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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Noch wenige Karten für Passionsspiele in Gmünd

Foto: Wild

Am Freitagabend feiern die Passionsspiele auf dem Schwäbisch Gmünder Schönblick Premiere. Dafür und für drei weitere Aufführungen gibt es noch wenige Karten.

Mittwoch, 22. März 2023
Thorsten Vaas
3 Minuten Lesedauer

Geht es in der Stadt Schwäbisch Gmünd und ihrer Liebe zur eigenen Geschichte um Gewänder, dann fällt sofort ein Name: Gundi Mertens. Für unterschiedlichste Veranstaltungen hat die Designerin die Kostüme entworfen, Maß genommen, geschneidert. Auch für die Passionsspiele, die morgen Abend auf dem Schönblick Premiere feiern, zeigt Gundi Mertens wieder vollen Einsatz. Entstanden sind Gewänder in schönster Pracht und auch in Kargheit, wie sie jeweils passend zu der Zeit von vor 2000 Jahren getragen wurden. „Wir sind stolz“, sagt sie, „und freuen uns jetzt, dass die Aufführungen beginnen.“ Über 4000 Karten sind verkauft, noch aber gibt einige wenige Tickets.
In den Räumen der Schönblick-​Musikschule hat sich Gundi Mertens mit ihrem Team eingerichtet. Die Nähmaschinen rattern, es herrscht ein Gewusel unter den Darstellern. Nervosität liegt in der Luft. In den Räumen unter dem Forum lagern die Gewänder, die für das rund dreieinhalbstündige Stück zur Entstehung des christlichen Glaubens benötigt werden. Regisseur Matthias Ihden zeigt sich glücklich über die Gewandvielfalt, die „sein“ Stück unterstützen wird: „Wir wussten von der ersten Sekunde an: Das kann nur die Gundi auf die Art umsetzen, wie wir das brauchen“, sagt Ihden, der bereits mit „Luther der Rebell“ und anderen Stücken begeisterte.
Begeisterung ist denn auch das Stichwort für Gundi Mertens. „Sicher war es nicht ganz einfach, diese bei uns allen über die lange Corona-​Zeit mit den Verschiebungen aufrecht zu erhalten. Aber ich habe immer an dieses wunderbare Theaterstück geglaubt und auch daran, dass es von den Zuschauern bestens angenommen wird“, sagt sie.
In den letzten Monaten hat sich dann die zahlreichen Darstellerinnen und Darsteller kennen (und lieben) gelernt: „Es ist wunderbar, mit diesen allen zusammenzuarbeiten. Mit unseren Gewändern gehen sie noch mehr in ihren Rollen auf. Auch die Zusammenarbeit mit Matthias Ihden istgrandios.“
Sie zeigt uns in einem Rundgang durch die vielen Kostüme, was alles benötigt wird. „Fertig sind wir nie“, schmunzelt sie. Und wie gerufen kommt ein „Legionär“ um die Ecke. Das Gewand fällt an ihm ein wenig kurz aus. Die vorgeschlagene Radlerhose drunter lehnt Gundi Mertens ab: „Nein, nein. Gib uns nachher das Kostüm, wir verlängern es. Kein Problem.“ Sie strahlt Ruhe aus. Denn sie weiß: Die Darstellerinnen und Darsteller brauchen das, wenige Stunden vor der Premiere, jetzt. „Natürlich ist da Anspannungen bei allen zu spüren. Umso wichtiger, dass wir in aller Ruhe arbeiten.“ Das wird auch an den Tagen zwischen den Aufführungen so sein. Denn: „Es gibt ein genaues System, wo jeder immer sein Gewand findet, wo sie oder er sich umzieht. Rituale sind wichtig. Das nimmt die Nervosität. Jedes Kostüm wird nach dem Tragen gelüftet und mit einer Mischung aus Wodka und Wasser desinfiziert. Für das nächste Mal.“ Die Gewänder selbst sind Eigentum der Gewandmeisterei des Staufersaga-​Vereins. Auch die neuen. „Der Schönblick leiht sie bei uns aus – anschließend werden sie bei uns gelagert und weiter verwendet.“
Aus Gundi Mertens, der Modedesignerin, die gemeinsam mit ihrem Team der Gewandmeisterei wieder wunderbare Arbeit geleistet hat, spricht die langjährige Erfahrung. „Im Theater gibt es nichts, was es nicht gibt. Aber uns bringt nichts aus der Ruhe.“ Mit einem Team von fünf Kolleginnen wird sie bei allen Aufführungen im Hintergrund schauen, dass alles nach Plan läuft. „Schließlich haben wir Darsteller, die mehrere Rollen einnehmen, sich also auch noch während des Stückes umziehen müssen.“
Plötzlich kehrt Ruhe ein in den Trubel auf dem Schönblick. Hauptdarsteller Dannie Lennertz, der Jesus verkörpern wird, kommt um die Ecke. Er lacht: „Hey, redet doch einfach weiter.“ Doch natürlich ist eine gewisse Ehrfurcht zu spüren, wenn der wichtigste Akteur den Raum betritt. Gundi Mertens nimmt ihn in den Arm und zieht ihn zu seinem Gewand: „Schlüpf kurz rein, wir müssen nochmals Maß nehmen. Alles nochmals checken.“ Die Designerin hat die Gabe, auf jede Situation die richtige Reaktion zu zeigen. Das wird auch bei den Aufführungen so sein. So übernimmt sie auch den letzten Check jedes einzelnen. „Wie schnell rutscht es ansonsten in der Nervosität durch, dass einer noch seine Brille auf hat oder eine Armbanduhr trägt. Sachen, die es vor 2000 Jahren nicht gab.“ Wir denken kurz an die Verfilmung des Klassikers „Ben Hur“ zurück, als tatsächlich ein Schauspieler seine Uhr am Arm trägt. Das wäre mit dem finalen Check von Gundi Mertens nicht passiert. Final sagt sie uns, was sie antreibt: „Wir schneidern den Darstellern die Rollen auf den Leib.“ Sie streift mit der Hand entlang den Gewändern. Die Liebe dazu und zu jedem Detail: Das ist Gundi Mertens.

Die Schwäbisch Gmünder Passionsspiele finden vom 24. März (Premiere) bis zum 1. April im Forum auf dem Schönblick statt. Wer sich das Stück, inszeniert von Regisseur Matthias Ihden nicht entgehen lassen will, muss schnell sein: Noch einige wenige Karten sind unter Rexervix erhältlich.

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