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Ein Dankesfax an den Heimwerker-​König

Symbol-​Foto: run​dumkiel​.de /​pix​e​lio​.de

Früher, als die Sommer noch länger und die Winter noch verschneiter und die Kinder noch anständig und sowieso alles besser war — in diesem Früher hatte man auch Faxgeräte zuhause. Inzwischen scheinen sie ausgestorben, quasi ein Fall für die Geschichtsbücher. Doch halt — es gibt sie noch. Wo, das verrät die Marginale diesen Samstag. Und, an wen man das Fax dann am besten schickt.

Sonntag, 21. Januar 2024
Sarah Fleischer
2 Minuten 33 Sekunden Lesedauer

Früher ist ein schönes Wort eindeutiger Unbestimmtheit, eine Art wortgewordene Unschärferelation. Wer früher sagt, meint Vergangenes, das nur näherungsweise beschrieben werden kann, weil es zwischen Urknall und dem vorletzten Wimpernschlag passiert ist. Meist sind das weltbewegende, schier epochale Ereignisse, die in Erinnerung gerufen werden: „Früher, da waren die Gummistiefel noch aus Holz“, pflegte ein Kollege zu sagen, als er ob seiner Lebenserfahrung an vorzeitige Zeiten dachte. Jüngere Zuhörer wussten: Er meint das Jahr Neunzehnhundertschnupftakab, als man um zu telefonieren am Wählrad ratschte und sich neben den Apparat setzte, weil das Spiralkabel allenfalls eine Amplitude von einem Meter zuließ. Wer es wagte, jenes Ringelschnürchen auch noch um den Finger zu wickeln, um es nach und nach auf eine Auslenkung von einszehn zu dehnen, dem drohte elterlicher Höllenärger. Ja, das ist das Früher, als alles besser, das Handy noch ein Faxgerät war, das die WhatsApp-​Nachricht als papiernen Ausdruck aus dem Gerät quetschte. Mit richtigen Profi-​Maschinen konnte man sowohl telefonieren als auch faxen, aber solche Kombigeräte waren nur was für die Gutbetuchten. Inzwischen sind Schnurtelefone, Faxgeräte rar geworden. So selten wie ehrlich arbeitende Politiker. Und welche, die diesen Umstand selbst anprangern.
Doch es gibt sie noch. Faxgeräte und ehrliche Politiker aus dem Gmünder Wahlkreis. Ja, richtig gelesen. Faxgeräte existieren nach wie vor. Man muss nur hinschauen. Beispielsweise am Flughafen. Da steht eine solche Maschine, wenngleich eher unauffällig, eingepfercht in einem fensterlosen Raum, so als wolle man das Heiligtum vor Sonnenlicht schützen, um das Hartplastik vor dem Vergilben zu konservieren. Das Beste daran: Man darf das Ding sogar benutzen. Geschichte zum Anfassen. Aber vorsichtig, könnte kaputt gehen. Und ganz billig ist das zudem wohl nicht, wie man vorab gewarnt wird: „Champagner/​Premiumwein sowie die Nutzung der Faxgeräte […] sind kostenpflichtig.“ Wenn jemand nur geahnt hätte, dass Faxgeräte heute auf gleicher Stufe mit Schampus und Barolo stehen! Fax ist Luxus, so lecker wie vergorener Traubensaft, eben auf eine andere Art und Weise. Nur wie? Wie war das früher, das Gefühl beim Faxen? Hat es besonders beerig gerochen? Geprickelt? Man muss es ausprobieren! Wie früher. Egal wie teuer. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Und da sind sie schon, jene leichte Anflüge von Nostalgie, Fragen, die man sich bereits früher gestellt hat. Schrift nach oben, oder unten legen? Mit oder ohne Vorwahl? Vor allem: Wem soll man was faxen? Tim Bückner vielleicht? Der CDU-​Landtagsabgeordnete und Heimwerker-​König aus dem hiesigen Wahlkreis hat es sich verdient, ein Fax mit Lob und Lorbeeren zu erhalten, schließlich berichtet er auf Instagram von seiner ziemlich schwierigen Arbeit. Nicht die im Landtag, nein. Es geht um Renovierungsarbeiten in seiner Scheune. Ende der Sommerferien habe er damit begonnen, das Fachwerk zu sanieren. Sisyphusarbeit! Die ihn „jetzt aber wirklich an die Grenzen geführt“ habe. Hat sich rückblickend alles rentiert, der erste Raum sei fertig. Er ist stolz auf sich: „Ehrliche Arbeit als schöner Ausgleich“, kommentiert Bückner. Moment mal. Zur Abwechslung ehrliche Arbeit? Holladiwaldfee! Jetzt ist es raus, wie der Hase im Landtag läuft. Dafür ein Dankesfax. Für die Offenheit. Die klaren Worte, wenigstens sagt’s einer. Nur wohin? Auf Tim Bückners Homepage steht bloß eine Telefonnummer. Er hat scheinbar gar kein Faxgerät. Schade. Oder ist so ein ultramodernes Ding, so ein Kombigerät?

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