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Marginalie: Heymann, pack den Hammer aus

Foto: bri

Andi Wolff und Juri Knorr kennt inzwischen jeder, der nicht seit dem Jahreswechsel Medienkonsum gefastet hat. Aber auch ohne den Gmünder Kai Häfner und Sebastian Heymann von Frisch Auf Göppingen mit seinem 125-​km/​h-​Wurf lässt sich die deutsche Handball-​Heim-​EM-​Story nicht erzählen.

Samstag, 27. Januar 2024
Benjamin Richter
2 Minuten 25 Sekunden Lesedauer

Es soll Autogrammjäger geben, die einmal halb um den Globus fliegen, damit sich ihr Idol mit etwas Filzstifttinte auf ihrem Ball, dem T-​Shirt, einem Gipsarm oder sogar der nackten Haut „verewigen“ kann. „Da werde ich mich nie wieder waschen“, schwört der oder die auf diese Weise Gezeichnete nicht selten hoch und heilig.

Diesem modernen Götzendienst kann der Kolumnist nicht allzu viel abgewinnen, hat seit den Abzieh-​Tattoos aus Kindertagen auch kaum etwas auf seine Haut kommen lassen – muss an dieser Stelle allerdings dennoch zugeben, dass er zumindest über eine Autogrammkarte eines deutschen Handball-​Nationalspielers verfügt.

Die Rede ist von Sebastian Heymann, bei dem sich der Autor dieser Zeilen – wie bei 15 weiteren Spielern des damaligen Kaders von Bundesligist Frisch Auf Göppingen – bei der Players’ Night im Sommer 2022 ein Stück bedruckte Pappe mit Unterschrift abgeholt hat. Er war eh schon vor Ort, und die Schlange war kurz.

Nun, 17 Monate später, steht Heymann im Rampenlicht wie selten. Bundestrainer Alfred Gislason attestierte ihm kürzlich gegenüber dem „kicker“ den härtesten Wurf der Europameisterschaft, verbunden mit der Aufforderung: „Dann soll er ihn auch einsetzen.“ Ein TV-​Kommentator wurde noch klarer: „Heymann, pack den Hammer aus!“

Auch im Halbfinale gegen den Weltmeister ruhten viele Hoffnungen – und Erwartungen – auf dem 25-​Jährigen mit der respekteinflößenden 1,98-Meter-Statur, der sich neben den „Players of the Match“ Andi Wolff (gegen die Schweiz und Island), Juri Knorr (Nordmazedonien), Julian Köster (Ungarn) und Renars Uscins (Dänemark) in den vergangenen Wochen ins Blickfeld einer ganzen Handballnation gespielt hat. Gegen Kroatien war Heymann jüngst gar gemeinsam mit Johannes Golla bester deutscher Torjäger.

Nach deutscher Halbzeitführung warfen die Dänen den Gastgeber nun am Freitag aus dem Turnier – am Sonntag kann gegen Schweden aber immerhin noch Bronze errungen werden.

Unterdessen muss man als Gmünder, was den Anteil der Region am Nationalteam betrifft, freilich nicht ins Filstal hinüberschielen. Mit von der Partie war bekanntlich auch der in der Stauferstadt geborene Kai Häfner. Zum Halbfinaleinzug steuerte der im Sommer zum TVB Stuttgart zurückgekehrte Routinier und Wahl-​Lorcher eine ordentliche Leistung bei, blieb jedoch trotz wichtiger Treffer (zwei Tore beim 26:24 gegen Island, ein Tor beim 22:22 gegen Österreich) etwas blass im Vergleich mit Heymann und Co.

Wenn man hier nach Gründen suchen will, so besteht kein Zweifel daran, dass es dieselben sind, aus denen Häfner dieses Turnier unabhängig vom Ausgang für die DHB-​Auswahl für immer in Erinnerung behalten wird: Schließlich kam am Freitag nach dem Eröffnungsspiel sein zweiter Sohn Matti zur Welt. Häfner, der kurz vor dem Halbfinalspiel abreiste, räumt unumwunden ein, dass die vergangenen beiden Wochen für ihn ein emotionaler Spagat waren: „Das ist nicht ganz so einfach, muss ich ehrlich sagen“, erklärte der Gmünder gegenüber der „Mopo“.

Was wird bleiben vom Wintermärchen? Wird die Handball-​Euphorie anhalten? Zu wünschen wäre es dieser körperlich anspruchsvollen, ästhetischen und überaus fairen Sportart. Der Kolumnist war seit der Players’ Night sträflicherweise nicht mehr bei Frisch Auf Göppingen – und muss sich sputen, wenn er Heymann vor seinem Wechsel im Sommer zu den Rhein-​Neckar Löwen noch einmal für die Grün-​Weißen auflaufen sehen will. Packenden Handball gibt es, hat er sich sagen lassen, aber auch beim TSB Gmünd und vielen weiteren Vereinen im Altkreis zu sehen. (Robert Mirko)

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