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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Ärzte aus Gmünd zu Kliniken Ostalb

Foto: tv

In einem offenen Brief wendet sich die Kreisärzteschaft an Landrat Joachim Bläse. Es geht um die geplante Klinikreform. Auch für sie spielt das Stauferklinikum Mutlangen eine wichtige Rolle in der Region.

Montag, 19. Dezember 2022
Thorsten Vaas
3 Minuten Lesedauer

Das von Landrat Bläse zur Diskussion gestellte Modell einer zentralen hochwertigen, also höherschwelligen Versorgung, umgeben von „Dependancen“ mit niederschwelligem Zugang und engem Kontakt zur ambulanten Versorgung „ist sehr reizvoll“, schreibt Dr. Erhard Bode als Vorsitzender der Kreisärzteschaft Schwäbisch Gmünd ans Landratsamt. Denn dieses Modell verbinde den eigentlich notwendigen, derzeit aber nicht vorhandene Übergang von der ambulanten zur stationären Versorgung. Der Vorstand der Kreisärzteschaft habe nun das Für und Wider einer solchen Lösung mit einem Zentralkrankenhaus und Gesundheitscampi intensiv diskutiert und gibt folgende Punkte zu bedenken:
Der Raum Schwäbisch Gmünd habe die höchste Bevölkerungsdichte im Ostalbkreis mit einem entsprechend hohem Bedarf an medizinischer Versorgung. Schon jetzt leide insbesondere im Raum Schwäbischer Wald an einem zunehmenden Ärztemangel. „Das Stauferklinikum spielt auch überregional eine wichtige Rolle in der medizinischen Versorgung in der Region“, heißt es in dem Brief an Bläse. Diese Bedeutung werde aufgrund der Demografie wichtiger werden, da mit mehr altersbedingten Notfällen zu rechnen sei und die Zahl unbesetzter Arztstellen zunehmen werde.
„Es ist damit zu rechnen, dass entsprechend der geplanten Klinikstruktur eine zeitgerechte Akutversorgung der Patienten in den vorgeschriebenen Zeitintervallen nicht mehr gewährt werden kann“, besonders befürchtet die Kreisärzteschaft, dass notfallmäßige Grundversorgung aufgrund unzureichender diagnostischer und fachlicher Expertise in den geplanten Gesundheitscampi nicht möglich ist. Am Beispiel Schlaganfall soll das deutlich werden. Hierbei handle es sich um eine zeitkritische Erkrankung, bei der in einem kurzen Zeitintervall eine vergleichsweise aufwändige Diagnostik für die Therapie erforderlich sei. Gerade in Gmünd würden die Wege zur Diagnostik und Therapie komplizierter und zeitaufwändiger werden. „So wird ein Patient zunächst im zuständigen Gesundheitscampus anlaufen. Hier muss die Vordiagnostik laufen, die in der Mehrzahl der Fälle feststellen wird, dass die weitere Diagnostik im Zentralklinikum nötig ist, da die aufwändige Diagnostik in den Campus rein wirtschaftlich kaum bereitgehalten werden kann. In vielen Fällen wird dann nach Abschluss der Diagnostik im Zentralklinikum eine weitere Behandlung in der Neuroradiologie in Stuttgart erforderlich sein. Der Patient würde somit zunächst vom lokalen Gesundheitscampus ins Zentralklinikum transportiert um dann wieder an Gmünd vorbei nach Stuttgart transportiert zu werden“, schreibt Bode.
Zudem sei zu befürchten, dass durch Wegfall einer adäquaten wohnortnahen stationären Versorgung zukünftig auch eine Niederlassung für den Haus– und Fachärztlichen Bereich zunehmend weniger attraktiv wird. Je weiter das Zentralkrankenhaus entfernt sei, desto höher sei der Betreuungsaufwand bei niedergelassenen Ärzte. Aber auch im pflegerischen Bereich seien Personalengpässe zu befürchten. „Aus informellen Kreisen ist nicht verborgen geblieben, dass eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Mitarbeitern signalisiert haben nicht in ein Klinikum im Osten des Kreises zu folgen.“
Einer der Hauptgründe für die Neuordnung der Klinikstruktur sei der chronische Personalmangel an medizinischem Fachpersonal. Bode ist skeptisch, ob dieses Modell tatsächlich weniger Personal benötigt als bisher. Denn auch in einem Campus müssten Entscheidungen getroffen werden, die eine fundierte medizinische Expertise auf Facharztniveau erforderten. Auch pflegerisch seien die Anforderungen in einem Campus mindestens so hoch wie im Hauptkrankenhaus, „da kritische Situationen rechtzeitig erkannt werden müssen, um rechtzeitig eine Verlegung ins Zentralklinikum zu gewährleisten“. Auch ein Zentralkrankenhaus müsse eine medizinische Grundleistung ebenso wie die Campi bereithalten, da diese schließlich auch wie die Campi durch hilfesuchende Patienten direkt angelaufen werden. „Rechnerisch müsste eine solche Struktur in insgesamt fünf Einheiten vorgehalten werden im Gegensatz zu den aktuell existierenden vier Einheiten.“ Bedenken müsse man, dass dieses Modell einen hohen Anspruch an die Mobilität sowohl von den Patienten wie auch vom Personal erfordert.

Kreistag am Dienstag
Handlungsaufträge In der letzten Sitzung vor Weihnachten am Dienstag, 20. Dezember, geht es im Kreistag erneut um das Zukunftskonzept der Kliniken Ostalb. Die Kreisrätinnen und –räte stimmen über fünf Handlungsaufträge ab. Im Antrag der Verwaltung heißt es, „dass vor einer Entscheidung zur Zukunftsstruktur […] eine Beteiligung und Information der Bevölkerung erfolgen soll“. Dies soll mit Strukturgesprächen in Aalen, Schwäbisch Gmünd, Ellwangen und Bopfingen/​Härtsfeld geschehen. Hierbei sollen die Inhalte einer dezentralen wohnortnahen Grundversorgung vorgestellt werden, die folgende Aspekte berücksichtigt: Notfallversorgung, Geburtshilfe, Pflege und Betreuung, Reha älterer Menschen, ambulante Angebote /​ambulantes Operieren. Dies solle laut Beschlussvorlage für jeden Gesundheitscampus in Mutlangen, Ellwangen und das Gesundheitszentrum Bopfingen für die Strukturgespräche konkretisiert werden. Zudem soll die Verwaltung beauftragt werden, ein Standortauswahlverfahren einzuleiten. Zuletzt geht es darum, wie die drei Kliniken in der Zwischenzeit medizinische Angebote halten und sich finanziell verbessern können.

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