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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Telefonzelle – Lost Place in Gmünd

Foto: tv

Mitten in Schwäbisch Gmünd gibt es verlassene Orte. Einer ist im Trubel, an der Bushaltestelle der Waldstetter Brücke. Dort steht eine Telefonzelle. Bald ist sie weg. Ein Besuch.

Samstag, 30. März 2024
Thorsten Vaas
1 Minute 29 Sekunden Lesedauer

Bus kommt. Die Mobiltelefone und ihre Besitzer steigen ein. Weg sind sie. Sie fahren irgendwohin Richtung Weißensteiner Straße. Zurück bleibt die Telefonzelle an der Waldstetter Brücke in Schwäbisch Gmünd, Standortnummer 717100005051. Sie ist einsam. Menschen gehen an ihr vorüber, spazieren am Josefsbach entlang, Blick geradeaus, in den Kinderwagen, oder aufs Handy, weil das Teil überraschenderweise immer was Interessantes zu bieten hat, selbst wenn man umherläuft. Menschen, die gehend daddeln, nennt man Smombies, eine Melange aus Smartphone und Zombie, die Profis darunter schicken Nachrichten, indem sie das Telefon wie Knäckebrot an den Mund halten und sprechen. Das ginge theoretisch leise, aber dann würde ja niemand mithören. Wenn sie sich doch wenigstens dafür in die Telefonzelle an der Bushaltestelle stellen würden, sie ist dafür erfunden worden, aber nein. Telefonzellen haben ausgedient. Seit es Mobilfunk gibt, interessiert sich scheinbar niemand mehr für das Monument kommunikativer Zeitgeschichte am Ende der Grabenallee. Nur den Feuerkäfern gefällt es in diesem Häuschen ganz gut, Frühling ist Paarungszeit.

Die Telefonzelle an der Waldstetter Brücke ist eine der letzten ihrer Art. In Schwäbisch Gmünd gibt es noch drei im Zentrum, die eine an der Waldstetter Brücke, in der Schmiedgasse eine und eine Telefonsäule gegenüber des Predigers, bundesweit sind es um die 12.000 solcher Apparate. Wie viel genau in Städten und Dörfern stehen, ist eine Schätzfrage, die die Deutsche Telekom auf Anfrage offen lässt, schließlich findet sie die Dinger mittlerweile auch sehr uninteressant, wie man aus einer Anfrage an die Presseabteilung ableiten kann. „Wir halten beim Thema Telefon-​Stelen für die externe Kommunikation keine Daten mehr bereit“, antwortet eine Sprecherin auf Fragen der Rems-​Zeitung. Sie verweist auf einen anderthalb Jahre alten Blogartikel, eine Art Abschiedsbrief mit dem Titel „Die letzten Groschen sind gefallen“. Seit der Einführung des Mobilfunks sei die Beliebtheit und Nutzung der öffentlichen Telefone jährlich gesunken, „nun ist es Zeit für den Abschied vom öffentlichen Telefon insgesamt, das Angebot wird eingestellt“. Die Erinnerungen bleiben.

Mehr über die Geschichte der Telefonzelle lesen Sie am Samstag in der Rems-​Zeitung.

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