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Ostalb-​Liederbuch: Wer ist eigentlich Karl Schwätzle?

Foto: lks

Generationen von Schülerinnen und Schülern wurden einst darauf getrimmt, dass sie Texte und Melodien der gängigen Volkslieder auswendig konnten. Volkslieder sind aus der Mode gekommen — vielleicht auch deshalb, weil sie eine zeitlang im Zuge einer völkisch-​verwirrten Ideologie vor den braunen Karren gespannt wurden. In Gmünd gibt es einen Mann namens Karl Schwätzle, der gegen den Trend agiert und ganz aktuelle Volkslieder über den Ostalbkreis komponiert und textet. Ihm sind diese Woche die „Marginalien“ in der Rems-​Zeitung gewidmet.

Sonntag, 14. Januar 2024
Gerold Bauer
2 Minuten 34 Sekunden Lesedauer

Wer ist eigentlich Karl Schwätzle?
Was haben der Tiefe Stollen in Wasseralfingen, die Albhochfläche in Bartholomä, die feudale Kapfenburg, das vom Klerus über Jahrhunderte geprägte Städtchen Ellwangen, die Stauferstadt Gmünd, das Felsenmeer im Wental , die Limes-​Thermen, die Wacholderheide auf dem Kalten Feld und die Kapelle in Herdtlinsweiler gemeinsam – außer dass alle diese Orte natürlich im Ostalbkreis liegen? Die Antwort hat etwas mit Musik zu tun, und zwar mit einer Sparte, die heute nicht mehr ganz so populär ist. Denn über jeden der genannten Schauplätze wurde eigens ein Lied geschrieben und angesichts des Kreisjubiläums in einem „Ostalb-​Liederheft“ zusammengefasst. Es sind moderne Volkslieder – modern deshalb, weil sie nicht schon vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten entstanden sind, sondern erst in der Gegenwart.
Die Texte und die Melodien hat sich ein Mann namens Karl Schwätzle ausgedacht, aber wer das Telefonbuch durchblättert, wird in Gmünd keinen Herrn dieses Namens entdecken. Es gibt ihn auch nicht. Oder genauer gesagt, es gibt ihn nicht unter diesem Namen. Denn natürlich ist Karl Schwätzle kein „Fake“, sondern schon ein Mensch aus Fleisch und Blut. Nur heißt er eben im echten Leben nicht so und will auch seine Identität nicht preisgeben. Deshalb war er bei der Übergabe des Ostalb-​Liederbuchs an Landrat Dr. Bläse selbst gar nicht dabei. Der Vorsitzende des Liederkranzes Straßdorf, Hubert Leist, fungierte quasi als „Strohmann“ für den Texter und Komponisten mit dem urschwäbischen Pseudonym. Dass Leist die Überreichung gemeinsam Roland Zwerina das Büchlein übergab, hatte natürlich auch seine Berechtigung. Zwerina hat zur Illustration der Lieder wunderschöne Fotos beigesteuert und Leist hat sich um die technisch-​organisatorische Seite sowie um die Gestaltung der Publikation gekümmert.
Bleibt aber trotzdem die Frage im Raum: Wer ist denn nun dieser ominöse Karl Schwätzle? So viel sei aber hier verraten: Er ist Mitglied im Straßdorfer Liederkranz und eine in Gmünd durchaus bekannte und ehrenamtlich engagierte Persönlichkeit. Und wer nun schon anfängt zu rätseln, ob es vielleicht doch Hubert Leist oder sein Duo-​Partner Achim Klotzbücher ist? Oder womöglich der ja als sehr musikalisch bekannte Gmünder Oberbürgermeister? Der Leiter des Gmünder Amts für Medien und Kommunikation sowie Touristik– und Marketing-​Chef der Stadt, Markus Herrmann ist ebenfalls gut bei Stimme und kommt aus Straßdorf. Leute, lasst es sein, ihr kommt nie drauf! Der Mann ist nicht einmal von Haus aus ein Schwabe, aber sein Pseudonym ist eine durchaus zulässige Aneignung fremden Kulturguts. Denn die Liebe zur Ostalb, die aus seinen Texten spricht, lässt erahnen, dass es ihm seine Wahlheimat sehr angetan hat.
Die verbale Würdigung der Raumschaft in Karl Schwätzles Liedern hat eine Botschaft und geht einher mit eingängigen Melodien. Wie es sich für ein Volkslied gehört, sind keine Arien über mehrere Oktaven opportun, sondern eine Komposition, die schnell ins Ohr geht, einen hohen Wiedererkennungswert hat und sich – wohl das Wichtigste – auch leicht mitsingen lässt und Freude bringt. So wie es der legendäre Chorleiter Gotthilf Fischer aus dem Remstal (ein echter Schwabe übrigens) gerne bei seinen Konzertauftritten gemeinsam mit dem Publikum zelebrierte. So was würde unserem Karl Schwätzle aus Gmünd auch eine große Freude machen. Denn bis dato stimmt es ihn ziemlich traurig, dass er sich so viel Mühe gemacht hat, aber sein neues Ostalb-​Liederbuch selbst im Jubiläumsjahr des Landkreises kaum gezückt wurde, um dem „Geburtstagskind“ auch Form dieser Volkslieder zu gratulieren. (pilatus)


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