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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Marginalie: Närrisch verliebt

Symbol-​Foto: fleisa

Manchmal gibt es interessante Zufälle, die einen unwillkürlich schmunzeln lassen. Ein solcher steht uns am Mittwoch bevor. Da treffen Hoch und Tief, Glück und Traurigkeit direkt aufeinander. Mit den potenziellen Auswirkungen und einigen sprachlichen Besonderheiten beschäftigt sich die Marginalie diesen Samstag.

Samstag, 10. Februar 2024
Sarah Fleischer
2 Minuten 34 Sekunden Lesedauer

Freud und Leid liegen dicht beieinander diesen Februar. Zum einen ist es mal wieder einer mit 29 Tagen. Alle Schaltkinder können sich also freuen: Sie werden endlich ein Jahr älter. Das dauert halt immer vier Mal so lange wie bei allen anderen Menschen, die nicht ausgerechnet an dem Tag zur Welt kamen, der es nur alle vier Jahre in die Kalender schafft. Winterhasser hingegen bemängeln, dass die nach ihrem Empfinden schlimmste Jahreszeit im Schaltjahr offiziell einen Tag länger dauert. Dabei ist der Winter in Deutschland ja schon lang genug.
Ganz schizophren wird es am Mittwoch, dem 14. Februar: Aschermittwoch und Valentinstag in einem. Passenderweise waren sämtliche Mitglieder der Stadtverwaltung beim Rathaussturm überaus herzig unterwegs, teilweise mit der sprichwörtlichen rosaroten Brille auf den Nasen. Während sich die Narren am Mittwoch also weinend und mit Restalkohol in den Armen liegen und das Ende der fünften Jahreszeit beklagen, liegen die frisch Verliebten liebestrunken und knutschend in der Ecke. Bei verliebten Narren dürfte das Gefühlschaos komplett sein. Von „Adieu, du schönstes aller Feste, jetzt ist die Welt wieder grau und trist“ zu „Ich liebe dich“ ist es da nur ein Katzensprung. Der sollte die Stimmung wieder ordentlich heben, in Anbetracht des Hormon-​Cocktail, den unsere Gehirne ob dieser drei Worte produzieren.
Diese speziellen drei Worte zählen ja bekanntlich in jeder Sprache zu dem schönsten, was man einer Person sagen kann. Abgesehen vielleicht von „Ich hab Kaffee gemacht!“ Oder „Es gibt Kuchen!“ Wenn Deutsche ihre Zuneigung gestehen, dann klingt das – O-​Ton fremdsprachiger Freunde – „irgendwie zu sanft für Deutsch.“ Immerhin hat unsere Sprache im Ausland den Ruf, vorwiegend aus Konsonanten und Krächzlauten zu bestehen. Aber wenn es um die Liebe geht… tja, da werden wir eben ganz weich. Und nicht nur das, wir machen sogar leichte Abstufungen in unserer Zuneigungsbekundung, die es manch anderen Sprachen nicht gibt. „Ich liebe dich“ und „Ich hab dich lieb“ mögen ähnlich klingen, und doch kann man in den seltensten Fällen das eine gegen das andere austauschen. „Ich hab Wassermelonen lieb“ – Einfach nee. „Ich liebe dich, Mama“ – nun ja, das Saarland lässt grüßen. No offense.
Apropos, im Englischen kennt man derlei Distinktion nicht, dort muss man eben mit „I love you/​this/​that/​etc.“ um sich werfen. „I love strawberries“ funktioniert genau so wie „I love you Mum“ und „I love you, will you marry me?“ Unser direktes Nachbarland, wo die Liebe ja praktisch erfunden wurde, bietet mit „Je t’aime“ eine adäquate Übersetzung von „Ich liebe dich“, beliebig erweiterbar durch „beaucoup“ und „bien“. Wobei ersteres die Liebe verstärkt, das zweite den Satz aber in Richtung „Ich hab dich lieb/​Ich mag dich“ manövriert. Für gelegentliche Verwirrung hierzulande sorgt der Jugend-​Slang „je kiffe“. Das hat mit dem vielleicht bald legalen grünen Kraut (leider) nichts zu tun, sondern bedeutet: „Je t’aime“. Und zwar in all seinen Spielarten. Sprachlich spannend wird es auch in Ostasien. In Südkorea braucht es genau ein Wort für ein Liebesgeständnis: „Saranghae“. Das heißt zwar, weil Personalpronomen grundsätzlich eher optional sind, eigentlich nur „Ich liebe“. Aber da Koreaner an sich eher sparsam mit Liebesbekundungen umgehen, braucht es das auch nicht. Wenn’s drauf ankommt, weiß jeder, was gemeint ist.
So, und nun genug der romantischen Sprachexkursionen. Wer eine bessere Hälfte hat, kann sie jetzt am Mittwoch mit mehrsprachigen Liebesbekundungen überraschen. Für die Narren gilt: So manche Liebe endet, aber Fasching kommt jedes Jahr wieder. Kopf hoch!

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