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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

So ebbes: Flüchtige Bekannte

Illustration: Bing Image Creator

Als Läufer erlebt man so einiges, und manches davon kommt einem im Nachhinein reichlich surreal vor. Zwei Begegnungen fallen dem Kolumnisten in diesem Zusammenhang spontan ein, die Sie hier im „So ebbes“ in Gänze nachlesen können. Vorab nur so viel: Es wird tierisch.

Donnerstag, 22. Februar 2024
Benjamin Richter
1 Minute 27 Sekunden Lesedauer

Einmal drehte ich vor Jahren eine Runde um das Harzstädtchen, in dem ich damals wohnte und arbeitete, und joggte dabei auch an einem Forsthaus vorbei. Da gesellte sich der dort wohl wohnende Hund mit großen Sprüngen zu mir.

Etwas irritiert – sind mir Hunde doch seit jeher weder Feind noch Freund – bog ich tiefer in den Wald ab und hoffte, den mittelgroßen Vierbeiner bald hinter mir zu lassen. Aber denken Sie, die Fellnase wich mir von der Seite?

Nein – er schien erkannt zu haben, dass er so eine günstige Gelegenheit für seinen Auslauf an diesem Tag nicht mehr bekommen würde. Wie ein Schatten folgte er mir über Trampelpfade, Lichtungen, Stock und Stein.

Als allmählich wieder die ersten Häuser der Kleinstadt in Sicht kamen, überlegte ich schon fieberhaft, wie ich mich der unverhofften Aufmerksamkeit des Hundes entziehen könnte. Ob es mir gelingen würde, schnell genug durch meine Wohnungstür zu schlüpfen und diese hinter mir zuzuschlagen, so dass er nicht würde folgen können?

Meine List erwies sich als überflüssig: Kurz vor der Stadtgrenze verlangsamte das Tier seinen Schritt und drehte dann vollends ab, zurück gen Forsthaus. Meine Viertelstunde als „Hundeherrchen“ war zu Ende, schnüff.

Lange hatte ich an diese Episode nicht mehr gedacht – bis mich an diesem Mittwoch mein morgendlicher Lauf die Oberbettringer Straße hinunter an einem offenbar bewohnten Gemäuer vorbeiführte. Aus dem Augenwinkel wurde ich nach der dortigen Steilkurve des kleinen Tierchens gewahr, das sich scheinbar an den Naturstein schmiegte, mein Lauftempo aber auf Anhieb tadellos imitierte.

Als ich den Kopf umwandte, um meinen neuen Überraschungslaufpartner genauer in Augenschein zu nehmen, war der allerdings schon in ein winziges (Mause-?)Loch in der Mauer verschwunden. Bleibt die Frage: Wie viele Meter muss man miteinander zurücklegen, um sich „Lebensabschnittsgefährten“ nennen zu dürfen?

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