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Petition: 100.000 Unterschriften für Ostalb-​Kinderkliniken

Foto: tv

Mehr als 100.000 Menschen unterschreiben gegen die Schließung der Kinderkliniken im Ostalbkreis auf change​.org. Verantwortliche nehmen nun Stellung.

Montag, 29. Januar 2024
Thorsten Vaas
2 Minuten 42 Sekunden Lesedauer

Am 14. Januar startete der Aalener Arzt Thilo Heising eine Petition auf change​.org, um die Zusammenlegung der Kinderkliniken im Ostalbkreis zu verhindern. Der Titel: „Rettet die Kinderkliniken im Ostalbkreis!“ Die Petition setzt sich für eine gesicherte Gesundheitsversorgung ein. Kinderärzte warnen, dass Kinderkliniken lokal verfügbar sein müssen. Zwei Wochen später haben mehr als 100.000 Menschen die Petition unterschrieben. „Dass eine Petition mit einem lokalen Thema, wie den Kinderkliniken im Ostalbkreis, eine so große Aufmerksamkeit erreicht, sehen wir selten bei Change​.org“, schreibt Erik Jödicke von Change​.org über die Petition. Das sei ein großartiges Beispiel für einen demokratischen Diskurs, der über ein Thema angestoßen wird, mit dem die Menschen unzufrieden seien.
Hintergrund ist ein Antrag der Grünen-​Kreistagsfraktion, die eine Zusammenlegung der Kinderkliniken vorgeschlagen hatten. Mittlerweile wurde der Antrag auf Grund des großen, öffentlichen Drucks zurückgezogen. „Wir haben mit unserem Vorstoß Ängste, vor allem bei den Eltern ausgelöst“, bedauerte dies Volker Grab, Vorsitzender der Kreistagsfraktion der Grünen, und räumte im Rückblick selbstkritisch ein, dass die Fraktion mit diesen Reaktionen hätte rechnen müssen. Er bestätigt auch einen entsprechenden Kommentar der Rems-​Zeitung (Fusion der Kinderkliniken: Veränderung geht nur gemeinsam). Damit muss Landrat Dr. Joachim Bläse den Vorstoß auch nicht innerhalb bestimmter Fristen in den Gremien des Kreistags behandeln. Vielmehr bleibt es ihm überlassen, wie mit dem Thema weiter umgegangen wird.
Selbst wenn die Grünen den Antrag nicht zurückgezogen hätten, wäre nichts überstürzt passiert. „Nicht richtig sind […] Mutmaßungen, dass über diesen Antrag bereits im Februar im Verwaltungsrat der Kliniken Ostalb beraten werden soll“, antwortet Bläse auch change​.org. Es werde derzeit im Rahmen der Erarbeitung eines gesamthaften Medizinkonzepts für die Kliniken Ostalb geprüft, welche Optionen es für die klinische Versorgung von Kindern gibt. „Vor dem Einstieg in die politische Beratung werden wir selbstverständlich auch die Sprecher der niedergelassenen Kinderärzte über den Vorstand der Kliniken Ostalb in die Diskussion einbeziehen“, so Bläse weiter. Dies war auch eine der Forderungen der Kinder– und Jugendärzte im Ostalbkreis, die eine eigene Unterschriftenaktion gestartet hatte. In vielen Prayxen, In Kindergärten und weiteren Einrichtungen lagen Unterschriftenlisten aus. Eine Entscheidung soll vom Kreistag voraussichtlich im ersten Halbjahr getroffen werden, heißt es aus dem Landratsamt.
Unterdessen meldete sich auch Landesgesundheitsminister Manne Lucha mit einem Statement zurück. Für die bestmöglichste medizinische Versorgung im Land brauche man einen dringend notwendigen Strukturwandel in der Krankenhauslandschaft, schreibt er auf der Online-​Petitionsplattform. „Auch im Ostalbkreis wird es zu Strukturänderungen kommen müssen. Dieser Prozess wird seitens des Ministeriums gerne begleitet.“ Künftig werde es größere und leistungsfähigere Kliniken geben, in denen Kapazitäten gebündelt werden und dadurch leistungsstärkere Angebote möglich sind. Es werde zu mehr Zusammenlegungen und Schwerpunktbildungen kommen müssen. Gründe dafür seien immer komplexere medizinische Behandlungsmöglichkeiten, die notwendige Einhaltung von Qualitätsvorgaben, einer immer schwieriger werdenden Personalgewinnung und nicht zuletzt auch wirtschaftliche Gründe. Durch die Konzentration von medizinischem Knowhow an einem Standort werde die Versorgungsqualität für die Menschen erheblich verbessert. „Maßgabe des Landes ist dabei, nur Strukturen zu schaffen, die dauerhaft zu betreiben sind und den Anforderungen sowie den Bedürfnissen vor Ort gemäß gestaltet werden. Dies ist im Interesse aller Bürgerinnen und Bürger“, so der Minister.
Darüber hinaus gelte es auch, die bislang harten Grenzen zwischen den Sektoren ambulant und stationär durchlässiger zu gestalten. Eine engere Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich ist dabei unerlässlich. Der Ausbau der sektorenübergreifenden Versorgung, deren Notwendigkeit nicht erst die Pandemie aufgezeigt hat, soll daher weiterhin verstärkt vorangetrieben werden. Zukünftig werde es für die Verantwortlichen im Land unter anderem die Aufgabe entstehen, „dass dort, wo sie Kliniken schließen, regional angepasste sektorenübergreifende Angebote zu schaffen sind, die weiterhin eine gute Versorgung der Menschen gewährleisten“. Lucha ist sich dabei sicher: „Die Menschen werden mit leistungsfähigeren Krankenhäusern besser versorgt sein, und vor Ort wird das sektorenübergreifende und ambulante Angebot entsprechend ausgebaut – etwa durch Notfallpraxen, Medizinische Versorgungszentren unter der Regie niedergelassener Ärzte oder auch durch Primärversorgungszentren.“

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