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Marginalien: Warum auch Reden und Pläne der Politiker nachhaltig sein sollten

Symbol-​Bild: gbr

Alle reden von „Nachhaltigkeit“ und meinen damit vor allem die ökologische Auslegung dieses Wortes. Blickt man aber auf so Manches, was von der Politik oder von Experten als zukunftsweisend versprochen wurde, stellt man leider immer wieder fest, dass es mit der rhetorischen Nachhaltigkeit oft mangelt und so einige Vorhaben, in die man viele Geld gesteckt hat, wieder über den Haufen geworfen werden. Konkretes Beispiel: Die medizinische Versorgung in den Kliniken des Ostalbkreises. Die Marginalien in der Rems-​Zeitung befassen sich dieses Woche mit der Nachhaltigkeit in ihren unterschiedlichen Facetten — hier online und gratis in voller Länge zu lesen!

Sonntag, 27. November 2022
Gerold Bauer
2 Minuten 47 Sekunden Lesedauer

Rhetorik ohne
Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist in Zeiten des Klimaschutzes und knapper werdenden natürlichen Ressourcen ein großes und gern benutztes Wort. Gerade jetzt, wenn die Menschen am Geldbeutel spüren, dass man beim Umgang mit Energie nicht einfach so weitermachen sollte wie bisher, durchzieht der Nachhaltigkeitsgedanke die Beratungen in den kommunalen Parlamenten. Gemeinderäte befassen sich auch im Zuge der Fortschreibung der Regionalplanung damit, wo man zum Beispiel auf den Feldern statt Getreide Sonnenenergie ernten kann. Oder wo es möglich ist, durch eine Hackschnitzelheizung künftig einen nachwachsenen Rohstoff zu nutzen, um die Abhängigkeit von importierten Energieträgern zu reduzieren. Der schrittweise Abschied von Energie, die durch Verbrennung fossiler Träger entsteht, tut der Umwelt gut. Weniger verbrauchen als nachwächst und kommenden Generationen einen funktionierenden Lebensraum hinterlassen – das sollte das Ziel sein, wenn man von Nachhaltigkeit redet.

Die einen fordern die Nachhaltigkeit, die anderen versprechen sie. Und damit wäre eigentlich alles perfekt. Die Interessen in Einklang gebracht und alle sind glücklich und zufrieden. Leider ist es in der Realität dann doch nicht so einfach. Ähnlich wie bei Gesetzen klaffen Anspruch und Wirklichkeit oft weit auseinander. Wie meistens im Leben spielt dabei das Geld eine zentrale Rolle. Und ebenso oft liegt das Problem darin, dass vollmundig etwas angekündigt wird, obwohl eigentlich der Wille oder die faktische Möglichkeit dazu fehlt. Aber man will es sich als Politiker ja nicht mit den Leuten verderben.

Mancher wird sich noch an die große Ölkrise in den 70er Jahren erinnern. Als die Scheichs befristet den Ölhahn zudrehten, um zu dokumentieren, wie sehr die Industrieländer von ihrem Bodenschatz abhängig sind, entstand – allerdings nur kurzlebig – ein neues Bewusstsein für den Umgang mit Energie. Es wurde gespart und es gab sogar autofreie Sonntage, um keinen Sprit bei Spazierfahrten zu verschwenden. Doch kaum floss das Öl wieder (dazu noch relativ preiswert), schlief das Bewusstsein für die Endlichkeit des Rohstoffs bei den meisten schnell wieder ein. Nachhaltig war das neue Nachhaltigkeitsbewusstsein vor fast 50 Jahren nicht.

Neben der ökologischen Nachhaltigkeit gibt es auch eine rhetorische Nachhaltigkeit. Besser gesagt: Es sollte sie geben. Zum Beispiel in der aktuellen Klinikdiskussion, die viele Gemüter bewegt. Denn jeder kann in die Lage kommen, dass schnelle medizinische Hilfe über Leben und Tod entscheidet.

Damit die Qualität der Hilfe in Notfällen steigt, hat man im Stauferklinikum Zig-​Millionen dafür ausgegeben, um einen Neubau für eine Zentrale Notaufnahme zu haben. Er ist noch nicht bezogen – und könnte vielleicht schon bald wieder überflüssig sein, wenn stattdessen ein neues Zentralklinikum bei Mögglingen/​Essingen gebaut wird. Die freudigen Reden zum ersten Spatenstich und beim Richtfest wären dann genauso Schall und Rauch wie die Ankündigung von anno dazumal, dass mit einer Investition in Millionen-​Höhe der Klinik-​Standort in Bopfingen dauerhaft gesichert sei. Längst hieß es dort aber „Aus die Maus“ – genau wie im Gmünder Margaritenhospital, das der Ostalbkreis dem Orden der Marchtaler Schwestern abgekauft hatte. Viel Geld wurde investiert, um dort den Schwerpunkt für Geburtshilfe und Frauenheilkunde zu stärken. Und dann war es irgendwann vorbei. Investition abgeschrieben.

Nachhaltigkeit bei öffentlichen Investitionen müsste anders aussehen – und man darf sich aufgrund dieser Erfahrungen also ruhig mal vorstellen, wie jemand der Bevölkerung in 20 Jahren vollmundig erklärt, warum das Zentralklinikum nicht die richtige Lösung ist. (pilatus)

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