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Großer Tag für Charles III.: Muss sich Monarchie das Krönchen richten?

Foto: picture alliance /​dpa /​CTK | Alan Lexa

Seit Monaten wirft die Krönung des neuen britischen Königs Charles III. ihre Schatten voraus. Am Samstag ist es nun so weit, und das Rauschen im Blätterwald ist, wie nicht anders zu erwarten, auf der Zielgeraden noch einmal deutlich angeschwollen. Wie es um die Monarchie im Allgemeinen steht und was das mit Gmünd zu tun hat.

Samstag, 06. Mai 2023
Benjamin Richter
2 Minuten 17 Sekunden Lesedauer

Die „Süddeutsche Zeitung“ hält ihre Leser per Live-​Ticker über die Anreise des verstoßenen Prinzen Harry auf dem Laufenden, „Focus“ hat erfahren, dass Charles und die Königin in spe Camilla eine neue U-​Bahn-​Durchsage einsprechen, und „Sportbuzzer“ will wissen, was die Krönung mit der Champions-​League-​Hymne zu tun hat.
Auch als Nicht-​Royal-​Fan lohnt sich indes zur ersten „Coronation“ auf der Insel in fast 70 Jahren ein genauerer Blick auf den Stand der hierzulande wohl präsentesten der weltweit gegenwärtig 43 Monarchien.
In immerhin 15 davon ist Charles seit dem Tod seiner Mutter Elizabeth II. noch selbst Staatsoberhaupt, von den Weiten Australiens bis zum winzigen Karibikstaat Saint Vincent und die Grenadinen. Das mag viel klingen – ein nüchterneres Bild zeichnet sich jedoch dem, der weiß, dass Elizabeth zu Beginn ihrer Regentschaft noch in 32 Ländern den Hut, pardon, die Krone aufhatte.
Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum dehnte der Gmünder „Thron“ seinen Herrschaftsbereich auf Bargau, Bettringen, Degenfeld, Großdeinbach, Herlikofen, Hussenhofen, Lindach, Rechberg, Straßdorf und Weiler aus. Die Älteren werden es noch wissen: Zur Krönung der vorigen Königin bestand die „Unmittelbare Kreisstadt“ Schwäbisch Gmünd nur aus der Kernstadt und Rehnenhof-​Wetzgau.
Zuletzt flammte mit der Lossagung des Inselstaates Barbados von der britischen Krone die Diskussion darum wieder auf, ob die Monarchie im 21. Jahrhundert nicht längst zum Auslaufmodell geworden sei.
Im Staatenbund des Commonwealth versammeln sich inzwischen ohnehin mehrheitlich Republiken, und dass die britische Regierung einige Einwanderer aus der Karibik nach 2012 fälschlicherweise als Illegale behandelte, trug sicher nicht zur Beliebtheit Ihrer Majestät in den früheren Kolonien bei.
Doch auch im Vereinigten Königreich selbst ist die Monarchie schon lange nicht mehr so unumstritten wie zu Elizabeths besten Zeiten. So gaben in einer Umfrage im Oktober 2022, kurz nach ihrem Tod, in Großbritannien 55 Prozent der Befragten an, dass die Monarchie ihrer Meinung nach gut für das Land sei – 1969 vertraten noch 88 Prozent diese Ansicht. Fast die Hälfte der Briten steht im Umkehrschluss nicht mehr hinter der Staatsform.
Spätestens hier sollte der politisch interessierte Zuschauer hellhörig werden. Eine Meinung, die in der Bevölkerung an der 50-​Prozent-​Marke kratzt und auf dem besten Weg ist, mehrheitsfähig zu werden – war da nicht was?
Sieben Jahre ist es her, dass der damalige Premierminister David Cameron ein Referendum über einen Austritt Großbritanniens aus der EU anberaumte. Der Rest ist Geschichte, inklusive des Google-​Rekords für die Anfrage „Was passiert beim Brexit?“ am Morgen nach der Abstimmung.
52 Prozent der Wähler richteten damals den Kurs ihres Landes grundlegend neu aus, die übrigen 48 Prozent mussten sich fügen.
Auch Jahre nach dem Ende der quälend zähen Brexit-​Verhandlungen und dem offiziellen Austritt am 31. Januar 2020 haben die Briten nachweislich an ihrer Entscheidung zu knabbern: So rechnet ein Ökonom vor, dass sich die britische Wirtschaft nach der Corona-​Pandemie langsamer als andere erholt. Von Hunderttausenden ausgewanderten Fachkräften ist die Rede, am Eurotunnel feierten Kontrollen und Mega-​Staus ein unliebsames Comeback.
Folgt nun der „Monarxit“? Frei nach dem Kaiser: „Krön’ mer mal, dann sehn mer scho.“ (Robert Mirko)

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