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Marginalie: Krieg in der Ukraine und woraus sich Hoffnung schöpfen lässt

Als Lokalredakteurin bleibt mir nichts anderes übrig, als Jahr für Jahr einer Vielzahl an Fasnetsveranstaltungen einen Besuch abzustatten – angefangen von der Prunksitzung über das Guggenmusikfestival, die Rathausstürme und Faschingsumzüge bis hin zum Rosenmontagsball. Zugegebenermaßen ist Fasching – vielleicht gerade deshalb – gar nicht so mein Ding. Entsprechend groß ist immer das Aufatmen an Aschermittwoch. Jener Tag, an dem „endlich“ wieder etwas Ruhe einkehrt. Dieses Jahr ist das zweite Jahr in Folge alles anders.

Sonntag, 06. März 2022
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 8 Sekunden Lesedauer

Ehrlich gesagt war ich 2021 ein kleines bisschen froh, dass der Fasching eine Pause eingelegt hatte. In den vergangenen Wochen aber ist diese Freude der Nachdenklichkeit gewichen. Von einem Rathaussturm zum nächsten zu hetzen, beim Faschingsumzug kalte Füße zu bekommen und sich bei der „traurigen“ Geldbeutelwäsche an Aschermittwoch oder beim Grabb vergraben in Herlikofen das Lachen zu verkneifen, das heißt irgendwie auch, dass die Welt noch in Ordnung ist.

Dieses Gefühl aber fehlt in diesen Tagen, in denen Corona als kleineres Übel erscheint. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine macht nicht nur hilflos, sondern erfüllt einen in manchen Momenten auch mit Angst. Keiner weiß, was noch kommt. Ein Krieg ist nun mal nichts, was sich mit einer bloßen Impfung oder Quarantäne aus der Welt schaffen ließe. Auch Hochrechnungen zum weiteren Verlauf können hier keine angestellt werden. Das Ende ist offen.

Und doch gibt es etwas in diesen Tagen, woraus sich Mut schöpfen lässt: Eine unbändige Hilfsbereitschaft, die über alle Grenzen hinweg kein Ende kennt. Und die sich quer durch alle Branchen und Bevölkerungsschichten zieht. Die Deutsche Bahn und viele andere deutsche Verkehrsbetriebe ermöglichen den Flüchtenden, ganz umsonst die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Und verschiedene Telekommunikationsunternehmen sorgen dafür, dass in Kontakt zu bleiben für die Ukrainer und die Verwandten im Ausland nicht zu einer zusätzlichen Hürde wird in diesen Tagen. Auch Elon Musk, der mit seinem Satelitteninternet Starlink im Einsatz ist, hat Anteil daran.

Diese umfassende Hilfe, die den Geflüchteten von allen Seiten zuteil wird, sorgt täglich aufs Neue für das Gefühl, dass die Welt noch nicht komplett aus den Fugen geraten ist. Auch im Ostalbkreis gibt es so viele Menschen, die nicht lange zögern, sondern anpacken. Jene, die nicht lange gewartet haben, sondern, kaum dass der Krieg dieses verheerende Ausmaß erreicht hatte, Spendenaktionen in die Wege geleitet haben. Und nur wenige Stunden, nachdem in der Zeitung und online darüber informiert wurde, waren die Sammelstellen überhäuft mit all dem, was die Menschen auf der Flucht oder jene, die sich noch in der Ukraine befinden, am dringendsten benötigen.

Das Wichtigste: Diese Hilfe hat nicht nur ungeheuren materiellen Wert, sondern sorgt auch dafür, dass die Menschen Mut schöpfen. Sie habe die Hoffnung in die Menschheit nicht verloren, sagte dieser Tage auch eine Ukrainerin aus dem Ostalbkreis; überwältigt davon, dass sich, kurz nachdem sie eine Hilfsaktion in die Wege geleitet hatte, unzählige Helfer gemeldet hatten. Diesen Zusammenhalt zu spüren tut gut in diesen Tagen.

Fasching, das wird nie mein Ding sein. Und doch sehne ich diese Zeit irgendwie herbei: Wenn 2023 wieder das volle Programm stattfindet, dann heißt das, dass die Welt einigermaßen in Ordnung ist. (bebo)

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