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Apotheken: Ist der Streik übertrieben?

Foto: imago /​Markus Matze

Am Mittwoch bleiben viele Apotheken in Baden-​Württemberg geschlossen, weil die Inhaber höhere Vergütungen fordern. Künftig könnten Apotheken mehr medizinische Leistungen anbieten, meint der Gesundheitsökonom David Matusiewicz, der die Proteste für überzogen hält.

Mittwoch, 22. November 2023
Benjamin Richter
1 Minute 11 Sekunden Lesedauer

Herr Matusiewicz, die Apotheker warnen, dass ohne eine bessere Vergütung ein Apothekensterben drohe. Wie begründet sind diese Sorgen?
David Matusiewicz: Wie in anderen Teilen des Gesundheitswesens gibt es auch bei den Apotheken einen Trend zur Konzentration, dem manche Standorte zum Opfer fallen werden. Man muss das aber regional differenziert betrachten. Es gibt Ballungsräume, in denen es nach wie vor zu viele Apotheken gibt – manchmal vier an einer Kreuzung. In ländlichen Regionen ist das Netz dagegen längst nicht so dicht.

Wie kann die Versorgung auch dort sichergestellt werden?
Zum Beispiel mit hybriden Lösungen, bei denen stationäre Apotheken mit Liefer– und Botendiensten zusammenarbeiten. Dieses Geschäft muss man nicht den reinen Onlineapotheken überlassen. Eine Möglichkeit sind auch mobile Angebote – etwa ein Medikamentenbus, der jeden Tag durchs Dorf fährt.

Aber haben die Apotheker nicht recht, wenn sie angesichts gestiegener Kosten eine Erhöhung der Vergütungssätze fordern, die seit Jahren nicht gestiegen sind?
Der pauschale Anteil der Vergütungen ist tatsächlich gleich geblieben. Aber es gibt auch einen prozentualen Anteil, der sich nach dem Preis richtet. Dadurch profitieren Apotheker beispielsweise von gestiegenen Preisen für manche Krebsmedikamente oder Biopharmazeutika. Da sprechen wir teilweise von fünfstelligen Summen pro Packung. Trotzdem ist das Geschäft für die Apotheker härter geworden. Sie haben aber auch zu wenig getan, um sich weiterzuentwickeln.

Welchen gesellschaftlichen Trend die Apotheken und ihre Verbände laut Matusiewicz „verschlafen“ haben und ob in Zukunft Apothekenfilialen ohne approbierte Apotheker denkbar wären, erfahren Sie am Mittwoch auf der Wissen-​Seite der Rems-​Zeitung. Erhältlich ist die vollständige Ausgabe auch online im iKiosk.

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