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Frohe Ostern, Kinderlieder und Kopfkino zur falschen Zeit

Symbol-​Foto: gbr

Haben Sie das auch schon mal erlebt? Man verbindet mit einem Fest wie Ostern oder mit einer Jahreszeit bestimmte Emotionen, die auch mit einer ganz besonderen Musik verknüpft sind — und plötzlich schleicht sich das Kopfkino oder der Kinderlieder-​Ohrwurm zur völlig faschen Zeit ins Bewusstsein. Lesen Sie dazu hier und gratis die „Marginalien“ der Rems-​Zeitung:

Sonntag, 31. März 2024
Gerold Bauer
2 Minuten 34 Sekunden Lesedauer

Easter Egg
„In der Osterhasen-​Malerwerkstatt, hinterm Hügel am Waldesrand…“ Na, schon in Osterstimmung? Oder wie wär’s hiermit: „Stups der kleine Osterhase fällt andauernd auf die Nase…“ Keine Frage, Rolf Zuckowski war, ist und bleibt der King der Kinderlieder, besonders zu Ostern und Weihnachten. Ganze Generationen wuchsen mit ihm und seinen Liedern auf, auswendig können viele sie auch als Erwachsene noch – selbst, wenn man sie 15 Jahre lang nicht mehr gehört hat.
Im Haushalt der Autorin liefen in Vorbereitung auf die entsprechenden Feste die „Weihnachtsbäckerei“ und die „Osterhasen-​Malerwerkstatt“ so lange rauf und runter, bis die Eltern sich wohl am liebsten die Gehörgänge mit Zuckerguss versiegelt hätten, nur um der gefühlt tausendsten Wiederholung zu entgehen. Denn einmal im Kopf, wird man diese Ohrwürmer so schnell nicht wieder los. Und da Ohrwürmer ganz heimtückische Viecher sind, attackieren sie auch einfach mal aus dem Nichts und ohne Rücksicht auf die Jahreszeit. Dann sitzt man mitten im Hochsommer im Büro und plötzlich tönt es im Kopf: „Iiin der Weihnachtsbäckereeeiii…“ Hilfe!
Aber zur richtigen Jahreszeit vermitteln die Lieder ein wohlig-​warmes Gefühl von Nostalgie, erinnern an scheinbar unbeschwerte Kindertage, in denen alles irgendwie einfacher war. Rolf Zuckowski singt über seine Osterhasen und vor dem inneren Auge tauchen Bilder von einem strahlend blauen Himmel auf, knallgelbe Forsythien und Osterglocken, Tulpen in allen Farben und dazwischen man selbst als kleines Kind, immer auf der Suche nach dem nächste Ei oder Schokohasen. Klar ist das der Blick durch die rosarote Brille, aber der darf auch mal sein. Besonders, wenn sonst die Realität eher griesgrämig und in Grauschattierungen daherkommt.
Überhaupt ist Musik großartig darin, Gefühle aller Art auszulösen. Manche Lieder schaffen es sogar, Menschen kollektiv in emotionale Ekstase zu versetzen. Das aktuellste Beispiel: 70 000 Menschen haben die Petition unterschrieben, „Major Tom“ von Peter Schilling zur offiziellen DFB-​Torhymne bei der Europameisterschaft 2024 zu machen. Die UEFA (vermutlich ohne jegliches Verständnis für die Poesie und Bedeutung der Neuen Deutschen Welle als Deutsches Kulturgut allgemein) lehnte zwar ab. Doch beim Spiel gegen die Niederlande am Dienstag im Frankfurter Stadion lief der Klassiker von 1982 vor der Partie und auch beim Torjubel – und die Fans stimmten ein. Major Tom löst generationsübergreifend begeistertes Mitsingen aus – insofern haben Peter Schilling und Rolf Zuckowski durchaus was gemeinsam.
Und dann sind da noch die Lieder, mit denen jede Person ihre ganz eigenen Erinnerungen verknüpft: Das Lied, das beim allerersten Kuss lief, das Lied, dass die Mutter immer gesummt hat, das Lied aus dem Herbst, als man zum Studieren in eine andere Stadt gezogen ist, das Lied, zu dem man mal mit Freunden die Nacht durchgemacht hat.
Ist es nicht faszinierend, dass ein Lied, mit dem man selbst so viel verbindet, in jemand anderem keine Gefühlsregung auslöst? Oder dass man das absolute Lieblingslied einer fremden Person auf der Straße vielleicht noch nie zuvor gehört hat? Und die Playlist, die bei dem einen rauf und runter läuft, löst bei der anderen nur Schulterzucken aus. Und man kann meist gar nicht erklären, was einen da so berührt – Der Beat? Der Text? Die Melodie? Die schiere Erinnerung, die man damit verknüpft? Oder alles auf einmal? Egal. Zurücklehnen, Augen zu, Ohren auf und in der Musik versinken – je nach Stimmung in einer anderen. Und oft kann man sich mit der richtigen Musik ja auch in die richtige Stimmung bringen. In diesem Sinne: „Frooohe Ostern, frooohe Ostern, frooohe Ostern überall!“ (Anna Bernhard)

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