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RS-​Virus: Kliniken Ostalb berufen Krisenstab ein

Foto: tv

Die Situation an den Kinderkliniken am Stauferklinikum Mutlangen und am Aalener Ostalb-​Klinikum sind dramatisch. Es liegt vor allem am RS-​Virus und an Influenza. Die Lage ist so angespannt, dass nun alle verfügbaren Pflegekräfte im Frei aber auch aus dem Ruhestand aktiviert werden sollen. Und auch Eltern können helfen, die Pädiatrie zu entlasten, sagt Dr. Jochen Riedel, Chefarzt der Kinder– und Jugendmedizin der Kliniken Ostalb im Interview.

Mittwoch, 07. Dezember 2022
Thorsten Vaas
2 Minuten 37 Sekunden Lesedauer

Herr Dr. Riedel, wie ist die Lage derzeit in der Pädiatrie?

Die Erkrankungszahlen nehmen derzeit noch weiter zu. Derzeit sind wir zu weit über 150 Prozent auf unseren peripheren– und Kinderintensivstationen an beiden Standorten belegt, überwiegend mit Kindern unter zwei Jahren, die entweder an RSV oder Influenza erkrankt sind mit erschwerter Atmung und Sauerstoffbedarf. Um mit dieser außergewöhnlichen Situation und Belastung, besser umgehen zu können haben wir am Mittwoch hierzu einen Krisenstab einberufen. Es geht um Qualität und Sicherheit unserer Maßnahmen. Unter Leitung der Klinikvorstände waren alle Verantwortlichen unserer drei Kliniken in Ellwangen, Aalen und Mutlangen aufgeschaltet. Dieser Krisenstab tagt nun täglich bis auf weiteres.

Was wurde überlegt?

Dass wir alles tun müssen, um Personal zu rekrutieren. Wir versuchen, Kolleginnen und Kollegen aus dem Urlaub und der Freizeit zurückzuholen. Außerdem haben wir begonnen, ehemaliges Personal anzurufen, das seit ein, oder zwei Jahren im Ruhestand ist, damit sie uns nach Möglichkeit aushelfen. Wir brauchen dringend qualifiziertes Personal. Hier gilt auch der Aufruf an die Bevölkerung. Sollten Kinderkrankenschwestern oder Krankenschwestern im Ostalbkreis wohnen, die nicht bei uns angestellt sind oder waren, so sind diese dennoch aufgerufen, sich bei den Pflegedienstleitungen unserer Klinikstandorte zu melden. Im Krisenstab ging es aber auch räumliche Möglichkeiten und Gerätschaften, die dringend gebraucht werden.

Kräfte von der Erwachsenenstation sollen nun in der Pädiatrie eingesetzt werden, sagte Prof. Dr. Ulrich Solzbach, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Ostalb, nun im Klinikausschuss. Geht das so einfach?

Das ist schwierig. Darüber haben wir im Krisenstab auch diskutiert. In der Pädiatrie haben wir es momentan mit ganz jungen Patientinnen und Patienten zu tun. Pflegepersonal aus dem Erwachsenenbereich ist hier weniger erfahren. Was uns aber definitiv hilft, dass Kinder, die nun keine Windel mehr tragen, durchaus und qualifiziert von der Erwachsenenpflege unter kinderfachärztlicher Betreuung versorgt werden können.

Inwiefern trifft Sie auch der Krankenstand in den eigenen Reihen?

Der Krankenstand ist vor allem durch Influenza erheblich, weshalb in Mutlangen und Aalen nun wieder planmäßige Operationen reduziert werden müssen. Das trifft uns auch hart, wie auch die Patienten, die nun abgesagt werden müssen.

Was können die Eltern tun, um Sie und Ihr Team zu entlasten?

Wenn Eltern mit ihren Kindern derzeit in unsere Notfallambulanz kommen, so müssen sie meist mit einer mehrstündigen Wartezeit rechnen, bis ein Arzt Zeit hat. Das liegt daran, dass unsere Ärzte auf unseren Normal-​Stationen wie auch auf unseren Kinderintensivstationen extrem gefordert und gebunden sind. Eltern sollten deshalb tagsüber nach Möglichkeit nicht die Notfallambulanz der Kliniken aufsuchen, sondern zunächst den betreuenden Kinderarzt oder den Hausarzt, die bei Bedarf weitere Schritte einleiten.

Mehr dazu:
Was ist das RS-​Virus?
Das Respiratorische Synzytial-​Virus befällt die oberen und unteren Atemwege. Besonders bei Frühgeborenen, Säuglingen und Kleinkindern ist es ein häufiger Erreger von schweren Atemwegsinfektionen mit stationärer Behandlungsbedürftigkeit.

Was ist die Personaluntergrenze?
Angesichts der angespannten Situation an den Kinderkliniken in Baden-​Württemberg aufgrund der hohen Anzahl an Atemwegsinfekten wurde im Landeskrankenhausausschuss am heutigen Mittwoch vereinbart, dass die Personaluntergrenzen an Kinderkliniken im Land bis auf Weiteres nicht eingehalten werden müssen. Baden-​Württemberg greift hier auf einen Ausnahmetatbestand der entsprechenden Personaluntergrenzen-​Verordnung zurück. Seit Januar 2019 gelten für Krankenhäuser verbindliche Pflegepersonaluntergrenzen in pflegesensitiven Bereichen. Dadurch wird stationsbezogen eine Mindestanzahl von Pflegekräften zur Versorgung einer festgelegten Anzahl an Patientinnen und Patienten festgelegt. Wird im Monatsdurchschnitt weniger Pflegepersonal als vorgeschrieben eingesetzt, muss das Krankenhaus Vergütungsabschläge hinnehmen oder zukünftig die Patientenzahl reduzieren. Bereits bei der Corona-​Pandemie wurde diese Untergrenze ausgesetzt.

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