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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Geduld und Ungeduld — zwei Nebenwirkungen der Pandemie

Mit der Geduld ist es so eine Sache. Nicht immer ist es einfach, sich diese zu bewahren. Geduld und Ungeduld — das sind auch zwei ganz unterschiedliche Nebenwirkungen der Pandemie. Damit und mit der Geduld einer betagten Dame beschäftigt sich unsere Samstagsmarginalie.

Samstag, 25. September 2021
Nicole Beuther
2 Minuten 34 Sekunden Lesedauer

Nebenwirkungen

Die Pandemie hat ganz unterschiedliche Nebenwirkungen. Geduld heißt eine davon. „Was bleibt uns auch anderes übrig?“, fragen die einen. Und harren weiter der Dinge, tragen Maske, achten auf Abstände und genießen die kleinen Schritte in Richtung Normalität. Vieles ist wieder möglich. Wie sehr die Menschen die Normalität herbeisehnen, das zeigt ein Blick auf die Besucherzahlen der jüngsten Veranstaltungen wie Gartenmarkt, Autoausstellung oder AGV-​Umzüge – die Bürger kamen in Scharen.

Doch so manchen reicht das noch nicht. Sie wollen mehr. Ihr altes Leben zurück. Ohne Wenn und Aber. Und am liebsten jetzt und gleich. Bei ihnen zeigt sich eine andere Nebenwirkung der Pandemie – Ungeduld. Zur Maske zu greifen, fällt ihnen zunehmend schwer und die Frage „Wie lange wird es die Beschränkungen noch geben?“ bestimmt fast jedes Gespräch. Eine Frage, die auch Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold sehr beschäftigt. Vor allem mit Blick auf die Großveranstaltungen der Stadt, die eine noch umfassendere Vorbereitung erfordern. Aktuelles Beispiel ist der Weihnachtsmarkt. Dieser soll nach einjähriger Pause wieder stattfinden. Was fehlt, sind genaue Vorgaben. Und genau das erschwert die Vorbereitung. Aktuell wird neben dem Weihnachtsmarkt-​Konzept in der Innenstadt auch an einem Konzept für einen Weihnachtsmarkt im Stadtgarten gefeilt. Ein Bereich, den man – je nach aktueller Corona-​Verordnung – bei Bedarf absperren könnte. Noch ist völlig offen, wo und in welcher Form der Weihnachtsmarkt stattfinden wird. Geduld ist gefragt.

Was es heißt, sich gedulden zu müssen, das musste in den vergangenen drei Monaten auch eine über 100-​jährige Frau aus Gmünd erfahren. Solange nämlich hatte sie keinen Telefonanschluss. Grund war ein beschädigtes Telekom-​Kabel infolge der starken Regenfälle am 23. Juni. Als die Familie den Schaden gemeldet hatte, hieß es zunächst warten. Nach vier Wochen dann ein Anruf der Telekom. „Wie zufrieden sind Sie denn mit der Reparatur?“, wollte der freundliche Mitarbeiter wissen. Und erfuhr, dass es eine Reparatur bis jetzt noch nicht gegeben hat. Als sich die RZ im Juli erstmals mit der Telekom in Verbindung setzte, wurde die Entstörung in der Weststadt als sehr aufwendig beschrieben. Immerhin: Die fünf betroffenen Kunden hatten die Möglichkeit, kostenlos eine Rufumleitung auf ihre Mobilfunkgeräte zu beantragen. Keine wirkliche Alternative aber für die 102-​Jährige, die kein Handy besitzt und für die das Telefon zudem eine wichtige Doppelfunktion hat. Zum einen dient es zur Kommunikation mit Verwandten und Freunden, was gerade in Corona-​Zeiten einen ganz besonderen Stellenwert hatte, zum anderen läuft auch der Hausnotruf über die Leitung. Da das Kabel im Boden liege und nicht frei zugänglich sei, habe der Fehler zunächst durch Messungen lokalisiert werden müssen, schilderte eine Telekom-​Mitarbeiterin uns im Juli das Problem. Vermutlich sei Wasser in das Kabel eingedrungen. Es vergingen weitere Wochen. Wochen, in denen sich nichts tat. Durch die starken Regenfälle seien Tiefbauarbeiten nicht möglich, hieß es auf Nachfrage der Familie das eine Mal. Die Neuverkabelung sei schwierig, es müssten hunderte von Drähten miteinander verbunden werden, hieß es das nächste Mal. Anfang September dann ein Anruf der Telekom mit der frohen Botschaft, dass der Anschluss am 8. September wieder funktionieren würde. Was dann aber – wen wundert’s – nicht so war. Das Happyend gab es dann einige Tage später – kurz vor dem 102. Geburtstag der Dame: Nach sage und schreibe drei Monaten funktionierte der Telefonanschluss wieder. Da wäre so manchem der Geduldsfaden längst gerissen, die betagte Dame trug es mit Fassung. (bebo)

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