicht nur die sprichwörtlichen „strammen Wadeln“, sondern auch noch kräftig entwickelte Unterarme. Zumindest bei der Brezel ist das zweifelsfrei der Fall. Dass wir bei noch handwerklich arbeitenden Bäckern in Schwäbisch Gmünd auch schwäbisch geformte Brezeln bekommen, liegt eigentlich nahe. Ob die dünnen Ärmchen der schwäbischen Brezel allerdings ein Resultat der schwäbischen Sparsamkeit sind, hat bisher noch niemand wissenschaftlich belegt. Dass die Billig-​Brezeln aus Supermärkten die bayrische Form haben ist allerdings schnell erklärt. denn es gibt dafür einen technischen Grund. Ist die „Wurst“ aus Teig durchgehend etwa gleich dick, dann lässt sie sich industriell und damit kostengünstiger herstellen als die von kundiger Bäcker(innen)-Hand gebogene Schwabenversion.
Noch deutlicher als bei den Brezeln klaffen Anspruch und Wirklichkeit bei den Speisen auseinander, die in so manchem Schnellrestaurant offeriert werden. Als ein alter Gmünder vor mittlerweile über 30 Jahren den allerersten Hamburger seines Lebens bestellte, war die Enttäuschung groß. Denn letztlich lag ein sehr kümmerliches Ding vor ihm auf dem Pappteller. „Wie lange muss ich jetzt noch warten, bis der so groß und reichhaltig belegt ist wie auf dem Foto auf ihrem Werbeplakat?“, wollte er von der daraufhin etwas verdutzt blickenden Serviererin wissen.
So ähnlich enttäuscht mag so mancher Autofahrer nach dem Pop-​up-​Umbau der Schmiedgassen gewesen sein, als er nach den vollmundig angekündigten „Brezel-​Parkplätzen“ Ausschau hielt. Weil es in den Schmiedgassen zwei klassische Bäckereien gibt, klang die Idee zunächst sehr charmant, dass man in der Nähe dieser Läden Parkflächen für all jene reserviert, die nur ein paar Minuten stehen bleiben, um zum Beispiel frischen Brezeln zu kaufen. Dass man die Brezelparkfläche trotz eines großen aufgemalten Symbols zu den meisten Tageszeiten nicht sieht, liegt vor allem daran, dass sie auch gerne von Autofahrern genutzt werden, die deutlich länger dort stehen bleiben als jemand, der sich nur mal eben eine Brezel kaufen möchte.
Aber geht das überhaupt? Gib es da keine „Knöllchen“ vom Gemeindevollzugsdienst – sprich von den allseits so „beliebten“ Damen und Herren in Uniform, die gelbe Zettelchen als freundlichen Gruß der Stadtverwaltung an die Windschutzscheiben stecken.
Wer keinen Parkschein vom Bezahlautomat hat, muss diese Kurzzeitplätze quasi durch Entrichten einer Gebühr mieten. Und dabei machen die Gmünder Brezel-​Parkplätze keine Ausnahme, denn es gibt sie in der Straßenverkehrsordnung überhaupt nicht. Unterm Strich sind es nämlich ganz normale Kurzzeitparkplätze, für die man sich einen Schein aus dem Automaten holen muss. Oder – wie der oben angesprochene Hamburger – eine „Mogelpackung“! (pilatus)

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