Direkt zum Inhalt springen

Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Den Wald in die Stadt holen?

Foto: hs

Bäume in der Stadt — dieses Thema bietet seit einigen Jahren reichlich Anlass für Diskussionen. Nicht nur im Gemeinderat, sondern auch in der Bürgerschaft. Manche möchten am liebsten den Wald in die Stadt holen, andere schwärmen vom historischen Markplatz, den man freihalten und nicht verbauen sollte. Was ist denn nun richtig? Damit befassen sich diese Woche die Marginalien der Rems-​Zeitung, die Sie hier gratis und online in voller Länge lesen können:

Sonntag, 24. März 2024
Gerold Bauer
2 Minuten 33 Sekunden Lesedauer

Wald in der Stadt?

Es scheint so, dass in Sachen Bäume der gordische Knoten nun durchtrennt wurde und Gmünd ein Stück Wald mitten in die Stadt holen wird. Zum Beispiel einen „Zauberwald“ am östlichen Ende der beiden Schmiedgassen, nicht weit entfernt vom Turm. Also dort, wo früher das Stadtgebiet durch eine hohe schützende Mauer von der Außenwelt abgeschottet wurde. Jakob Hokema, langjähriger Chef der Staudengärtnerei Fehrle, engagiert sich zusammen mit anderen Bürgerinnen und Bürger sehr dafür, die Grüne Urbanität voran zu treiben. Allerdings rät der Fachmann dazu, bei der Platzierung und der Auswahl der Baumarten das richtige Maß nicht zu verlieren – nicht zuletzt im Hinblick auf den Charakter einer historischen Innenstadt, deren Geschichte bis in die Zeit der Staufer zurück reicht. „In einer mittelalterlichen Stadt gab es keine Bäume“, erinnert der Gartenbau-​Profi. Zum einen fehlte für richtige Bäume in den mittelalterlichen Gassen schlicht der Platz. Zum anderen waren Bäume und Grünflächen etwas, das in jenen Tagen von Städtern mit dem Landleben assoziiert wurden.
Allerdings hat sich im Laufe der Jahrhunderte das Image des Waldes und der freien Natur grundlegend verändert. In einer von Enge, Verkehr und oft hektischem Treiben dominierten Urbanität sehnen Menschen sich nach dem Gegenpol. Bewegungsfreiheit, Ruhe und Durchatmen in frischer Luft. Wald und Feld sind als Erholungsraum Teil der modernen Kultur.
Das war nicht immer so. Man denke da nur an Grimms Märchen. Rotkäppchen setzte sich auf dem Weg zur Großmutter vielen Gefahren aus – in der Geschichte symbolisiert durch den bösen Wolf. Oder Hänsel und Gretel, die man im finsteren und kalten Wald sich selbst und der Hexe überließ. Nicht zu vergessen: Im Wald da sind die Räuber! Das wissen wir aus einem früher gern gesungenen Volkslied. Den römischen Truppen unter Feldherr Varus wurden im Kampf gegen die Germanen die Sümpfe und die Unübersichtlichkeit im Teutoburger Wald zum Verhängnis; und Robin Hood nutzte den seinerzeit als furchterregend und menschenfeindlich empfundenen „Sherwood Forest“ als Unterschlupf vor dem Sheriff von Nottingham.
Sieht man von den unendlich und undurchdringlich scheinenden Wäldern in Skandinavien, Nord– und Südamerika oder Sibirien ab, hat der Wald längst seine Bedrohlichkeit verloren und ist als Kultur– und Freizeitlandschaft bestens erschlossen. Bäume sind ein Symbol für Lebenskraft, und „Waldbaden“ wird von vielen als Quelle der Vitalität empfunden.
Vor diesem Hintergrund ist es nur allzu verständlich, dass man sich die Natur in Gestalt von Bäumen in die Stadt holen will. Zumal angesichts der Klimaveränderung im Sommer der natürliche Schatten und die Verdunstungskälte höchst willkommen sind. Mehr Aufenthaltsqualität durch mehr Bäume – davon verspricht sich auch Andreas Schoell vom Gmünder Handels– und Gewerbeverein Vorteile für die Innenstadt als Einkaufslandschaft.
Allerdings sind freie große Plätze im Zentrum ein charakteristisches Element, das eine Stadt vom Dorf unterscheidet. Zum Beispiel in Freudenstadt, das sich mit dem Prädikat „größter Marktplatz Deutschlands“ schmückt. In dieser Stadt im Schwarzwald gibt es auf dem Marktplatz einen Brunnen, der dem Gmünder Marienbrunnen sehr ähnlich ist – und im Sommer wird die riesige Pflasterfläche durch viele Fontänen optisch gegliedert. Dreht man das Wasser ab, bleiben nur die Düsenlöcher im Boden. Und jene stehen dann keiner Veranstaltung im Weg. Vielleicht könnte dies ja der Königsweg für Gmünd sein? An der Peripherie des Marktplatzes Bäume und in der Mitte Fontänen. Diese Variante hat allerdings den Nachteil, dass sie alles andere als billig ist. (pilatus

Interesse an der kompletten Digitalausgabe?
Die Rems-Zeitung gibt es auch online im Direktkauf bei iKiosk

14 Tage kostenlos und unverbindlich testen?
Das RZ-Probeabo - digital oder klassisch mit Trägerzustellung

2745 Aufrufe
615 Wörter
30 Tage 21 Stunden Online

Beitrag teilen


QR-Code
remszeitung.de/2024/3/24/den-wald-in-die-stadt-holen/