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Iris Vogt erhielt gestern den Irma-​Schmücker-​Preis an der PH Schwäbisch Gmünd

Schwäbisch Gmünd

Rems-Zeitung

Für ihre Abschlussarbeit über den Lehrerinnenberuf im 19. und 20. Jahrhundert erhielt gestern Iris Vogt an der Pädagogischen Hochschule den Irma-​Schmücker-​Preis, ein Preis, der die Sichtbarkeit von Frauen im Bildungs– und Hochschulsystem stärken soll. Von Tanja Bullinger

Freitag, 19. Juni 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
140 Sekunden Lesedauer

SCHWÄBISCH GMÜND. Irma Schmücker, so erinnerte Dr. Eva Wittneben, Gleichstellungsbeauftragte an der PH in ihrer Laudatio, hatte in Schwäbisch Gmünd 1946 die Volkshochschule gegründet. Der nach ihr benannte Preis wird für Arbeiten verliehen, die sich mit Fragen der Gleichstellung der Geschlechter sowie mit geschlechtsspezifischen Fragen hinsichtlich Gesellschaft, Bildung und Beruf auseinander setzen. Den mit 300 Euro dotierten Preis erhält in diesem Jahr Iris Vogt aus Rainau-​Dalkingen für ihre Zulassungsarbeit „Der Lehrerinnenberuf im 19. und 20. Jahrhundert. Entwicklung eines Berufsbilds“. Betreut wurde diese Arbeit von Prof. Dr. Karin Priem. Das Koreferat lag bei Prof. Dr. Axel Gehrmann, wie Priem Professor der Erziehungswissenschaften.
Heute seien Lehrerinnen ihren männlichen Kollegen was die Ausbildung, die Bezahlung oder rechtliche Absicherung betrifft gleichgestellt, so Iris Vogt bei der Vorstellung ihrer Arbeit. Dass dies beileibe nicht immer so war, zeigte sie anschaulich anhand eines Zeitschriftenzitats aus dem Jahr 1898 auf: junge hübsche Frauen, die den Lehrerberuf ergriffen, alterten frühzeitig, mit 30, einem Alter, in dem ihre männlichen Kollegen in der Blüte ihrer Jahre seien und richtig in ihrem Beruf aufgingen, seien sie bereits verblühte, alte Jungfern. Was heute zum Lachen reizt, war für die damaligen Lehrerinnen bittere Realität. Es gab in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wenig Ausbildungsmöglichkeiten für die Frauen, sie wurden schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen und mussten, wollten sie im Beruf bleiben, unverheiratet bleiben. Auch für ihren Lebenswandel wurden strikte Richtlinien aufgestellt. Das reichte von einer Kleiderordnung bis hin zu den Veranstaltungen, die sie besuchen durften. Ab 1865 waren Lehrerinnen auch in der Frauenbewegung aktiv, kämpften unter anderem für bessere Bildungschancen für Mädchen und Frauen. 1908 trug dieses Engagement erste Früchte, Frauen erhielten Zugang zu den Hochschulen. Doch die Angriffe der männlichen Kollegen ebbte nicht ab, selbst während des 1. Weltkriegs, als männliche Lehrer fehlten, waren Frauen im Klassenzimmer ungern gesehen. Im Dritten Reich sei die Frau dann immer mehr in die Mutterrolle gedrängt worden, wobei während des Krieges wieder auf weibliche Arbeitskräfte zurückgegriffen wurde. Erst in den 60er-​Jahren des 20. Jahrhunderts sei die Zahl der Lehrerinnen sprunghaft angestiegen. So sehr, dass heute von einer „Feminisierung“ des Lehrerberufs die Rede sei Mit diesem Begriff, der in der Alltagssprache eher negativ besetzt sei, beschäftigte sich Iris Vogt im dritten Teil ihrer Arbeit. Er drücke nicht nur aus, dass Frauen im Lehrerberuf zahlenmäßig stark zugenommen haben sondern impliziere auch einen damit einhergehenden qualitativen Wandel. Vogt betont in ihrer Arbeit jedoch, dass man diese Entwicklung sehr differenziert betrachten müsse. Zwar sei die Zahl der Lehrerinnen im Grundschulbereich mit 87 Prozent sehr hoch, doch mit steigendem Alter und Bildungsgrad der Kinder sinke die Zahl der unterrichtenden Frauen. Am Gymnasium sehe das Zahlenverhältnis ganz anders aus. Auch die qualitativen Veränderungen seien wissenschaftlich nicht belegt. Dass Jungen die Verlierer des Schulsystems sind, weil sie in den Grundschulen hauptsächlich von Frauen unterrichtet werden, werde lediglich als Behauptung ins Feld geführt, Untersuchungen dazu gebe es nicht. Iris Vogt ist auch nicht der Meinung, dass mehr männliche Lehrkräfte hier die letzte Lösung sind. Vielmehr sei es künftig Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer, für Rollenstereotype zu sensibilisieren und diese aufzubrechen.
Musikalisch gestaltet wurde die kleine Feierstunde von Elisabeth, Astrid Hilbert und Laurie Fitz.