Samstag, 25. Juni 2016

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Lokalnachrichten

» Kultur | Donnerstag, 19. Dezember 2013

Frieder Bernius dirigiert Bachs „WO“

Galerie (1 Bild)

Das ‚Weihnachtsoratorium‘ ist eine favorisierte Weihnachtsmusik. Es ist das populärste aller geistlichen Vokalwerke überhaupt und zählt zu Johann Sebastian Bachs berühmtesten geistlichen Kompositionen. An Beliebtheit nicht zu übertreffen.

 
Von Christine Lakner
KONZERT. Dieses sechsteiliges Oratorium für Soli, gemischten Chor und Orchester wurde erstmals 1734 vom Thomanerchor in Leipzig aufgeführt. Die Kantaten eins bis drei, fünf und sechs brachten am Dienstag Abend in der Augustinuskirche Schwäbisch Gmünd der Kammerchor Stuttgart und das Barockorchester Stuttgart unter der Leitung von Frieder Bernius zu Gehör.
Mit dem Kammerchor Stuttgart stand für das Weihnachtsoratorium ein Bach-​erprobtes Ensemble zur Verfügung, das vom ersten Ton an mit erstaunlicher Plastizität sang und das ein unglaubliches Maß an Agilität und Klarheit besaß, ohne jedoch auf Klang zu verzichten. Ob in den Chorälen oder begleitend in Rezitativen, die 23 Sängerinnen und Sänger waren stimmlich durchweg homogen, farblich flexibel und von kristallklarer Struktur. Kein Wort ging verloren und keine Phrase wurde spannungslos fallengelassen.
Nicht minder überzeugte die Riege der Solisten. Allen voran der Tenor Andreas Weller der in den Evangelisten-​Rezitativen als fesselnd agierender Erzähler, in den Arien mit sicherer Höhe, schlank und elegant geformten Koloraturen überzeugte. Jedes Wort war klar verständlich und doch so musikalisch intoniert. Er sang als einziger auch komplett auswendig.
Mit Joanne Lunn stand dem Solistenensemble eine Sopranistin voran, die die Arien stimmgewaltig und feinfühlig darbot und mit ihrer sehr feinen und durchsichtigen Stimme der Aufführung einige große Momente bescherte. Sophie Harmsens wirklich große, durchaus eigenständige Altstimme besaß ein wunderbar warmes Timbre und verlieh damit intensivste Ausdruckskunst. Schließlich der Bassist Peter Harvey der mit seiner großmächtigen Stimme, toller Tiefe und viel virilem Klang intonierte.
Nicht nur ihre eigenen Partien füllten die vier versierten Solistenstimmen mit Leben, auch die Interaktion miteinander gelang in genauester Feinabstimmung.
Das Barockorchester Stuttgart erwies sich mit historischen Instrumenten und dem daraus resultierenden schlanken Ensembleklang als gute Wahl. Vor allem in den Arien bereiteten die Instrumentalisten den Sängern ein klangschönes und unaufdringliches Fundament, das durchweg locker, wiegend und flüssig musiziert war. Und statt eines Cembalo übernahm eine kleine Orgel die begleitende Funktion, die über die des reinen Continuo-​Instruments weit hinausging.
Von der ersten bis zur letzten Note ließ Frieder Bernius seine Musiker stringent und spannungsreich musizieren und die Stimmenvielfalt Bachs ausgezeichnet durchhörbar erleben. Er ließ in den Rezitativen die instrumentale Begleitung ausgesprochen vital gestalten und schaffte es, einen großen, dramatischen Bogen von den gravitätischen, aber keinesfalls schwerfälligen ersten Takten des Eingangchorals bis zum schwungvollen und intensiv, strahlend gesungenen Schlusschor zu spannen. Die begeisterten Zuhörer erlebten eine in ihrer Zurückgenommenheit voll und ganz überzeugenden Interpretation des Weihnachtsoratoriums.

 

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Frieder Bernius dirigiert Bachs „WO“

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Das ‚Weihnachtsoratorium‘ ist eine favorisierte Weihnachtsmusik. Es ist das populärste aller geistlichen Vokalwerke überhaupt und zählt zu Johann Sebastian Bachs berühmtesten geistlichen Kompositionen. An Beliebtheit nicht zu übertreffen.

 
Von Christine Lakner
KONZERT. Dieses sechsteiliges Oratorium für Soli, gemischten Chor und Orchester wurde erstmals 1734 vom Thomanerchor in Leipzig aufgeführt. Die Kantaten eins bis drei, fünf und sechs brachten am Dienstag Abend in der Augustinuskirche Schwäbisch Gmünd der Kammerchor Stuttgart und das Barockorchester Stuttgart unter der Leitung von Frieder Bernius zu Gehör.
Mit dem Kammerchor Stuttgart stand für das Weihnachtsoratorium ein Bach-​erprobtes Ensemble zur Verfügung, das vom ersten Ton an mit erstaunlicher Plastizität sang und das ein unglaubliches Maß an Agilität und Klarheit besaß, ohne jedoch auf Klang zu verzichten. Ob in den Chorälen oder begleitend in Rezitativen, die 23 Sängerinnen und Sänger waren stimmlich durchweg homogen, farblich flexibel und von kristallklarer Struktur. Kein Wort ging verloren und keine Phrase wurde spannungslos fallengelassen.
Nicht minder überzeugte die Riege der Solisten. Allen voran der Tenor Andreas Weller der in den Evangelisten-​Rezitativen als fesselnd agierender Erzähler, in den Arien mit sicherer Höhe, schlank und elegant geformten Koloraturen überzeugte. Jedes Wort war klar verständlich und doch so musikalisch intoniert. Er sang als einziger auch komplett auswendig.
Mit Joanne Lunn stand dem Solistenensemble eine Sopranistin voran, die die Arien stimmgewaltig und feinfühlig darbot und mit ihrer sehr feinen und durchsichtigen Stimme der Aufführung einige große Momente bescherte. Sophie Harmsens wirklich große, durchaus eigenständige Altstimme besaß ein wunderbar warmes Timbre und verlieh damit intensivste Ausdruckskunst. Schließlich der Bassist Peter Harvey der mit seiner großmächtigen Stimme, toller Tiefe und viel virilem Klang intonierte.
Nicht nur ihre eigenen Partien füllten die vier versierten Solistenstimmen mit Leben, auch die Interaktion miteinander gelang in genauester Feinabstimmung.
Das Barockorchester Stuttgart erwies sich mit historischen Instrumenten und dem daraus resultierenden schlanken Ensembleklang als gute Wahl. Vor allem in den Arien bereiteten die Instrumentalisten den Sängern ein klangschönes und unaufdringliches Fundament, das durchweg locker, wiegend und flüssig musiziert war. Und statt eines Cembalo übernahm eine kleine Orgel die begleitende Funktion, die über die des reinen Continuo-​Instruments weit hinausging.
Von der ersten bis zur letzten Note ließ Frieder Bernius seine Musiker stringent und spannungsreich musizieren und die Stimmenvielfalt Bachs ausgezeichnet durchhörbar erleben. Er ließ in den Rezitativen die instrumentale Begleitung ausgesprochen vital gestalten und schaffte es, einen großen, dramatischen Bogen von den gravitätischen, aber keinesfalls schwerfälligen ersten Takten des Eingangchorals bis zum schwungvollen und intensiv, strahlend gesungenen Schlusschor zu spannen. Die begeisterten Zuhörer erlebten eine in ihrer Zurückgenommenheit voll und ganz überzeugenden Interpretation des Weihnachtsoratoriums.

 

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