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Hausärzte im Ostalbkreis: Protest gegen Gesundheitspolitik

Schwäbisch Gmünd

Screenshot: RZ

Zahlreiche niedergelassene Ärzte haben am Mittwoch gegen die Gesundheitspolitik der Bundesregierung demonstriert. „Wir sind alle sehr enttäuscht“, sagt der Gmünder Kreisärztesprecher Dr. Erhard Bode.

Mittwoch, 07. Dezember 2022
Thorsten Vaas
124 Sekunden Lesedauer

Die ambulante Versorgung in der Region ist kritisch. Immer mehr Hausärzte stehen kurz vor der Rente, oder arbeiten darüber hinaus. 39 Prozent aller 191 Hausärzte im Ostalbkreis sind nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-​Württemberg älter als 60 Jahre. Angesichts der aktuellen Gesundheitspolitik der Bundesregierung „werden sie eher schließen als weitermachen“, vermutet Dr. Erhard Bode, Sprecher der Kreisärzteschaft Schwäbisch Gmünd. Am Mittwoch haben deshalb einige niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte protestiert und die Praxis geschlossen. Nur Notfälle wurden behandelt.
Um was es Ärztinnen, Ärzten und den Medizinischen Fachangestellten geht? Zum einen um die fehlende Wertschätzung ihrer Arbeit durch die Politik, „um überbordende Bürokratie, Streichung von Leistungen für Neupatientinnen und Neupatienten sowie fehlende Unterstützung in der Energiekrise“, heißt es auf einem Plakat des Medi-​Verbunds, einer Interessengemeinschaft, die sich für die Sicherung der ambulanten Versorgung einsetzt. Genau die sei mittlerweile gefährdet. Besonders die Energiekrise macht den Praxen zu schaffen.
„Röntgenpraxen brauchen unheimlich viel Strom“, sagt Bode und berichtet vom Unmut, der hinter dem Protesttag steckt. Preise für Energie, Verbrauchsmaterial und Mieten werden teurer, gleichzeitig solle man mehr Patientinnen und Patienten behandeln — für weniger Geld. Grund dafür ist der Wegfall der sogenannten Neupatientenregelung zum Jahreswechsel. Was sich dahinter verbirgt? Die Regelung verhilft seit 2019 kranken Menschen schneller zu einem Arzttermin. Damit das nicht nur auf dem Papier, sondern in der Praxis funktioniert, bekommen Praxen neue Fälle extra bezahlt. Das muss man sich so vorstellen: Für den Stamm an Patientinnen und Patienten gibt es ein festes Budget der Kassenärztlichen Vereinigung. Werden mehr Menschen behandelt, wird das Budget gekürzt, oder sogar gestrichen. Mit der Neupatientenregelung aber bekamen Mediziner neue Fälle extra bezahlt. Fällt das weg, gibt’s weniger Geld, mit dem das Personal gezahlt wird. „In der Industrie werden Überstunden ausgeglichen. Bei uns nicht“, beklagt sich Bode.
Für die Ärzteschaft geht’s jedoch um mehr als nur Geld, „sondern um die zukünftige Sicherung der Ärzteversorgung in Stadt und Land“, ergänzt Bodes Kollege Rainer Michael Graeter, Allgemeinmediziner aus Essingen, dessen Praxis am Mittwoch nur für Notfälle offen hatte. Zwar gebe es bereits Initiativen, um Lösungen in Form von Genossenschaften zu finden. Doch solche „gut gemeinten Initiativen sind meines Erachtens für die ambulante Versorgung wenig tauglich und führen eher in eine Staatsmedizin ohne freiberuflich tätige Ärzte und Ärztinnen“, so Graeter. Auch die Landkreisverwaltung habe bereits zwei Medizinische Versorgungszentren installiert, die an Krankenhäuser in Aalen und Ellwangen angedockt sind, „was jedoch in Konkurrenz zu niedergelassenen Facharztpraxen steht, die somit noch mehr Probleme in der Nachfolgesuche haben“.
Dagegen helfe der Ansatz für eine Ambulantisierung der Krankenhäuser von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in Stadt und Land kaum. Graeter ist mit seiner Kritik an Lauterbach nicht alleine. Auch Bode stimmt dem zu. Der Bundesgesundheitsminister habe zwar Medizin studiert, „aber er hat ärztlich nie richtig gearbeitet“, sagt der Gmünder Lungenfacharzt. Woher solle Lauter wissen, was in den Praxen los ist? „Wir sind alle sehr enttäuscht“, sagt Bode.