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Drohende Engpässe: Die Mitmenschen im Blick behalten

Als vor rund zwei Jahren der Engpass beim Toilettenpapier Schlagzeilen machte, da war das in gewisser Weise noch lustig. Und irgendwie harmlos. Ist in diesen Tagen von einem Engpass die Rede, dann geht es um so viel mehr. Etwa um Lieferengpässe bei Getreide, Öl und Butter. Oder um die Wasserknappheit in Italien und in anderen Urlaubsländern. Nicht zu vergessen die Sorge, ob es in den Wintermonaten noch ausreichend Gas geben wird.

Sonntag, 10. Juli 2022
Nicole Beuther
2 Minuten 20 Sekunden Lesedauer

Die Unsicherheit ist da und zieht sich durch viele Bereiche. Und sie wächst. Da hilft es auch nichts, dass sämtliche Politiker versichern, auf diesen oder jenen Engpass vorbereitet zu sein. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass in so vielen Situationen auch der beste Plan nichts bringt. Nicht nur die Ukraine-​Krise, sondern auch der Klimawandel haben uns eines Besseren belehrt. Die Garantie darauf, dass alles rund um die Uhr verfügbar ist, gibt es nicht – weder hier noch andernorts. Jahrelang haben wir gelebt wie in einem Schlaraffenland. Mit vollen Supermarktregalen. Mit Strom, der ganz selbstverständlich aus der Steckdose kam. Und Wasser, das immer verfügbar war. Und nun? Wächst die Unsicherheit, dass all das irgendwann knapp werden könnte und rationiert werden muss. Es geht nicht mehr nur um die Frage, in welchem Laden noch Klopapier oder Sonnenblumenöl vorrätig ist, sondern um die Frage, was wir tun, wenn das Gas tatsächlich knapp werden sollte oder die Tanks an den Tankstellen nicht mehr so schnell aufgefüllt werden können.

Eine Folge der Engpässe: Höhere Preise in vielen Bereichen. Auch das bereitet einigen Kopfzerbrechen. Vieles werde angesichts der steigenden Gas– und Strompreise nicht mehr möglich sein, sagte Bürgermeister Christian Baron diese Woche im Sozialausschuss. Und er machte nicht nur auf jene aufmerksam, denen es am nötigsten fehlt, sondern auch auf jene Menschen, die sich bislang bestimmte Dinge noch leisten konnten, nun aber darauf verzichten müssen. Beispielsweise auf den Konzertbesuch oder das Fußballspiel. Auch diese Menschen, so mahnte der Bürgermeister, dürfe man nicht aus dem Blick verlieren.

Begebenheiten, die sich in diesen Tagen ereignet haben, zeigen, dass es trotz der allgemein angespannten Situation noch einige Menschen gibt, die gerade das tun: Die Mitmenschen im Blick behalten. Hierzu gehört ein Mann, der am Donnerstag in der Redaktion angerufen hat und erklärte, dass er kurzfristig zwei Karten für die Staufersaga abzugeben habe und diese verschenken wolle. Eine Abnehmerin war schnell gefunden: Eine Frau, die beim RZ-​Gewinnspiel mitgemacht hatte, hier jedoch kein Glück hatte. Der Mann mit den zwei Karten hätte diese mit Sicherheit verkaufen können, vielleicht sogar mit Gewinn. Doch er hatte nur eines im Sinn: Er wollte die Karten verschenken und jemand anderem damit eine Freude bereiten. Berichtenswert auch eine weitere Geschichte, die zu erzählen einer Frau so wichtig war, dass sie diese Woche ebenfalls in der Redaktion angerufen hat. Die Gmünderin hatte ihren Geldbeutel im Supermarkt vergessen und machte sich, kaum dass sie dies zuhause bemerkt hatte, auf den Weg dorthin. Der Geldbeutel aber war weg, die Stimmung zunächst am Boden. Wieder zuhause angekommen, wendete sich das Blatt: Eine Frau stand vor der Haustüre. In der Hand den Geldbeutel, den sie im Supermarkt gefunden hatte. Andere nicht aus dem Blick verlieren tut gut. Gerade in diesen Zeiten. Das ist so viel mehr wert als ein Schlaraffenland, in dem alles zu jeder Zeit verfügbar ist.

(bebo)

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