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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

RZ-​Fotograf Eduard Stanzel gestorben

Foto: privat

RZ-​Fotograf Eduard Stanzel ist im Alter von 80 Jahren nach tapfer ertragenen Krankheiten verstorben.

Samstag, 13. April 2024
Sarah Fleischer
2 Minuten 31 Sekunden Lesedauer

Die Nachricht vom Tod eines besonderen Kollegen und lieben Menschen hat nicht nur in seiner Familie und im Hause der Rems-​Zeitung Trauer und Betroffenheit ausgelöst, sondern auch bei vielen Weggefährten. Kaum ein anderes „Gesicht“ der Gmünder Heimatzeitung war jahrzehntelang so präsent, bekannt und geschätzt wie das unseres unvergessenen Presse-​Fotografen Eduard Stanzel.
Das Schicksal meinte es nicht gut mit Stanzel, der als Vertriebenen-​Bub aus Waltersdorf im Altvatergebirge auf die Ostalb kam. Zunächst lebte die Familie in Unterkochen, ab 1952 in Waldstetten. Stolz und dennoch nachdenklich erzählte er immer wieder, dass er schon als 15-​Jähriger lernen musste, auf eigenen Füßen zu stehen. Dann auf dem weiteren Lebensweg auch das: Noch in jungen Jahren verstarb seine Frau und Mutter zweier Töchter.
Eduard Stanzel erlernte in Stuttgart den damals sehr angesehenen Beruf des Chemiegraphen: Noch standesgemäß im weißen Mantel arbeitete der junge Mann mit unterschiedlichen Chemikalien und Verfahren für die Herstellung hochwertiger Druckerzeugnisse. Stanzels insgesamt 45-​jährige Ära bei der Rems-​Zeitung begann im Jahre 1963. Schnell wuchs er als begeisterter und fachlich begabter Fotograf auch in die Rolle des zuverlässigen und allzeit startbereiten Bildberichterstatters hinein. Seine früheren Redaktionskollegen sehen Stanzel immer noch, wie er jeden Freitag mit größter Sorgfalt seinen Termin– und Laufzettel fürs Wochenende schrieb, um ja keinen Auftrag zu versäumen. Und er war zudem für Polizei und Feuerwehr telefonisch und später per „Euro-​Signal“ immer erreichbar, wenn nachts oder am Wochenende ein schwerer Unfall oder ein Brand dokumentiert werden musste. Er war von den Ordnungshütern und Feuerwehrleuten gern gesehen, weil es ihn auch selbstverständlich war, sein Bildmaterial für Ermittlungszwecke zur Verfügung zu stellen. War er von Termin zu Termin unterwegs, dann hielt seine Frau Telefon-​Wache. Er drückte nicht nur auf den Auslöser der Kamera, sondern entwickelte damals analog und aufwändig seine Filme in der Dunkelkammer und fertigte Fotoabzüge an.
Stanzels Engagement beschränkte sich nicht nur auf diese Termin– und Pflichtaufgaben. Er hatte das Gespür eines Chronisten. Im Grunde genommen war Eduard Stanzel neben seiner Rolle als Techniker stets auch ein geschätztes Mitglied der Redaktion. Seine Orts-​, Menschen– und Vereinskenntnisse machten ihn zu einem Urgestein des Gmünder Foto– und Lokaljournalismus. Noch heute ist von Zeitzeugen zu hören, dass eine Veranstaltung als gelungen galt, wenn der „sta“ (so sein Kürzel) dort aufkreuzte, um ein Foto davon zu machen.
Eduard Stanzel bleibt auch als lieber Mensch voller Anstand und Kollegialität in Erinnerung. Mit Geduld weihte er junge Zeitungskollegen in die Geheimnisse der Fotographie und anschließender Dunkelkammer-​Arbeit ein. Nebenbei gab es auch mal gut gemeinte Hinweise für Volontäre und Jungredakteure: Man möge sich doch bitte ordentlich kleiden, wenn man Termine wahrnehme, denn es gelte, die Rems-​Zeitung zu repräsentieren.
Zurück zur Technik und zum Einstieg ins digitale Zeitalter. Die Rems-​Zeitung stellte 1992 als erster deutscher Zeitungsverlag auf die neue Foto-​Machart ohne Dunkelkammer und Chemie um, was heute völlig selbstverständlich geworden ist. Damals war’s noch ein Abenteuer. In den Pionier– und Anfangsjahren schulterte Eduard Stanzel noch einen schweren Computer– und Speicherkoffer, um das neuartige Digital Camera System von Kodak (DCS) Praxistests zu unterziehen. Sein allererstes und sodann in der Rems-​Zeitung veröffentlichtes Digital-​Foto vom Wochenmarkt war eine Sensation.
Eduard Stanzel hat fast ein halbes Jahrhundert lang Geschichte und Geschichten in Stadt und Land fotografiert und für seine Mitmenschen gearbeitet und ihnen Freude bereitet. Im verdienten Ruhestand angekommen, erzählte er gerne, dass für ihn ein neues Leben begonnen habe: Endlich mal in Ruhe ein Konzert oder ein Fest besuchen zu können. Die letzten Lebensjahre waren jedoch geprägt von Krankheiten, die er tapfer ertrug. Eduard Stanzel und sein Kürzel sta werden als Teil der Geschichte der Rems-​Zeitung und des Stadtgeschehens ewig in Erinnerung bleiben.

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