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Marginalie: Verzweiflung an der Biotonne – Neue Tüten, alte Probleme?

Foto: Pixabay

Stiefmutters Welt steht Kopf: Die Einführung der neuen Biotonne droht ihre gewohnten Rituale zu zerstören. Der Kolumnist hingegen sieht darin eine Chance, den unschönen Anblick von Biomüll auf den Straßen zu beseitigen. Doch hegt er Zweifel an der Praxistauglichkeit der Papierbeutel. Erinnerungen an durchgesickerte Beutel und mühsame Aufräumaktionen im Treppenhaus kehren zurück. Ein Beitrag von Hans Riedl.

Sonntag, 25. Februar 2024
Franz Graser
2 Minuten 36 Sekunden Lesedauer

Die Verzweiflung war mit Händen zu greifen. Stiefmutter hatte einen Zettel vor sich auf dem Tisch liegen, auf dem sie etwas ankreuzen sollte. Ein Blick verriet, dass es um die neue Biotonne ging, die im Lauf des Jahres eingeführt werden soll. Auf dem Zettel standen mehrere Größen zur Wahl außerdem noch weitere Optionen wie „Eigenkompostierung“.

„Was soll ich machen?“ fragte sie mit klagendem Unterton. Nun ist es bei älteren Menschen manchmal so, dass selbst kleinere Veränderungen sie komplett aus der Bahn werfen können. Stiefmutter braucht ihre täglichen Rituale. Sie fragt jeden Tag das Gleiche, mokiert sich über den Inhalt der Zeitung („Nur noch Mord und Totschlag!“) und streicht akribisch die Druckfehler an, die ihr auffallen – als ehemalige Lehrerin kann sie eben nicht aus ihrer Haut.

Dem Zettel war eine Broschüre beigelegt, in der die Vorzüge der neuen Biotonne gepriesen wurden. Statt Plastiktüten, die morgens auf die Straße gestellt werden, soll es künftig Papiertüten geben. Und die werden dann in die Biotonne gelegt, die am Abfuhrtag auf die Straße gestellt wird. Klar, die meist prall gefüllten orangen Tüten auf den Trottoirs waren alles andere als ein Augenschmaus.

Und wenn die Tüten zu voll waren oder schon am Abend herausgelegt wurden, passierte es häufig, dass die Beutel zur Vespertüte für tierische Mitbewohner wurden. In diesem Fall verteilt sich der ganze Biomüll über die Straße, und der Kolumnist hat seine liebe Not, das herausgerissene und nicht selten schon welke und angeschimmelte Zeug wieder einzusammeln und in den aufgerissenen Beutel zu stopfen. Insofern wäre die Tonne schon eine Verbesserung – wenn man denn Platz hat, sie unterzubringen.

Im Fall des Kolumnisten kein Problem: Wo guter Wille und ein Keller sind, hat auch eine zusätzliche Tonne Platz. Nur gut, dass bei uns keine blaue Tonne notwendig ist, weil die Vereine mindestens zweimal im Jahr Altpapier sammeln. Aber ein bisschen eng wird es schon zwischen Waschmaschine und Trockner.

Doch wie so oft erscheint es dem Kolumnisten, dass die Tonne das Problem des Unrats nicht beseitigt, sondern nur verlagert – und zwar von der Straße ins Treppenhaus. Denn Biomüll ist in der Regel feucht, und was feucht ist, suppt. Und mit Biomülltüten aus Papier hat der Kolumnist so seine Erfahrung. Denn andernorts, in diesem Fall in Bayern, sind Biotonnen längst Standard.

Und dort verwendete der Kolumnist ebenfalls Mülltüten aus Papier für Gurken– und Bananenschalen, Apfelbutzen und all das Zeug, das im Kühlschrank über Nacht entweder weiß angelaufen war oder grüne Haare bekommen hatte. Lange Rede, kurzer Sinn: Das Zeug suppt, der Papierbeutel wird unten feucht, bricht durch, und das Ganze passiert nach Murphys Gesetz immer dann, wenn man im Treppenhaus unterwegs ist, um den Biomüll in die Tonne zu schaffen.

Und dann fährt die ganze Seuche, anders kann man das nicht nennen, eben nicht auf dem Trottoir, sondern im Treppenhaus umeinander, und das manchmal sogar, wenn man selber Kehrwoche hat. Der Kolumnist verlegte sich daher auf eine Zwei-​Beutel-​Lösung mit dem feuchten Innenbeutel und einem trockenen Außenbeutel, der dann bei der nächsten Runde zum Innenbeutel wurde. Das funktionierte zwar, setzte aber voraus, dass zu jedem Zeitpunkt mindestens ein Ersatzbeutel vorhanden sein musste.

Nun kann ja die Papierbiobeuteltechnologie seit damals ungeheure Fortschritte gemacht haben, aber ein bisschen Misstrauen bleibt schon noch. Da der Autor dieser Zeilen aber weiß, dass Stiefmutter ihr Biozeug schon immer auf dem Komposthaufen entsorgt (und daran auch nichts ändern will), sagte er: „Weißt du was? Kreuz doch einfach Eigenkompostierung an!“ (Hans Riedl)

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