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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Königlicher Glanz — die Sonderstellung der Queen unter den Monarchen

Gmünder Begegnung mit der Queen von Angesicht zu Angesicht anno 1975 (Foto: bef)

England ist relativ weit weg, und eine Monarchie eigentlich ein Anachronismus. Die Feudalzeit, als Menschen aufgrund ihrer Familie als „etwas Besseres“ galten und daraus das Recht zum aktiven Regieren ableiten durften, ist bei uns ja längst vorbei. Die meisten noch existierenden Königshäuser in Europa werden von der deutschen Öffentlichkeit kaum beachtet. Die nun im Alter von 96 Jahren verstorbene Queen Elizabeth II. hingegen stand immer im Blickpunkt — auch bei den Gmündern. Die „Marginalien“ der Rems-​Zeitung beschäftigen sich in dieser Woche mit dem Interesse am royalen Geschehen!

Sonntag, 18. September 2022
Gerold Bauer
2 Minuten 44 Sekunden Lesedauer

Königlicher Glanz

Die Königreiche Großbritannien, Spanien, Schweden, Norwegen, Dänemark, Belgien, Niederlande sowie die Fürstentümer Monaco, Liechtenstein, Andorra, das Großherzogtum Luxemburg und die Vatikanstadt sind die letzten europäischen Staaten, die noch als Monarchie firmieren. Abgesehen von den klassischen Klatschblättern (die ja angeblich niemand kauft, sondern höchstens rein zufällig oder aus Langeweile beim Friseur einen kurzen Blick darauf wirft) nimmt man außerhalb des jeweiligen Landes in der Öffentlichkeit von den meisten der europäischen Adelshäuser inzwischen kaum noch Notiz. Selbst die „deutsche Königin“ von Schweden ist ja aus dem Fokus der Medien nahezu verschwunden. Die reale und royale Story von der deutschen Olympia-​Hostess Silvia Sommerlath, die vor genau 50 Jahren den Monarchen Carl-​Gustav kennenlernte und heiratete, hätte zwar Hollywood nicht besser erfinden können; doch nach fünf Jahrzehnten ist auch aus dieser Geschichte die „Luft“ raus.

Während also die meisten Königinnen, Könige und Fürsten in Europa ihren repräsentativen Job als Staatsoberhaupt machen, aber und in Deutschland dabei eher weniger als mehr beachtet werden, waren die englischen Royals unter den Monarchen dieser Welt immer eine Extra-​Klasse. Egal, wen man in den letzten 70 Jahren in Gmünd nach dem Namen einer Königin gefragt hätte – vermutlich hätten alle ganz spontan „Elisabeth“ gesagt. Diese Frau, die nun im Alter von 96 Jahren starb, war immer „outstanding“. Mit ihrem sehr konservativen Verständnis von Mode und Moral sowie ihrer vornehm-​zurückhaltenden Noblesse hatte die „Queen“ eine ganz besondere Aura. Und wenn sich eine Gmünderin früher darum bemühte, besonders elegant auszusehen, kam es durchaus vor, dass der Gatte dies mit den Worten „Heut laufsch aber rom wia d’ Königin Elisabeth!“ kommentierte.

Wer Elizabeth II. persönlich traf – und davon gibt beziehungsweise gab es in Gmünd relativ viele Leute – nahm einen bleibenden Eindruck mit. Dank der vorbildhaften kommunalen Partnerschaft mit der englischen Stadt Barnsley nahm die Königin die Stauferstadt im deutschen Südwesten wahr. Der pensionierte Gymnasiallehrer Bernhard Fauser durfte seinerzeit als junges Mitglied des Philharmonischen Chors Schwäbisch Gmünd zur würdigen Klangkulisse beitragen, als sich die Queen ins Goldene Buch der Stadt Barnsley eintrug. Es war offenbar ein nachhaltiges Erlebnis, denn der Gmünder kann sich heute noch genau erinnern, welche Lieder er damals gemeinsam mit den anderen Sängerinnen und Sängern angestimmt hat.

Woraus resultiert diese Sonderstellung, diese internationale Aufmerksamkeit für die britische Monarchin? Sie redete in der aktiven europäischen Politik nicht mit und außerhalb von England und dem Commonwealth hatte sie auch keinerlei offizielle Funktion. Wer sich mit ihrer Biographie beschäftigt und dabei bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurück geht, beginnt aber zu verstehen, was diese Frau zu so etwas Besonderem machte. Sie gab während des Krieges ihrem Volk schon als Jugendliche Kraft und Zusammenhalt. Dies sollte ihr langes Leben so bleiben – unter völliger Zurückstellung persönlicher Interessen. Trotz aller Schicksalsschläge und der von Klatschblättern breit getretenen Skandale einzelner Mitglieder des Hauses Windsor blieben die moralische Autorität und das Ansehen der Queen unangetastet.

Es ist daher nachvollziehbar, wenn sich Menschen in ihrem königlichen Glanz sonnen. Dass die früher in Lorch und heute in Gmünd beheimatete Fa. Binz das Fahrzeug für den letzten Weg der Queen lieferte, ging bundesweit durch die Medien. Gmünd und Lorch können sich also – großzügig ausgelegt – sogar als königlicher Hoflieferant bezeichnen! (meltemi)

Diese „Marginalien“ sind in der Samstagausgabe der Rems-​Zeitung erschienen — zusammen mit vielen anderen Artikeln zu einem breiten Spektrum an Themen. Sie haben diese Ausgabe nicht zur Verfügung? Kein Problem — es gibt sie auch digital und online in unserem ikiosk!

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