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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Alexander Relea-​Linder: söl, Linke und BSW?

Foto: privat

Wenn das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) am Samstag in Berlin den Gründungsparteitag abhält, wird auch ein Gmünder dabei sein: Alexander Relea-​Linder. Der Kommunal– (söl) und Kreispolitiker (Die Linke) ist für einen Posten im Parteivorstand vorgeschlagen. Das wirft Fragen auf.

Freitag, 26. Januar 2024
Thorsten Vaas
2 Minuten 21 Sekunden Lesedauer

Sahra Wagenknecht polarisiert mit russlandfreundlicher und populistischer Rhetorik. Mit ihrer Partei BSW hat sie sich von den Linken im Bundestag abgekapselt. Der Gründungsparteitag am Samstag findet mit Gmünder Beteiligung statt. Mit dabei ist Alexander Relea-​Linder. Er sitzt für söl im Gmünder Gemeinderat und für die Linke im Kreistag. Wie kann das sein?

Sie sind von Sahra Wagenknecht als Mitglied für den Parteivorstand vorgeschlagen worden. Warum gerade Alexander Relea-​Linder?

Sahra Wagenknecht lernte mich im Landtagswahlkampf 2016, als auch im Bundestagswahlkampf 2017 kennen und hat meine Wahlkämpfe unterstützt. Zudem bringe relevante Arbeitserfahrung aus meiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag, als Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall und aktuell in der Industrie mit.

Welche Rolle möchten und werden Sie im Bündnis Sahra Wagenknecht einnehmen?

Als Bundesvorstandsmitglied möchte ich einen Beitrag zur Etablierung der Partei leisten und die zukünftige programmatische Debatte mitgestalten.

Kommen wir zum Inhalt. Sahra Wagenknecht will mit Statements Wähler vom rechten Rand fischen. Sie kritisierte Sanktionen gegen Russland, „einen blinden, planlosen Ökoaktivismus“, sprach sich für eine Obergrenze bei der Aufnahme von Geflüchteten aus. Was halten Sie von diesen Statements?

Die Aussagen, die ich von Sahra Wagenknecht kenne, sind deutlich differenzierter, als die hier angeführten. Sahra Wagenknecht ist dafür bekannt, dass sie sehr pointiert argumentiert, aber unstrittig mit der aktuellen Ampel-​Politik unzufrieden ist. Sie setzt sich für Diplomatie und Verhandlungen ein und befindet sich damit in einem breiten friedenspolitischen Bündnis. Ihre Kritik beispielsweise am Heizungsgesetz teilt eine überwiegende Mehrheit der Bevölkerung. Das grundgesetzlich verankerte Recht auf Asyl entspricht der Position der Partei BSW und meiner Überzeugung. Notwendig ist die Beschleunigung von Asylverfahren, um Rechtssicherheit für die Betroffenen zügiger zu gewährleisten. Das bedeutet auch, dass nicht anerkannte Asylbewerber das Land zeitnah wieder verlassen müssen. Damit bedienen wir nicht die Ideologie des rechten Rands, sondern die breite politische Mitte. Eine Kooperation mit rechtsextremen Parteien wird es nicht geben.

Sahra Wagenknecht möchte mit BSW eine Partei an den Start bringen, damit diejenigen eine „seriöse Adresse“ hätten, die auch aus Wut, aber nicht, weil sie rechts seien, darüber nachdächten, AfD zu wählen. Ist BSW eine Wut-​Partei?

Laut aktueller INSA-​Umfrage sind nur noch 17 Prozent der Bürger dieses Landes mit der Ampel zufrieden. Viele Menschen wissen nicht mehr, was sie wählen sollen. Es gibt eine Repräsentationslücke, die wir füllen wollen. Wir möchten den Menschen ein neues Angebot machen für soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Vernunft.

Sie sitzen für Die Linke im Kreistag und für söl im Gemeinderat Schwäbisch Gmünd. Wie passt das zusammen?

Auch in anderen Fraktion im Gemeinderat und Kreistag sitzen Mitglieder, die nicht Mitglieder der Partei, die die jeweilige Fraktion gebildet hat, angehören. Bei söl sind wir eine freie Liste. In der Kreistagsfraktion ist mein Austritt bekannt und stellt für die anderen Mitglieder kein Problem dar.

Mit BSW koppelt sich Sahra Wagenknecht von den Linken ab. Werden Sie sich ebenfalls von den Linken lösen?

Trotz meines Parteiaustritts gehe ich ohne Groll und ohne Nachtreten. Der Konflikt ist für mich abgeschlossen.

Welchen Einfluss wird Ihr Engagement bei BSW auf Ihre Arbeit im Gmünder Gemeinderat und im Kreistag haben?

Für den Kreistag werde ich bei der nächsten Wahl nicht mehr antreten. Für den Gemeinderat kann ich mir einen erneuten Antritt vorstellen. Mein Fokus richtet sich jedoch auf den Aufbau der Partei Bündnis Sahra Wagenknecht im Bund und in Baden-​Württemberg.

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