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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Marginalie: Personalmangel in Kita und Schule

Grafik: rz

Ob im Kindergarten oder in der Schule: Ständig ist die Betreuung und Erziehung von Kindern von Aussetzern geprägt — Personalmangel. Eine Lösung dafür hat auch die Marginalie diesen Samstag nicht. Aber ein Anliegen.

Sonntag, 19. März 2023
Sarah Fleischer
2 Minuten 20 Sekunden Lesedauer

„Kinder sind die Zukunft.“
„Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.“
Sprichwörter klingen immer nach Gefasel, haben aber oft ein Körnchen Wahrheit. So ging es denn auch im Gmünder Gemeinderat diese Woche um Kinderbetreuung und wie man diese verbessern könnte. Denn – Überraschung – es mangelt an Kita-​Personal, besonders an qualifiziertem, das auch mit den Kindern umgehen kann, die besondere Betreuung brauchen. So sollen Verhaltensprobleme und Entwicklungsdefizite frühzeitig erkannt und bekämpft werden. Die Stadt will dafür zusätzlich Stellen schaffen. Wo sie die Leute dann herkriegen, die sich auf diese Stellen bewerben und sie besetzen, ist eine andere Frage.

Dass das Personal in Kitas knapp ist, sollte mittlerweile keine Neuigkeit mehr sein. Immer wieder machen Beschäftigte auf ihre Arbeitsumstände aufmerksam, durch offene Briefe und Streiks – zuletzt am 8. März, dem Weltfrauentag. Ob dieses Datum gut oder schlecht gewählt war, darüber kann man sich streiten, findet so aber auch keine Lösung. Kürzlich wurde zaghaft der Vorschlag gemacht,Eltern könnten ja als „Ersatz“ für das Kita-​Personal einspringen: Maximal zehn Stunden pro Woche zusätzlich zum eigenen Kind noch auf zehn andere aufpassen – welche Mutter würde das nicht wollen?

Denn seien wir ehrlich: Es trifft überproportional oft die Mütter, wenn die Kita zu ist oder erst gar kein Platz frei ist. Wird das Kind zumindest vormittags betreut, ist das eine Chance für viele Mütter, wieder in den Beruf zurückzukehren, ein Leben außerhalb von Familie und Kind zu haben und sich weiterzuentwicklen. Jedenfalls für die, die das möchten. Doch selbst wer sich entscheidet, in den ersten Jahren nicht außer Haus arbeiten zu gehen, will vielleicht mal etwas Zeit für sich. Beziehungsweise, Zeit für den Haushalt, in der nicht das Kind dazwischenquäkt.

Und das Problem hört ja nach dem Kindergarten nicht auf: Diagnose Lehrermangel, das Kultusministerium Baden-​Württembergs spricht von über 10 000 neuen Stellen, die bis 2030 gebraucht werden. Mathe? Fällt heute aus, Lehrer ist seit gestern in Pension. Sport? Das muss die Musiklehrerin übernehmen, die hat da mal einen Zumba-​Kurs an der VHS gemacht. Kunst? Egal, wer braucht schon hässliche Aquarelle oder schiefe Töpfereien? In Gmünd hatten die geflüchteten Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine ebenfalls an manchen Schulen dafür gesorgt, dass nicht nur Klassenzimmer, sondern auch Lehrkräfte knapp wurden. Doch jedes Kind hat ein Recht auf Bildung, auf Erziehung und soziale Interaktion mit Gleichaltrigen.

Gleichzeitig findet in der Stadt eine Lehrerfortbildung statt, die den noch verbleibenden Lehrkräften zeigen soll, wie sie den Unterricht, wenn er denn stattfindet, kreativer und effektiver für ihre Schutzbefohlenen gestalten können, die Didacta in Stuttgart stand ganz im Zeichen der Digitalisierung. Denn natürlich ist alles besser, wenn es digital ist – was auch immer das dann heißt.

„Wir können es uns nicht leisten, Kinder zu verlieren“, hieß es im Gemeinderat. Ein Ausspruch, den man überall und immer wieder hört. Und er klingt so schön, als wäre jedes Individuum wichtig. Doch dazu müssen die Individuen und ihre Anliegen auch ernst genommen werden. Kita und Schule sind nicht nur dazu da, Kinder zu funktionierenden Kapitalismus-​Maschinen zu machen, sondern sollen ihnen helfen, sich zu sozialisieren, sich zu entfalten und den eigenen Weg zu finden umso – im besten Fall – glückliche Erwachsene zu
werden.

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