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Marginalie: Fastenzeit

Grafik: rz

Am Sonntag ist Ostern. Damit geht auch die Fastenzeit zu Ende, die nach wie vor viele Menschen zum bewussten Verzicht nutzen — selbst, wenn sie nicht religiös sind. Warum also fasten Menschen? Was bringt das überhaupt? Und kannte Jesus den Termin des meteorologischen Frühlingsbeginns?

Sonntag, 09. April 2023
Sarah Fleischer
2 Minuten 18 Sekunden Lesedauer

Der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang – oder einfacher gesagt: Ostersonntag. Christen feiern an diesem Tag die Auferstehung Jesu Christi, den Sieg des Lebens über den Tod. Warum allerdings Jesus seine Auferstehung passend zu den Mondphasen terminiert haben sollte, erschließt sich bei genauem Nachdenken nicht ganz. Schließlich gab es im Jahre 30 n. Chr. wohl noch keinen von allen Seiten abgenickten meteorologischen Frühlingsbeginn. Zumal man von einem Grab aus in der Regel auch nur ganz schwer die Mondphasen beobachten kann.

Aber man will an Feiertagen nicht kleinlich sein, die Kinder sollen ihre Freude an der Eiersuche und den Schokohasen haben. Man muss ihnen ja nicht unter die Nase reiben, dass sie das nur tun, weil vor rund 2000 Jahren ein vermeintlicher Schwerverbrecher mit der grausamsten aller Todesstrafen belegt wurde. Stattdessen freut man sich mit ihnen und beißt dem Schokohasen die Ohren ab.

Das ist ab Ostersonntag dann auch wieder denjenigen erlaubt, die gefastet haben. Ob Süßigkeiten, Alkohol, Fleisch oder Tabak – Für viele Menschen ist die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag eine Gelegenheit, bewusst Verzicht zu üben. Dazu muss man nicht einmal religiös sein, wie eine Umfrage in der Bekanntschaft ergibt. Diejenigen, die fasten, tun das meistens nicht aus spirituellen Gründen, sondern um zu zeigen, dass sie „auch ohne können“ – ohne Zucker, ohne Fleisch, ohne Alkohol und so weiter.

Aber warum genau in diesem von der christlichen Kirche festgelegten Zeitraum, wenn man selbst doch keinerlei Verbindung zu ihr hat? „Es ist ein vorgegebener Zeitraum, das macht es irgendwie einfacher“, überlegt eine Bekannte. „Man tendiert weniger zum Schummeln oder Fastenbrechen.“ Außerdem sei auch die Erklärung gegenüber Anderen einfacher: Lehnt man den Kuchen ab, sagt man einfach „Fastenzeit“. Zu jeder anderen Zeit im Jahr würde das Fasten wohl genauer hinterfragt: Willst du abnehmen? Bist du auf Diät? Wie lange machst du das noch? Zumindest letztere Frage hat sich mit Berufung auf die christliche Fastenzeit geklärt.

Und auch in anderen Religionen hat das Fasten seine Tradition: Für Millionen von gläubigen Musliminnen und Muslimen begann vor etwa zweieinhalb Wochen Ramadan. Von Sonnenauf– bis –untergang kein Essen, Trinken, Tabak – und auch kein Sex. Dagegen wirkt die christliche Fastenzeit wie Völlerei. Aber auch von diesen strengen Regeln gibt es Ausnahmen: Wann immer die körperliche Gesundheit gefährdet ist, soll das Fasten unterbrochen werden. Personengruppen wie Kranke, Schwangere, Stillende, Alte und Kinder fallen von vornherein raus. Ist ja auch sinnvoll – 40 Tage mal kein Fleisch essen ist nicht gesundheitsschädlich, eher im Gegenteil. 4 Wochen lang aber tagsüber nicht einmal Wasser trinken – das kann auch für eigentliche fitte Menschen unangenehm werden. Muslimische Bekannte berichten von der Stärkung der Willenskraft, Fasten aus Liebe zur Religion – und auch „um zu Beweisen, dass ich das kann:“

Warum auch immer man also fastet – aus gesundheitlichen, spirituellen oder religiösen Gründen, zur Persönlichkeitsentwicklung oder einfach so – Der eigene Konsum, alte Gewohnheiten werden hinterfragt: „Brauche ich das?“ Diese bewusste Einstellung kann man weiter beibehalten, in allen Lebensbereichen. Und sich den Schokohasen an Ostersonntag trotzdem gönnen – weil die Seele es braucht.

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Hinweis: Dieser Artikel wurde vor 407 Tagen veröffentlicht.


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