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Kombi-​Lösung Aalen: Analyse zur Fahrtzeit

Grafiken: Bernard-​Gruppe

Wie schnell könnte man ein Zentralklinikum in Aalen erreichen? Die Aalener Stadtverwaltung Aalen stellt eine Analyse vor, die eine Kombi-​Lösung am Standort des Ostalb-​Klinikums unter die Lupe nimmt.

Freitag, 16. Februar 2024
Thorsten Vaas
2 Minuten 55 Sekunden Lesedauer

Wo soll das neue Zentralklinikum im Ostalbkreis entstehen? Dort, wo es die meisten Bürgerinnen und Bürger sowie Rettungsdienste schnell erreichen können. Das ist ein wichtiger Faktor in der Debatte um die Zukunft der Kliniken Ostalb. Und es ist ein Streitpunkt, vor allem bei der Kombi-​Lösung, die die Aalener Stadtverwaltung ins Spiel gebracht hat. Ihre Idee: Das heutige Ostalb-​Klinikum in Aalen könnte schrittweise zum Zentralklinikum ausgebaut werden. Das sei mit 413 Millionen Euro nicht nur günstiger, sondern schneller gebaut und klimafreundlicher als ein kompletter Neubau auf der grünen Wiese bei Essingen. Dort würden nach Angaben der Endera-​Managementberater Kosten zwischen 600 und 650 Millionen Euro auflaufen. Während ein Neubau bei Essingen ziemlich nahe an der B29 liegt, müsste für die Kombi-​Lösung im Kälblesrain erst eine kilometerlange Anbindung an die Bundesstraße gebaut werden. Selbst dann befürchtet man aus Schwäbisch Gmünder Sicht eine Verschlechterung der Fahrtzeiten ins Klinikum. Die Forderung aus Gmünder Sicht: „Bis Essingen und nicht weiter.“
Nun veröffentlicht die Aalener Stadtverwaltung eine Erreichbarkeitsanalyse, die sie bei der Bernard-​Gruppe in Auftrag gegeben hat und sich mit den Fahrtzeiten des Rettungsdienstes ans Ostalb-​Klinikum beschäftigt. Das Ergebnis: „Nahe am geografischen Mittelpunkt des Ostalbkreises gelegen, ist für die Kliniken am Standort Kälblesrain eine gute Erreichbarkeit gegeben. Eine weitere Verbesserung bringt die als Teil der Aalener Kombi-​Lösung vorgestellte direkte Anbindung des Ostalb-​Klinikums an die B 29″, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Bernard-​Gruppe habe auf Grundlage der vom Ostalbkreis definierten Parameter mehrere Szenarien zur Erreichbarkeit ausgearbeitet.
Untersucht wurden drei Radien rund um den Standort des Ostalb-​Klinikums im Kälblesrain, die eine Erreichbarkeit mit dem Pkw in zehn, 20 oder 30 Minuten sicherstellen. Die Analyse wurde sowohl für das bestehende Straßennetz, die aktuelle Anbindung des Klinikums, als auch für eine Anbindung mit einem eigenen Zubringer an die B 29 durchgeführt.
Als maximaler Schwellenwert wurde die vom Ostalbkreis definierte Erreichbarkeit des Regionalversorgers innerhalb einer 30-​Minuten-​Zone zugrunde gelegt. Zudem wurden auch die Zeiten für Einsatzfahrten mit Blaulicht und Martinshorn ermittelt.
Die Analyse des bestehenden Verkehrsnetzes habe bestätigt, dass bereits jetzt das Ostalb-​Klinikum gut erreichbar ist. Mit dem Anschluss an die B 29 seien aus Richtung Norden sogar die im Landkreis Schwäbisch Hall liegenden Gemeinden Kreßberg und Fichtenau in 30 Minuten erreichbar. Im Süden reiche der Einzugsbereich bis in den Nachbarlandkreis Heidenheim mit der Gemeinde Steinheim und den Städten Heidenheim und Giengen. Im Osten seien Bopfingen und Kirchheim am Ries im 30-​Minuten Radius jetzt schon gut angebunden. „Im Westen liegen Waldstetten, Lorch und Spraitbach innerhalb dieser Erreichbarkeit“, heißt es aus Aalen.
Berücksichtigt wurden für die Analyse nach Angaben der Aalener Stadtverwaltung die unterschiedliche Straßenklassifizierung im Untersuchungsgebiet, für die jeweils mittlere Geschwindigkeiten vorausgesetzt wurden, um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten. „Konkret bedeutet das: 10 km/​h für verkehrsberuhigte Bereiche, 25 km/​h für Gemeindestraßen, 55 km/​h für Kreisstraßen, 65 km/​h auf Landstraßen, 80 km/​h auf Bundesstraßen, 95 km/​h auf Kraftfahrstraßen und 100 km/​h auf Bundesautobahnen“, steht in der Mitteilung. Halte– und Wartezeiten sowie unterschiedliche Verkehrsaufkommen seien dabei bereits eingerechnet. Als Kartenmaterial seien OpenStreetMap-​Daten herangezogen und der durchgängige vierspurige Ausbau der B 29 als abgeschlossen betrachtet worden.
Die Stadtverwaltung Aalen habe dem Landkreis, dem Klinikvorstand und dem Büro Endera die Erreichbarkeitsanalyse zur Verfügung gestellt, damit die Daten in die Bewertung einfließen können. Der Kreistag hatte sich in seiner Sitzung vom 25. Juli 2023 für ein Zentralklinikum ausgesprochen, flankiert von zwei kleineren Kliniken in Schwäbisch Gmünd und Ellwangen. In der Folge wurden Kriterien für den potenziellen Standort des Zentralklinikums aufgestellt. Die Stadt Aalen, die Gemeinde Essingen, die Stadt Heubach und die Gemeinde Mögglingen wurden angeschrieben, um sich am Standortverfahren zu beteiligen. Eingegangen sind Grundstücksangebote aus Essingen, Mögglingen und Aalen. Hierbei brachte die Stadt Aalen die Kombi-​Lösung am Ostalb-​Klinikum ein.
Die vorliegenden Vorschläge wurden inzwischen durch das beauftragte Gutachterbüro, die Endera-​Gruppe, bewertet. Außerdem wurden die Varianten „Zentralklinikum auf der grünen Wiese“ und die „Kombi-​Lösung am Ostalb-​Klinikum“ gegenübergestellt und bewertet.
Verwaltungsrat Der Verwaltungsrat Kliniken wird sich am 26. Februar in öffentlicher Sitzung mit den Bewertungsergebnissen befassen und eine Beschlussempfehlung für die Kreistagssitzung am 5. März aussprechen. Bereits am Donnerstag, 22. Februar, will das Landratsamt die Presse über die Bewertungsergebnisse informieren.

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