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Marginalie: In den Sternen

Foto: s.kunka /​pix​e​lio​.de

Sternenklare Nächte, Zimtsterne, Sternbilder, Sternzeichen — die kleinen funkelnden Himmelskörper sind vor allem in der Weihnachtszeit allgegenwärtig. Welches Sternzeichen das Christkind eigentlich wäre und was Brezeln mit Weihnachten zu tun haben — damit beschäftigt sich die Marginale am Samstag vor dem 2. Advent.

Sonntag, 10. Dezember 2023
Sarah Fleischer
2 Minuten 25 Sekunden Lesedauer

Der Stern – das Weihnachtssymbol schlechthin. Überall begegnet er einem, wenn schon ob des Schneewolken-​schweren Himmels nicht in natura, dann doch an zig anderen Orten. Er leuchtet in verschiedensten Größen aus Fenstern, ziert Christbaumspitzen, leuchtet als Lichterkette auf dem Weihnachtsmarkt und liegt als Zimtstern oder Lebkuchen auf dem Plätzchenteller. Kein Weihnachten ohne den Klassiker „Sterne, Herzen, Brezeln“, das steht fest. aber bitte nur in der Zartbitter-​Version. Wie der Gebäckhersteller seinerzeit auf dieses Trio an Formen gekommen ist, erschließt sich nicht ganz. Das Herz, weil Weihnachten das Fest der Liebe ist? Die Brezel, weil das nunmal die beste Form des Laugengebäcks ist? Aber was hat das mit Weihnachten zu tun? Nur der Stern erscheint logisch. Zumindest auf den ersten Blick.
Denn streng genommen gibt es Sterne das ganze Jahr über. Sonst wären ja auch Horoskope nur zur Weihnachtszeit gültig. Das wäre eine herbe Enttäuschung für all jene, die der Konstellation der Himmelskörper zum Zeitpunkt ihrer Geburt einen erheblichen Einfluss auf ihren Charakter, ihren Lebensverlauf, ihre Beziehungen und den Zustand ihrer Haare am Morgen zumessen – und zwar 365 Tage im Jahr. Die Horoskope, die man für gewöhnlich in Fernsehzeitschriften und ähnlich anspruchsvoller Literatur findet, sind aber nur was für Anfänger. Echte Astrologen berechnen aus der genauen Geburtszeit mehrere Sternzeichen und Aszendenten und damit ein „ganz individuelles“ Horoskop. Nun werden pro Sekunde weltweit etwa vier Menschen geboren, also 240 pro Minute. So stark kann sich die Himmelskörperkonstellation in der Zeit ja nicht ändern. Blüht diesen 240 Menschen dann mehr oder weniger das gleiche Schicksal? Sind alle, die zum Beispiel am 17. März 1997 um 11.15 Uhr geboren sind, verkappte Romantiker mit Hang zum Perfektionismus, die in Beziehungen stets die Oberhand haben müssen?
Was soll’s, wir Steinböcke glauben eh nicht an Astrologie. Auch Jesus wäre übrigens ein Steinbock gewesen, wäre er denn tatsächlich am 24. Dezember geboren worden. Astronomen gehen allerdings mittlerweile davon aus, dass Jesus vermutlich irgendwann Mitte Juni Geburtstag hatte. Der Heiland wäre also wohl ein Zwilling gewesen. Diesem Sternzeichen schreibt die Astrologie folgende Eigenschaften zu: gesprächig, flexibel, wandelbar, reaktionsschnell, gesellig, oberflächlich, wissbegierig und witzig. Gesprächig und gesellig muss man wohl sein, wenn man Predigten vor tausenden Menschen halten will. Witzig? Nun ja, vielleicht war Jesus der Bülent Ceylan der damaligen Zeit und seine Gleichnisse absolute Brüller? Aber oberflächlich? Glaubt man der Bibel, war eher das Gegenteil der Fall. Für seine Anhängern jedenfalls war er ein Star (hahaha).
Den entscheidenden Hinweis zum echten Geburtstag des Messias lieferte übrigens – ein Stern. Und zwar DER Stern. Der australische Astronom (nicht Astrologe!) Dave Reneke und sein Team hatten schon 2008 berechnet, wann dieser unglaublich helle Stern, den wir als „Weihnachtsstern“ kennen, über Bethlehem gestanden haben muss – mit nach eigenen Angaben ziemlicher Genauigkeit.
Ähnlich zuversichtlich sind auch Astrologen hinsichtlich ihrer Treffsicherheit bei Voraussagen, nur ohne Hightech-​Computersoftware. Trotzdem: Der Ausdruck „das steht in den Sternen“ bedeutet normalerweise, dass man etwas noch nicht weiß. Also das genaue Gegenteil.
Ob dieses Weihnachten Schnee liegt, ob die Stadt Gmünd im kommenden Jahr ihr Geldproblem in den Griff bekommen wird, ob wir einen zweiten Bahnhalt bekommen – das steht in den Sternen.

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