Direkt zum Inhalt springen

Nachrichten Ostalb

Energie: Wenn fehlende Infrastruktur die Innovation ausbremst

Symbol-​Bild: agz

Der Umgang mit Energie, vor allem deren Erzeugung, muss sich ändern. Dass dieser Weg nicht selten eher steinig als bequem ist, liegt nicht zuletzt daran, dass die Infrastruktur oft nicht ausreicht, um die eigentlich gewollte Innovation zu realisieren. Entsprechend skeptisch sind viele Bürgerinnen und Bürger, wenn die Politik fordert und verspricht. Darum geht es an diesem Wochenende in den „Marginalien“ der Rems-​Zeitung, die Sie gratis und in voller Länge online lesen können.

Sonntag, 17. Dezember 2023
Gerold Bauer
2 Minuten 38 Sekunden Lesedauer

Das Unterhemd
und die Krawatte

So förmlich wie früher begeht man das Weihnachtsfest längst nicht mehr. Dabei ist es noch gar nicht so extrem lange her, dass selbst bei Feiern im Familienkreis oder in Vereinen auf festliche Kleidung Wert gelegt wurde. Für den Mann waren seinerzeit bei solchen Anlässen Krawatte und Sakko opportun. Eine wichtige Erkenntnis dabei: Bevor der mal bunte, mal einfarbige Streifen Stoff um den Hals gebunden wird, zieht man das Unterhemd an, dann das Hemd – was sogar zu einer Redensart führte, um zu veranschaulichen, dass bei einer Handlung die Reihenfolge nicht stimmt: „Das ist ja so als würde man sich die Krawatte umbinden, bevor man das Unterhemd angezogen hat!“
Zuerst kommt A, dann kommt B – aber nicht immer ist das so einfach. Vor allem dann nicht, wenn zu viele Faktoren eine Rolle spielen und der Fortschritt nicht selten an einem fehlenden Glied in der Handlungskette scheitert oder – noch schlimmer – es in eine Diskussion ausartet, ob zuerst die Henne oder das Ei da sein muss. Ein konkretes Beispiel ist das Streben danach, durch einen sinnvollen Umgang mit Energie das Klima zu schützen. Das würde ein Landwirt im Gmünder Raum nämlich gerne machen, in dem er auch noch den Rest seiner großflächigen Dächer auf dem Hof mit weiteren Fotovoltaik-​Paneelen ausrüstet. Das Geld dafür hätte er; und die Statik der Immobilien stünde dem auch nicht im Weg. Woran es allerdings auf seinem Einzelhof mangels vieler Nachbarn hapert: Man kann dort nicht einmal annähernd so viel Strom verbrauchen, wie mit diesen Anlagen erzeugt werden würde.
Im Hinblick auf den Klimaschutz wäre das zwar völlig egal, denn mit dem reichlich übrigen Strom könnte er, eingespeist ins Netz, doch Energie für andere Häuser oder Betriebe liefern, die bis dato aus der Leitung noch Strom beziehen, der zum Beispiel aus ungeliebten Atomkraftwerken stammt oder gar in Spitzenzeiten sogar durch klimaschädliches Verbrennen von Kohle erzeugt wird. Dass dieser Bauer trotzdem nicht zum Stromerzeuger für Häuser im nächsten Ort werden kann, liegt jedoch daran, dass das aktuelle Leitungsnetz mit der Einspeisung überlastet wäre und es für ihn ein „Draufzahl-​Geschäft“ wäre, wenn er erst kilometerlange neue Kabel auf seine Kosten verlegen müsste.
Das Leitungsnetz hierzulande ist längst noch längst nicht fit für die Zukunft – nicht beim Strom und auch nicht beim Internet. Da muss noch sehr viel Geld investiert werden. Man darf daher auch gespannt sein, wie es die Energieversorger schaffen, den Aufbau der aktuell favorisierten Wärmenetze so zu finanzieren, dass das warme Wasser aus den Rohren für Hausbewohner noch erschwinglich bleibt. Denn wenn die „Kohle“ (im übertragene Sinne) nicht stimmt, dann könnte das schönste Wärmekonzept am Ende nicht mehr sein als „heiße Luft“ – und auch die leider nur im übertragenen Sinne und damit nutzlos.
Dass so mancher Hausbesitzer angesichts neuer Gesetze und Verordnungen verunsichert ist und sich daher gegenüber eigentlich positiven Innovationen eher skeptisch verhält, ist nachvollziehbar. Nicht wenige haben noch im Ohr, wie vor Jahren von Kommunen sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum Gasleitungen „verbuddelt“ wurden, um dann den Bürgerinnen und Bürgern (mit einer Argumentation nicht unähnlich der seit Jahrzehnten kaum modifizierten Waschmittel-​Werbung) schmackhaft zu machen, auf den Zug aufzuspringen, weil dies die Zukunft sei. Nun fragen man viele: Kommt aus diesen hochgelobten Rohren künftig umweltfreundlicher Wasserstoff oder muss die noch gar nicht alte Gas-​Brennwert-​Heizung wieder raus, um künftig Nahwärme zu nutzen? Man darf gespannt sein. (pilatus)


Interesse an der kompletten Digitalausgabe?
Die Rems-Zeitung gibt es auch online im Direktkauf bei iKiosk

14 Tage kostenlos und unverbindlich testen?
Das RZ-Probeabo - digital oder klassisch mit Trägerzustellung

2251 Aufrufe
633 Wörter
77 Tage 13 Stunden Online

Beitrag teilen


QR-Code
remszeitung.de/2023/12/17/energie-wenn-fehlende-infrastruktur-die-innovation-ausbremst/