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Sie waren lange nicht mehr vereint

Sie waren lange nicht mehr vereint in einer Ausstellung, ein Vierteljahrhundert lang nicht mehr. Die Werke von sieben Bildhauern, die in Schwäbisch Gmünd arbeiten oder arbeiteten, sind jetzt im Kloster Lorch zu sehen Von Reinhard Wagenblast

Donnerstag, 30. April 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 13 Sekunden Lesedauer

LORCH. Das Refektorium, gewiss kein kleiner Saal, konnte die große Zahl der Gäste kaum fassen; Ausstellungsinitiator Hans Kloss und Manfred Schramm, der Vorsitzende des veranstaltenden Freundeskreis des Kloster Lorch strahlten — so viele Vernissagenbesucher waren ein Lohn der langen Vorbereitungen. Fast 40 Skulpturen stehen auf dem Areal der Klosteranlage, jede kommt in dieser Umgebung zu ihrem Recht, korrespondiert mit den Kloster– und Kirchenmauern, mit dem Fachwerk, dem Kreuzgang, der Gartenanlage und dem Blick auf die im Frühlingsglanz prangende Landschaft des Remstals. Hier ist ein temporärer Skulpturenpark entstanden, der in seiner Qualität einzigartig und für die Freunde Gmünder Kunst ein Muss ist. Schließlich ist sie Bildhauern gewidmet, die in den letzten 50 Jahren in der Stauferstadt und in der Region eine bedeutsame Rolle spielten — zumeist nicht allein auf ihrem ureigenen Feld, der Kunst, sondern hin und wieder auch in der Kommunalpolitik. Ausgestellt werden Figuren, überwiegend in Bronze und Stahl, von Max Seiz, Eckart Dietz, Josef Baumhauer, Ulrich Nuss, Hans Nübold und von den nicht mehr lebenden Künstlern Fritz Nuss und Jakob Wilhelm Fehrle. Eckart Dietz wies zum Schluss auf die Rolle hin, welche die Fachschule vor einem halben Jahrhundert für die jungen Künstler spielte: Brennpunkt und Bildungsstätte zugleich, empfingen sie dort entscheidende Impulse. Und alle fanden ihre Nische, ihre Sparte.
Doch vorweg plauderte Hans Kloss — an der Stelle sonst üblicher Vernissagenworte — aus dem Nähkästchen und aus dem halben Jahrhundert, in dem er, der Maler, mit den Bildhauer-​Kollegen zusammengearbeitet hat. Ein ähnliches geballtes Auftreten wie dieses im Kloster Lorch sei in dem halben Jahrhundert nur einmal gelungen: Mitte der 80er Jahre, als es um die Kunst am Bau im neuen Gmünder Stadtgarten gegangen sei: die „Vereinten Gegensätze.“ Dabei hätte es gleichwohl oft Gelegenheit gegeben, gemeinsam etwas für die Kunst in der Stadt zu tun, meinte Kloss, als er an das Projekt der „Kunstbänke“ anlässlich der Landeskunstwochen 1987 erinnerte: „30 Bänke in 30 Jahren, so wurden Hoffnungen geweckt, die von den Entscheidungsträgern sehr, sehr selten erfüllt worden sind.“
Hans Kloss schilderte seine erste Begegnung mit Gmünder Kunst anno 1953 — die in der Tat Größe besaß: Sepp Baumhauer zehn Meter hohes Werk am Kettelerheim, in dem der DDR-​Flüchtling unterkam: „Es war umwerfend.“ Nicht immer hält Kunst in Gmünd: Als das Gewerkschaftshaus im Türlensteg renoviert wurde, verschwand ein Sgraffito Baumhauers unter der Wärmedämmung.
Und natürlich die unruhigen 60er Jahre, in denen die Künstler, heute allesamt zwischen 60 und 80, junge Leute waren, gärender Most in der gerne im eigenen Saft schmorenden Stadt. Mit einer Legende wollte Kloss aufräumen: Nicht die CDU habe Hansludwig Scheffold nach Gmünd geholt, wo er dann OB wurde, sondern die Künstler, die ihn bei einem Kolping-​Treffen in Stuttgart ansprachen. OB Klaus, „auch ein Gmünder“, zettelte derweil Prozesse an — wegen einer Karikatur bekam Hans Kloss Schwierigkeiten mit dem Juristen, der ihm „Anstiftung zum Mord“ vorgeworfen hatte. So nah an Leben und Tod kann die Kunst sein.

Zu sehen ist die Ausstellung bis 13. September, täglich von 10 bis 18 Uhr

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