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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Sonntag, 14. Dezember 2014

Der Glücksvogel zieht übers Land: Gmünder Naturfreunde stoßen bei einer Exkursion mit NABU und Naturkundeverein auf Kraniche

Galerie (2 Bilder)

Kraniche werden jetzt zuweilen am Himmel über Gmünd beobachtet. Sie sind durch ihren Ruf und durch den charakteristischen Formationsflug zu erkennen – er ähnelt einem Häkchen, mit dem man eine Liste abhakt.Wer’s gesehen hat, wird es kaum wieder vergessen.


SCHWÄBISCH GMÜND. Wer die anmutigen grauen Vögel einmal gesehen und ihr melancholisches „Krruu“ gehört hat, wird das so schnell nicht mehr vergessen. Jedes Jahr fahren Tierfreunde weite Strecken an die mecklenburgische Ostseeküste, an ungarische Seen oder gar in die spanische Extremadura, um Kraniche zu erleben: Beim Rasten, bei ihrem legendären Balztanz oder um die typische hakenförmige Flugformation der Kraniche zu sehen. In unserer Nähe gab es bisher aber kaum eine Chance, die sagenumwobenen Zugvögel, die in Asien als Glückssymbol verehrt werden, vor das Fernglas zu bekommen. Umso erfreuter war eine kleine Schar von Gmünder Naturfreunden, als sie bei ihrem Ausflug ins Gundelfinger Moos gemeinsam mit NABU und Naturkundeverein kürzlich beobachten konnten, wie sich ein Trupp von 17 Kranichen auf den Feuchtwiesen niederließ — neben Beobachtungen seltener und bedrohter Arten wie des Großen Brachvogels ein unbestrittener Höhepunkt der Exkursion. Die Gmünder „Birder“ konnten sich vom Anblick dieser majestätischen Tiere kaum losreißen. Das Naturschutzgebiet bei Lauingen an der Donau, eine Fahrstunde von Gmünd, ist eine Fundgrube für Naturbeobachtungen, insbesondere von rastenden Zugvögeln.
Trotzdem ist es noch immer ein außergewöhnliches Glück, Kraniche in Süddeutschland sehen zu können — und dann auch noch aus der Nähe. Warum dies heute in einigen Fällen gelingt, erklärt NABU–Vogelexperte Josef Müller: Bis vor wenigen Jahren flogen die Tiere im Herbst von ihren Brutgebieten in Skandinavien, Nordrussland und der Ostseeküste auf zwei großen Zugrouten Richtung Süden: Ein Teil der Population wandte sich über Osteuropa und den Balkan, um den Winter am östlichen Mittelmeer zu verbringen. Der andere Teil schlug den Weg über Norddeutschland und Frankreich ein und überwinterte auf der iberischen Halbinsel. Seit etwa 2011 hat sich jedoch eine kleinere Gruppe Kraniche vom östlichen Zweig abgespalten. Aus dem ungarischen Tiefland, wo die Vögel auf ihrem Zug Rast machen, fliegen sie nicht mehr mit ihren Artgenossen weiter südostwärts, sondern gehen auf Westkurs, überqueren Österreich, Bayern und Baden-​Württemberg und schließen sich in Frankreich der Westgruppe an. Seither können Kraniche auch manchmal am Himmel über Gmünd beobachtet werden. Die „Vögel des Glücks“, fliegen jetzt also auch über unseren Köpfen. Ob uns das Glück bringt, bleibt abzuwarten. Ein Grund zur Freude, so Josef Müller, sind die fliegenden Durchzügler allemal.

Eine gute Gelegenheit, Kraniche nicht live, aber in atemberaubenden Tieraufnahmen zu sehen, gibt es am Donnerstag,18. Dezember, um 20 Uhr im Gasthaus Krone in Zimmern. Dort zeigt Dr. Karen Debler, Heubacher Tierärztin und NABU–Vorstandsmitglied, eigene Bilder aus den Brut-​, Rast– und Überwinterungsgebieten dieser faszinierenden Vögel.
 

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Kraniche werden jetzt zuweilen am Himmel über Gmünd beobachtet. Sie sind durch ihren Ruf und durch den charakteristischen Formationsflug zu erkennen – er ähnelt einem Häkchen, mit dem man eine Liste abhakt.Wer’s gesehen hat, wird es kaum wieder vergessen.


SCHWÄBISCH GMÜND. Wer die anmutigen grauen Vögel einmal gesehen und ihr melancholisches „Krruu“ gehört hat, wird das so schnell nicht mehr vergessen. Jedes Jahr fahren Tierfreunde weite Strecken an die mecklenburgische Ostseeküste, an ungarische Seen oder gar in die spanische Extremadura, um Kraniche zu erleben: Beim Rasten, bei ihrem legendären Balztanz oder um die typische hakenförmige Flugformation der Kraniche zu sehen. In unserer Nähe gab es bisher aber kaum eine Chance, die sagenumwobenen Zugvögel, die in Asien als Glückssymbol verehrt werden, vor das Fernglas zu bekommen. Umso erfreuter war eine kleine Schar von Gmünder Naturfreunden, als sie bei ihrem Ausflug ins Gundelfinger Moos gemeinsam mit NABU und Naturkundeverein kürzlich beobachten konnten, wie sich ein Trupp von 17 Kranichen auf den Feuchtwiesen niederließ — neben Beobachtungen seltener und bedrohter Arten wie des Großen Brachvogels ein unbestrittener Höhepunkt der Exkursion. Die Gmünder „Birder“ konnten sich vom Anblick dieser majestätischen Tiere kaum losreißen. Das Naturschutzgebiet bei Lauingen an der Donau, eine Fahrstunde von Gmünd, ist eine Fundgrube für Naturbeobachtungen, insbesondere von rastenden Zugvögeln.
Trotzdem ist es noch immer ein außergewöhnliches Glück, Kraniche in Süddeutschland sehen zu können — und dann auch noch aus der Nähe. Warum dies heute in einigen Fällen gelingt, erklärt NABU–Vogelexperte Josef Müller: Bis vor wenigen Jahren flogen die Tiere im Herbst von ihren Brutgebieten in Skandinavien, Nordrussland und der Ostseeküste auf zwei großen Zugrouten Richtung Süden: Ein Teil der Population wandte sich über Osteuropa und den Balkan, um den Winter am östlichen Mittelmeer zu verbringen. Der andere Teil schlug den Weg über Norddeutschland und Frankreich ein und überwinterte auf der iberischen Halbinsel. Seit etwa 2011 hat sich jedoch eine kleinere Gruppe Kraniche vom östlichen Zweig abgespalten. Aus dem ungarischen Tiefland, wo die Vögel auf ihrem Zug Rast machen, fliegen sie nicht mehr mit ihren Artgenossen weiter südostwärts, sondern gehen auf Westkurs, überqueren Österreich, Bayern und Baden-​Württemberg und schließen sich in Frankreich der Westgruppe an. Seither können Kraniche auch manchmal am Himmel über Gmünd beobachtet werden. Die „Vögel des Glücks“, fliegen jetzt also auch über unseren Köpfen. Ob uns das Glück bringt, bleibt abzuwarten. Ein Grund zur Freude, so Josef Müller, sind die fliegenden Durchzügler allemal.

Eine gute Gelegenheit, Kraniche nicht live, aber in atemberaubenden Tieraufnahmen zu sehen, gibt es am Donnerstag,18. Dezember, um 20 Uhr im Gasthaus Krone in Zimmern. Dort zeigt Dr. Karen Debler, Heubacher Tierärztin und NABU–Vorstandsmitglied, eigene Bilder aus den Brut-​, Rast– und Überwinterungsgebieten dieser faszinierenden Vögel.
 

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