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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Mittagessen für Schüler in Gmünd: Die Mensa als Ort des sozialen Austausches

Wer eine Familie bekochen muss, der weiß um die Schwierigkeit, es allen recht zu machen. Wie muss es erst sein, wenn man Verantwortung trägt für hunderte knurrende Mägen in den Schulmensen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Wochenend-​Marginalie der Rems-​Zeitung.

Sonntag, 17. April 2022
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 12 Sekunden Lesedauer

Wer eine Familie bekochen muss, der weiß um die Schwierigkeit, es allen recht zu machen. Jenen, die noch jung an Jahren sind und auf gesunde Ernährung meist wenig Wert legen. Und jenen, die sich gerne abwechslungsreich ernähren und Gemüse bevorzugen. Bei Spaghetti mit Tomatensoße ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es allen schmeckt, bei Gemüsegerichten hingegen ist es sehr wahrscheinlich, dass es von den kleinen Mit-​Essern unangetastet bleibt. Das tägliche Zubereiten einer warmen und gleichermaßen gesunden Mahlzeit zuhause gleicht daher einer Herkulesaufgabe.

Wie muss es erst sein, wenn man Verantwortung trägt für hunderte knurrende Mägen in den Schulmensen? Jeden Tag Spaghetti, Pommes oder Pizza kochen? Das wäre zu einfach, auch wenn garantiert viele Schüler damit zufrieden wären. Doch einfach hat man es sich mit der Schülerverpflegung im Altkreis Gmünd noch nie gemacht. Von Beginn an lautete in den Schulmensen die Devise, dass auch möglichst Gesundes auf den Teller kommen sollte. Eine wichtige Erfahrung gerade für Kinder und Jugendliche, die aus dem Elternhaus anderes gewohnt sind und beispielsweise, weil es schneller geht, oft Fertiggerichte bekommen. Eine wichtige Erfahrung auch, weil in den Schulmensen gemeinsam gegessen wird. Etwas, was längst nicht mehr in allen Familien gang und gäbe ist: Gemeinsam am Tisch sitzen und essen.

Auf beides – das gesunde Essen und das gemeinschaftliche Erlebnis – mussten die Schüler während den ersten zwei Pandemiejahren größtenteils verzichten. Umso mehr genießen es viele Kinder und Jugendliche, dass alles wieder seinen geregelten Gang geht – rund 3300 Essen werden an den Gmünder Schulen pro Woche ausgegeben.

Ab September steht eine Veränderung bevor: Der Gemeinderat hat sich dagegen ausgesprochen, die Schulverpflegung erneut europaweit auszuschreiben und an externe Caterer zu vergeben – die Stadt möchte die Verpflegung der Schüler selbst organisieren. Was das geschmacklich bedeutet, steht momentan noch in den Sternen. Fertige Zutaten vom Großhandel müssen nicht unbedingt schlecht sein. Auch beim örtlichen Metzger soll eingekauft werden. Doch so manche Schule stellt sich die Frage, weshalb ab September auf etwas verzichtet werden muss, was sich doch eigentlich bewährt hat. Zumindest will die Stadt das ganze im Blick behalten und gegebenenfalls nachsteuern.

Ein Blick in andere Länder zeigt, dass in Deutschland etwas ganz wichtiges fehlt: Eine kostenlose Schulverpflegung. Länder wie Finnland oder Schweden machen es vor. Hier wird seit vielen Jahren nicht nur darauf geachtet, dass mit den Schulmahlzeiten ein großer Teil des täglichen Energie– und Nährstoffbedarfs gedeckt wird, sondern die Mahlzeiten werden für alle Schüler auch kostenlos angeboten. In Deutschland gilt Berlin als Vorreiter, was eine kostenlose Schulverpflegung angeht – seit 2019 müssen Grundschulkinder für das Mittagessen nichts zahlen.

Nicht für alle, aber zumindest für jene Schüler, die aus bedürftigen Haushalten kommen, ist auch das Gmünder Schulessen kostenlos. Das ist umso wichtiger, weil die Mensa, gerade nach den entbehrungsreichen Pandemie-​Jahren, mehr denn je zu einem Ort des sozialen Austausches geworden ist. Bleibt den vielen Schülern zu wünschen, dass es mit den Veränderungen ab September keine geschmacklichen Einbußen gibt.

(bebo)

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