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Marginalie: Unfallfreie Weihnachten!

Foto: S. Hofschlaeger/Pixelio.de

An Weihnachten ereignen sich statistisch gesehen mehr Haushaltsunfälle als im Jahresdurchschnitt. Die Gründe liegen auf der Hand: Stress, Termindruck und zu hohe Erwartungen an sich selbst. Da täte etwas Entschleunigung gut. Unser Autor Hans Riedl hat dazu eine Idee.

Sonntag, 24. Dezember 2023
Franz Graser
2 Minuten 22 Sekunden Lesedauer

Wer sich mit einer Künstlichen Intelligenz über Weihnachten unterhält, erfährt zunächst Erwartbares. Da heißt es zum Beispiel: „Weihnachten ist ein christliches Fest, das die Geburt von Jesus Christus feiert. Es wird am 25. Dezember gefeiert und ist in vielen Ländern ein gesetzlicher Feiertag.“ Aha. Auch die Tatsache, dass in Deutschland meist in der Familie und mit Freunden gefeiert wird und das Austauschen von Geschenken beinhaltet, verwundert nicht. Erkundigt man sich dann aber nach weiteren Fakten zum Fest, dann plaudert der Chatbot Erstaunliches aus. Zum Thema Haushaltsunfälle an Weihnachten erzählt die Künstliche Intelligenz etwa: „Laut einer Studie der Allianz-​Versicherung gibt es zu Weihnachten mehr Haushaltsunfälle als im Durchschnitt des Jahres. Die häufigsten Ursachen sind Stürze, Schnittwunden, Verbrennungen, Vergiftungen und Stromschläge. Die gefährlichste Stelle im Haushalt ist die Küche, wo viele Menschen beim Kochen oder Aufräumen verletzt werden.“

Einer der Hauptgründe für die erhöhte Unfallgefahr zu Weihnachten ist demnach der Zeitdruck: „Viele Menschen haben in der Weihnachtszeit viel zu tun und sind gestresst“, verkündet das Chat-​Orakel: „Dadurch kann es zu Unaufmerksamkeit und Fehlern kommen, die zu Unfällen führen können.“ Auf Nachfrage nennt die KI auch psychischen Druck als Ursache: „Viele Menschen haben in der Weihnachtszeit hohe Erwartungen an sich selbst, was zu Stress und Druck führen kann.“ Oh ja. Mit Schrecken erinnert sich der Autor an einen Heiligen Abend vor ein paar Jahren, an dem nachmittags nur ein kurzer Besuch bei den Schwiegereltern geplant war, der aber in einen stundenlangen Aufenthalt in der Notaufnahme des Krankenhauses mündete. Der Schwiegervater wollte eine hohe Vase mit Tannenzweigen ins Wohnzimmer holen, blieb aber an der Teppichkante hängen, stürzte auf die Vase und brach sich dabei ein paar Rippen. Ein Weihnachtsfest, das keiner der Beteiligten jemals vergessen hat oder je vergessen wird.

Da stellt sich die Frage: Warum machen wir uns alle Jahre wieder diesen Stress? Das scheint ein sehr deutsches Phänomen zu sein, das auch mit diesem merkwürdigen Heiligen Abend zusammenhängt. Die Familien stehen an diesem Tag bis zuletzt unter Strom mit Einkäufen und Vorbereitungen, bis sich dann am Abend plötzlich besinnlicher Weihnachtsfrieden einstellen soll. Und wehe, man vergisst das Krippenspiel am Nachmittag! Das führt auch dazu, dass für viele die Luft aus Weihnachten schon raus ist, wenn die Gaben ausgepackt sind. Dabei ist der Heilige Abend, was oft vergessen wird, wirklich erst der Vorabend des Weihnachtsfestes.

In angelsächsischen Ländern liegen die Geschenke dagegen erst am Morgen des ersten Weihnachtstags unter dem Baum oder hängen in den Weihnachtssocken am Kaminsims. Südeuropäische Länder wie Spanien verschieben die Bescherung sogar auf den 6. Januar, den Tag der Heiligen Drei Könige. Das passt auch besser mit dem Ablauf des weihnachtlichen Geschehens zusammen. Denn schließlich waren es laut der neutestamentlichen Überlieferung die drei Könige, die dem Jesuskind die Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe brachten.
Es ist vielleicht ein bisschen weit hergeholt: Aber wäre das nicht eine entspanntere Art, Weihnachten zu feiern, die dazu beitragen könnte, das Fest etwas zu entzerren und für alle ein wenig Stress herauszunehmen? Gerade im laufenden Jahr, in dem der 24. Dezember auf einen Sonntag fällt, könnte man den vierten Adventssonntag noch so richtig der Vorfreude widmen und dann am 25. mit dem Auspacken loslegen. In diesem Sinne: Entspannte und unfallfreie Weihnachten! (Hans Riedl)

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