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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Gmünd: Baustart für Elektrolyseur – und offene Fragen

Foto: tv

Spatenstich für ein Großprojekt: Am 12. Oktober will die französische Firma Lhyfe mit dem Bau des Elektrolyseurs auf dem Gügling beginnen. Das teilt die Firma auf Anfrage der Rems-​Zeitung mit. Nach wie vor gibt es offene Fragen.

Montag, 25. September 2023
Thorsten Vaas
1 Minute 46 Sekunden Lesedauer

Zum Beispiel, woher der Strom kommen soll. Um grünen Wasserstoff (H2) zu erzeugen, braucht es Ökostrom. Wind– und Sonnenenergie kommen dafür in Frage. „Hier sind wir noch in der Klärung“, sagt Lhyfe-​Vertriebsleiter Pascal Louvet. Was Bauzeit und Investition angeht, hält er sich bedeckt. Das könne man beim Spatenstich besprechen. Fest steht: Vom Land gibt’s eine Förderung. Lhyfe kündigte bereits im Gmünder Gemeinderat an, das Fördergeld dazu zu verwenden, wettbewerbsfähig zu sein. Ohne dieses Geld und den Verkauf von THG-​Zertifikaten wäre der Wasserstoff nämlich viel zu teuer, wie eine Beispielrechnung der Rems-​Zeitung verdeutlicht.

Vier Tonnen Wasserstoff will die Firma täglich auf dem Gügling produzieren und damit Firmen im nebenan geplanten Technologiepark Aspen zu versorgen. Die werden auf den Preis schauen und sich genau überlegen, ob sie sich davon abhängig machen. Weil in nächster Nähe zum Elektrolyseur weder Windkraft-​, noch PV-​Anlagen stehen, muss der Strom zu großen Teilen an der Börse eingekauft werden. Neben 36.000 Litern Wasser verschlingen die beiden fünf Megawatt-​Maschinen pro Tag etwa 220 MWh Strom, um die vier Tonnen zu produzieren. Bei einem Börsenpreis von 94,76 Euro je Megawattstunde im Juni dieses Jahres kommt das Kilogramm Wasserstoff vom Gügling ohne Transportkosten und Gewinnmarge so auf 5,21 Euro.

Noch billiger wird der Wasserstoff durch Steuergeld und den Verkauf von THG-​Zertifikaten – allerdings sind sowohl Subventionen, als auch der Quotenhandel endlich. 2026 läuft die H2-​Förderung des Landes aus, später einmal die THG-​Quote. Wie es sich danach preislich weitergeht, gleicht dem Blick in die Glaskugel. Wie man es dreht und wendet: Man braucht Ökostrom im Überfluss. Und dann gibt es einen weiteren Haken. Die Firmen, die auf dem Aspenfeld mit Wasserstoff versorgt werden sollen, existieren nicht. Noch nicht. Das soll sich mit professionellem Marketing ändern, weshalb der Gmünder Gemeinderat im Juni die Gründung einer Vermarktungsgesellschaft beschlossen hat.

Der Gmünder Elektrolyseur ist ein Baustein des Projekts H2-​Wandel, das von Land und EU rund 30 Millionen Euro bekommt, landesweit profitieren 38 Projekte von einer halben Milliarde Euro. Glaubt man einer Erhebung der Ellwanger Beratungsfirma Eura AG, habe die Region Ostwürttemberg einen Wasserstoff-​Bedarf von rund 200.000 Tonnen im Jahr. Eine riesige Menge, die so gar nicht zur Nationalen Wasserstoffstrategie des Bundes passen will. Rechnet man den für Deutschland prognostizierten Bedarf an H2 auf die Region Ostwürttemberg herunter, liegt der hingegen gerade einmal zwischen 15.000 und 20.000 Tonnen.

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